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29/09/2016

Deutschland will Klimaschutz-Versicherungen in Entwicklungsländern fördern

Entwicklungspolitik

Deutschland will Klimaschutz-Versicherungen in Entwicklungsländern fördern

Klimakatastrophen nehmen weltweit zu. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks will darum Klimaschutz-Versicherungen in Entwicklungsländern anschieben.

[Asian Development Bank/Flickr]

Dürren, Flutkatastrophen, Hitzewellen: Umweltkatastrophen nehmen durch den Klimawandel weltweit zu. Besonders hart tifft das die Menschen in Entwicklungsländern. Nun will Bundesumweltministerin Hendricks die sieben führenden Industrienationen in die Pflicht nehmen, um den Versicherungsschutz gegen den Klimawandel gerade für die Ärmsten voranzubringen.

2015 gilt als Schicksalsjahr für die Ziele der Internationalen Gemeinschaft in Klimaschutz und Entwicklung: Ende September wollen die Vereinten Nationen die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele verabschieden, die Sustainable Development Goals (SDGs). Im Dezember dann soll in Paris beim UN-Klimagipfel ein neues bindendes Abkommen für die Zeit nach 2020 erreicht werden, um die Erderwärmung unter der kritischen Grenze von zwei Grad zu halten.

Doch, so warnt etwa die Weltbank seit einiger Zeit, selbst wenn die Regierungen schnell genug die Senkung von Emissionen in Gang setzen, werden sich einige Folgen des Klimawandels wohl nicht mehr aufhalten lassen. Unter anderem werde der Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten stetig ansteigen. Und auch ein weiterer Anstieg der Temperaturen und damit einhergehende Hitzewellen seien zu erwarten.

Am schlimmsten treffen Klimaveränderungen die Armen

Weil besonders die ärmsten Menschen im Fall von Umwelt- und Klimakatastrophen anfällig für zusätzliche Belastungen sind, wird seit Jahren darüber diskutiert, wie Versicherungslösungen für Entwicklungsländer aussehen könnten. Solche Absicherungen, so die Befürworter des Konzepts, wären eine nachhaltigere Alternative für die Generierung von Hilfsgeldern. Denn die gegenwärtige Form internationaler Hilfe im Katastrophenfall motiviere nicht zu einer Risikominderung.

Nun macht Berlin einen Vorstoß. Während Deutschlands G7-Präsidentschaft, so der Plan von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, soll der Weg für einen besseren Versicherungsschutz gegen den Klimawandel geebnet werden. Ohnehin steht der Klimaschutz für Deutschland ganz oben auf der Agenda für das G7-Treffen im bayerischen Ellmau im Juni.

Orientierung an ersten Projekten der Weltbank

Am Montag veröffentlichte das Umweltministerium im Vorfeld des Gipfels ein entsprechendes Papier. Darin heißt es, die sieben führenden Industriestaaten könnten einen Beitrag leisten, dass sich mehr Menschen in den besonders gefährdeten Entwicklungsländern gegen Risiken des Klimawandels absicherten. Ziel müsse es sein, die Zahl der Versicherten zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen.

Konzeptuell will sich das Umweltministerium an Pilotprojekten unter Beteiligung der Weltbank orientieren. Das bedeutet, dass auf bestehenden regionalen Versicherungssystemen aufgebaut werden soll. Durch private Beiträge und öffentliche Gelder der Industriestaaten sollen die Prämien generiert werden. Laut dem Ministerium wäre auch die Münchner Rückversicherung (Munich Re), an dem Projekt beteiligt.

Die Forderung nach Versicherungskonzepten für betroffene Entwicklungs- und Schwellenländer ist indes schon länger im Gespräch.

Bereits der 2007 beschlossene Aktionsplan von Bali verlangte eine “Berücksichtigung von Mechanismen der Risikoteilung sowie von Transferleistungen wie Versicherungen“ als Mittel, um Verluste und Schäden in besonders vom Klimawandel betroffenen Entwicklungsländern anzugehen. Bei der Klimakonferenz in Cancún einigten sich die Vertragsstaaten der Rahmenkonvention ausdrücklich, dass Versicherungsansätze und andere Vorsorgestrategien gegen Umweltkatastrophen gefördert werden sollen.

Bericht: Klimafolgen treffen vor allem die Ärmsten der Welt

Wie dringend Vorsorgemaßnahmen getroffen werden müssen, zeigte ein Ende des vergangenen Jahres von der Weltbank veröffentlichter Bericht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Darin warnten Klimaforscher vor den verheerenden Folgen der Erderwärmung für die Bewohner der ärmeren Weltregionen.

Vor allem die Länder in den Tropen dürften demnach von den Folgen der Erderwärmung besonders hart getroffen werden. Der Klimawandel sei ein steigendes Risiko für den Entwicklungsprozess und könne die globalen Anstrengungen im Kampf gegen „extreme Armut unterminieren“, heiß es in dem Bericht. Hans Joachim Schnellnhuber vom PIK mahnte, die Folgen der Erderwärmung würden in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich „vor allem die treffen, die am wenigsten zum Anstieg der Treibhausgas-Emissionen beigetragen haben: die Armen der Welt“.

Hintergrund

Deutschland will beim G7-Treffen im Juni den Klimaschutz in den Mittelpunkt rücken, da Ende des Jahre ein Weltklimavertrag in Paris abgeschlossen werden soll. Ziel des Abkommens ist es, eine Erderwärmung von maximal zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zuzulassen – ein Temperaturanstieg, der in seinen Folgen als gerade noch beherrschbar gilt.

Bestandteil des Klimavertrags sollen auch Hilfen für die ärmsten Länder der Welt sein, damit diese sich an die bereits unvermeidbaren Folgen des Klimawandels wie Dürren, Fluten und Unwetter besser anpassen können.

Zuletzt warnte auch ein im Auftrag der Weltbank verfasster Bericht, der Klimawandel sei ein steigendes Risiko für die Entwicklung und könne die weltweiten Bemühungen im Kampf gegen "extreme Armut unterminieren".

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