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25/09/2016

David Miliband: „Die Welt braucht die EU mehr denn je“

Entwicklungspolitik

David Miliband: „Die Welt braucht die EU mehr denn je“

David Miliband sprach bei der gestrigen Ebola-Konferenz in Brüssel. Foto: Georgi Gotev

Wegen der großen Herausforderungen braucht die Welt die EU mehr denn je, sagt David Miliband. Das Argument für eine stärkere, wirksame EU, die einen Mehrwert für die Bemühungen der Mitgliedsstaaten und die örtlichen Gemeinschaften darstellt, ist sehr stark, erklärt der ehemalige britische Außenminister und Präsident des International Rescue Committee (IRC)?. EurActiv Brüssel berichtet.

EurActiv sprach gestern mit dem früheren britischen Außenminister David Miliband am Rande der Konferenz „Ebola: from emergency to recovery„. Er ist der ältere Bruder des britischen Labour-Vorsitzenden und Oppositionsführers Ed Miliband. Im April 2013 trat er von seinem Abgeordnetenamt zurück und nahm den Posten als Vorsitzender des International Rescue Committee (IRC) in New York an. IRC ist eine globale humanitäre und entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation (NGO). Sie ist derzeit in mehr als 40 Ländern tätig.

„Die EU wird mehr denn je gebraucht. Ob sie in die Ukraine schauen oder ob sie Ebola nehmen, oder ob sie die EU-Wirtschaft betrachten, das Argument für eine stärkere, wirksame EU, die einen Mehrwert für die Bemühungen der Mitgliedsstaaten und die örtlichen Gemeinschaften darstellt, ist sehr stark“, sagte David Miliband.

Er verteilte Komplimente an die neue, von Jean-Claude Juncker angeführte Kommission. Sie habe einen „relativ entschlussfreudigen Start in ihre Arbeit“ hingelegt. Miliband betonte die Wichtigkeit, diese Arbeit fortzusetzen.

Die Probleme seien weiterhin erheblich. Gerade aus seiner New Yorker Perspektive werde er daran erinnert, „wie wichtig es für die EU ist, präsent zu sein und ein aktiver Partner bei den weltweiten Anstrengungen zu sein, ob wirtschaftlich, sozial, oder politisch oder bei der Sicherheit.“

Doch was denken seine Amtskollegen aus Nicht-EU-Ländern?

„Meine Amtskollegen aus Nicht-EU-Ländern wollen, dass sich die EU aufrafft und ein guter Partner ist. Das gilt sicherlich für die Amerikaner. Und ich denke, dass es eine gute Botschaft an die Europäer ist, dass sich die Amerikaner eine Wertebeständigkeit über den Atlantik vorstellen. Was sie sehen wollen, ist das praktische Engagement, diese Werte in die Tat umzusetzen, und das muss die EU machen.“

Miliband sprach auch über seine neue Perspektive auf die EU und die internationalen Geschehnisse.

„Ich denke, die Arbeit, die ich mache, lehrt mich Demut, beim täglichen Kampf, Menschen beim Überleben zu helfen und ihr Leben wieder aufzubauen, im humanitären Sektor. Und ich denke, ich habe eine Perspektive auf die globale Politik, aber es ist mehr ein Platz am Ring als ein aktiver Teilnehmer. Also ist es ein Perspektivwechsel.“

Milibands Hauptanliegen bei der Konferenz war eine komplette Veränderung der Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf Epidemien wie Ebola. Man dürfe keine Lösungen von außen entwickeln und anschließend die betroffenen Gemeinschaften ins Boot holen. Die internationale Gemeinschaft müsse in der umgekehrten Reihenfolge verfahren.

Das IRC arbeitet seit fast zwanzig Jahren in Liberia und Sierra Leone und hat 700 Mitarbeiter. Der Großteil sind Ortsansässige, die vor Ort sind, um die Krankheit in beiden Ländern zu beseitigen.