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25/09/2016

Das Internet der Dinge: Erfolgsgarant der SDGs?

Entwicklungspolitik

Das Internet der Dinge: Erfolgsgarant der SDGs?

Überlebenswichtige Wasserpumpen in ländlichen Gegenden können mit Sensoren ausgestattet werden, die frühzeitig Reparaturwarnungen geben.

[Moving Mountains Trust/Flickr]

Das Internet der Dinge verspricht nicht nur, den Alltag der Industrieländer zu verändern, sondern auch eine neue Generation der Landwirtschafts- und Gesundheitstechnologien für bessere Lebensstandards in den ärmsten Ländern hervorzubringen. EurActiv-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

Von intelligenten Kühlschränken bis hin zu Wohnheizsystemen und vernetzten Fahrzeugen – das Internet der Dinge wird eine neue Ära „smarter Städte“ und „intelligenter Regionen“ einleiten. Zahlreiche Unternehmer und Hightech-Spezialisten sind überzeugt, dass diese Revolution öffentliche Dienstleistungen (wie den Transport und das Gesundheitswesen) verbessern wird. Gleichzeitig könnte sie große Fortschritte bei der Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz ermöglichen.

Aber was ist mit den Entwicklungsländern? Werden auch sie von den neusten Technologien profitieren?

Sehr wahrscheinlich – lautet die Schlussfolgerung des letzte Woche veröffentlichten Berichts der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) und des amerikanischen Netzwerkspezialisten Cisco. Die Autoren halten das Internet der Dinge für den Schlüssel zur kostengünstigen Vernetzung, die in den Entwicklungsländern Millionen von Leben verändern wird. Ganz konkret glauben sie, dass diese technologische Revolution dabei helfen könnte, fast alle bisherigen Milleniumsentwicklungsziele (MDGs) sowie die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) für den Zeitraum nach 2015 zu erreichen.

Niedrige Kosten

Diese Schlussfolgerung beruht auf drei Faktoren. Der erste bezieht sich auf den Zugang zur Technologie: In vielen Entwicklungsländern verwendet man schon Systeme, die mit dem Internet der Dinge in Verbindung stehen. Diese sind meist erschwinglich und leicht austauschbar. Die grundlegende Infrastruktur (W-LAN, Internet-Cafés usw.) ist in vielen Entwicklungsländern bereits gut ausgebaut. Die ITU schätzt, dass „2015 mehr als 95 Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten mit Zugang zu 2G-Mobilfunknetzen leben (69 Prozent haben Zugang zu 3G-Netzwerken).“

Zweiter Faktor ist der finanzielle Zugang zum Internet der Dinge. Dem Bericht zufolge „absorbiert die hohe Nachfrage auf den Entwicklungsmärkten noch immer die Forschungs- und Entwicklungskosten des Internets der Dinge“. Darüber hinaus sind notwendige leichte Anpassungen der Systeme, die das Internet der Dinge nutzen, in den Entwicklungsländern noch recht kostspielig.

Kontrolle der Wasserqualität

Der dritte und letzte Grund, weshalb das Internet der Dinge einen so wichtigen Erfolgsfaktor für die SDGs darstellt, ist die Anpassungsfähigkeit. Viele Offline-Geräte verfügen über sehr einfache Plug-and-Play-Funktionen („einstecken und abspielen“), weshalb sie keine professionellen Installations- oder Wartungsarbeiten erfordern.

Auch wichtig ist die Tatsache, dass alternative, kostensparende Energiequellen wie Solarflächen Sensoren und Netzwerke in Gebieten ohne verlässliche Stromversorgung aufladen können.

Daniel Kofman, Gründer von ICT4V (Information and Communication Technologies for Verticals), glaubt, dass in dieser Anpassungsfähigkeit der Schlüssel zum Erfolg für das Internet der Dinge liegt. ICT4V hat seinen Sitz in Uruguay und arbeitet mit sowohl Akademikern als auch Industrieexperten in ganz Lateinamerika zusammen, um große Datenmengen mit nachhaltigen Entwicklungsprojekten zu verknüpfen. „Landwirtschaftliche Entwicklung führt häufig zur Wasserverschmutzung, da es zu einer Verunreinigung durch Algen und Bakterien kommen kann. Mit Hilfe von Sensoren, die an Datenverarbeitungssysteme gekoppelt sind, können wir Problemen bei der Wasserqualität vermeiden“, sagte er La Tribune.

Einzelfallarbeit

Die von diesen Sensoren gesammelten Daten können Landwirten dabei helfen, ihr Land so effizient wie möglich zu bewirtschaften. Aber auch Einzelpersonen können sie von Nutzen sein, wenn diese die Qualität ihres Leitungswassers überprüfen wollen.

Für Kofman ist es wichtig, „von Fall zu Fall zu entscheiden und immer die lokalen Bedürfnisse zu berücksichtigen“. Die Vorteile vernetzter Objekte hängen sehr stark davon ab, wie man lebt und arbeitet, wo man sie verwendet oder welche Daten zur Verfügung stehen. Daher ist es oft schwierig, sie von einem Land auf ein anderes zu übertragen.

Zu den Erfolgsbeispielen der Nutzung vernetzter Gegenstände in Entwicklungsprojekten zählt ein Programm, bei dem man Wasserpumpen mit Sensoren ausstattete. Diese warnten frühzeitig, wenn man die Pumpen, die vor allem in ländlichen Gegenden überlebenswichtig sind, reparieren oder ersetzen sollte.

Im Gesundheitsbereich startete die amerikanische Entwicklungsagentur USAID ein Programm gegen die Ebola-Ausbreitung. Sensoren sammelten dabei Daten zu Patienten in Risikogebieten (Körpertemperatur, Herz- und Atmungsfrequenz usw.). Datenprozessoren waren somit in der Lage vorauszusagen, wann und wo ein Ausbruch stattfinden könnte, und entsprechend die Rettungsdienste zu warnen.