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05/12/2016

Amnesty kritisiert Arbeitsbedingungen auf Palmöl-Plantagen

Entwicklungspolitik

Amnesty kritisiert Arbeitsbedingungen auf Palmöl-Plantagen

Brandrodungen für Palmöl-Plantagen in Indonesien.

[Rain Forest Action Network/Flickr]

In fast jedem zweitem Produkt im Supermarkt steckt Palmöl. Die Ernte in Indonesien findet jedoch unter menschenunwürdigen Umständen statt, berichtet Amnesty International. Das Problem hätte von den Unternehmen erkannt werden müssen.

Amnesty International hat Menschenrechtsverletzungen auf den Palmölplantagen einer indonesischen Firma angeprangert. Die Anlage beliefert nach Angaben der Organisation auch führende internationale Konsumgüterhersteller. Viele große Unternehmen wie Procter & Gamble, Nestlé oder Unilever beziehen demnach Palmöl aus Raffinerien, die mit dem Produzenten zusammenarbeiten. Die Konzerne versicherten unterdessen ihre Kooperationsbereitschaft bei der Lösung der Probleme.

Amnesty sprach nach eigenen Angaben mit 120 Arbeitern auf Plantagen von Tochterfirmen des Palmöl-Produzenten Wilmar und drei Zulieferern. Demnach sind die Beschäftigten einem giftigen Unkrautvernichtungsmittel ausgesetzt. Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren müssten gefährliche Arbeit verrichten und könnten oft nicht mehr zur Schule gehen, weil sie den Eltern helfen müssten, deren Zielvorgaben zu erfüllen. Arbeiterinnen erhalten außerdem laut den Recherchen der Organisation „in extremen Fällen“ nur einen Lohn von 2,50 US-Dollar (1,41 Euro) pro Tag. Sie würden auch mit Lohnkürzungen bedroht für den Fall, dass sie Überstunden verweigerten.

Amnesty kritisierte auch die Konsumgüterhersteller. Keines der großen Unternehmen habe auf Nachfrage erklären können, warum es die Menschenrechtsverletzungen bei den Zulieferern nicht erkannt und verhindert habe, erklärte Amnesty-Expertin Verena Haan. „Dabei sind die Palmöl-Lieferketten meist kurz und wenig kompliziert.“

„ETWAIGES FEHLVERHALTEN KORRIGIEREN“

Der Körperpflege- und Haushaltsmittelkonzern Procter & Gamble erklärte auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP, er arbeite „eng“ mit Wilmar zusammen, „um etwaiges Fehlverhalten zu korrigieren“. Die eigenen Richtlinien für Zulieferer seien „eindeutig und unmissverständlich“, erklärte die deutsche Tochterfirma. Procter & Gamble sei davon überzeugt, positiv auf die Situation dort einwirken zu können.

Auch der Konsumgüterriese Unilever erklärte seinen Willen, die Missstände zu beseitigen. Das Unternehmen begrüßte den Amnesty-Bericht und teilte mit, „dass noch viel mehr getan werden muss, um die tiefgreifenden gesellschaftlichen Probleme zu lösen“, die mit dem Anbau von Palmöl verbunden sind. Unilever sei entschlossen, dabei eine „führende Rolle“ zu übernehmen.

Nestlé erklärte, die von Amnesty beschriebenen Praktiken hätten „keinen Platz in unserer Lieferkette“. Wilmar liefere etwa zehn Prozent des Palmölbedarfs des Konzerns. Derzeit könne das Unternehmen 83 Prozent dieser Lieferungen bis zur Ölmühle zurückverfolgen, elf Prozent bis zur Plantage. Die von Amnesty genannten Plantagen seien nicht unter den Pflanzungen, bis zu denen Nestlé seine Lieferkette zurückverfolgen könne. Die Vorwürfe von Amnesty
würden mit den Lieferanten nun sorgfältig geprüft.

PALMÖL STECKT IN JEDEM ZWEITEN PRODUKT

Palmöl ist ein wichtiges Basisprodukt für Lebensmittel sowie Körperpflege-, Pharma-, Haushalts- und Hygieneartikel. Es findet sich etwa in Margarine, Cremes, Fertiggebäck, Pizza und Waschmittel. Der Umweltschutzorganisation WWF zufolge ist es in rund jedem zweiten Produkt enthalten, das in Supermärkten verkauft wird. Der Anbau wird seit Langem wegen der damit verbundenen Umweltzerstörung und Arbeitsbedingungen kritisiert.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte mit Blick auf die Verhandlungen der Europäischen Union über Freihandelsabkommen mit Indonesien und Malaysia, nur noch nachhaltig produziertes Palmöl in die Europäische Union zu lassen. Die Handelspakte müssten ein „klares Signal“ setzen. Indonesien sei unter anderem durch Brandrodung im vergangenen Jahr der drittgrößte Verursacher von klimaschädlichem Kohlendioxid gewesen.