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02/12/2016

Afrika: Mehr Augenmerk den Demokratien

Entwicklungspolitik

Afrika: Mehr Augenmerk den Demokratien

Der Senegal ist einer der wenigen demokratischen und stabilen Staaten in Afrika.

Foto: Michel Piccaya/Shutterstock

Die EU hat ihren Run auf Afrika begonnen – vordergründig vor allem wegen der Flüchtlingskrise. Die Wirklichkeit zeigt dabei: Die wenigen demokratischen Staaten würden mehr Aufmerksamkeit verdienen.

Afrika gehört zu den am stärksten wachsenden Kontinenten. Derzeit werden 1,2 Milliarden Einwohner gezählt. Bis zum Jahre 2050 soll deren Zahl auf zwei Milliarden wachsen. Nachdem die Volksrepublik China bereits seit Jahren wirtschaftliches Interesse für afrikanische Staaten bekundet und zahlreiche Investitionsprojekte finanziert, beginnt nun auch seitens der EU und der EU-Staaten der Run auf Afrika.

Vordergründig ist es die Sorge um den Flüchtlingsstau, die die Politiker aktiv werden lässt. Sie suchen man nach Möglichkeiten, den Menschen vor Ort Arbeit zu schaffen. Erst letzte Woche weilte zum Beispiel eine hochrangige österreichische Delegation in Südafrika und Kenia, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu intensivieren. Der Präsident der Wirtschaftskammer, Christoph Leitl, setzt seine Hoffnungen auf einen so genannten Marshallplan.

Funktionierende Entwicklungshilfe

Mitunter sind es aber gerade kleinere Veranstaltungen, die auf die eigentlichen Probleme und Lösungsansätze hinweisen. das zeigte sich bei der Auszeichnung eines Projektes, das von der österreichisch-senegalesischen Gesellschaft und einer ihrer Projektleiterin Lore Beck getragen wird. Mit relativ bescheidenen finanziellen Mitteln, aber enormen persönlichen Einsatz wird in dem Landstrich namens Enampore mustergültige Entwicklungshilfe vorexerziert.

Logistische und finanzielle Hilfe bei der Wassergewinnung wurde geleistet, ein Schüleraustauschprogramm aufgezogen, der zu einer nachhaltigen Verbesserung des Bildungsstandards geführt hat. Derzeit wird eine Backstube mit einem stromunabhängigen Ofen in Betrieb genommen, damit die Region täglich mit frischem Brot versorgt werden kann. Der Erlös aus diesem Geschäft wird vor Ort gleich in neue soziale Vorhaben investiert.

Der Politik ins Gewissen reden

Der österreichische Honorarkonsul Johann Kubu nahm diese Gelegenheit wahr, um der Politik ins Gewissen zu reden. Der Senegal gehört zu den wenigen demokratischen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent mit einem Mehrparteiensystem, einer stabilen Rechtsordnung, Meinungs- und Religionsfreiheit. Und das bereits seit 56 Jahren. Das Land hat keine großen wirtschaftlichen Ressourcen, vor allem keine Bodenschätze, auf die es viele internationale Investoren abgesehen haben. Das BIP pro Kopf beträgt gerade einmal etwas mehr als 1.000 Dollar. Die stärkste Ressource ist die demokratische Tradition.

Darum sei es wohl angebracht, so Kubu, nachzudenken. Der nordafrikanische Frühling, der inzwischen winterliche Züge angenommen hat, zeigt, dass man Demokratie nicht einfach verordnen kann. Gerade daher wäre es notwendig und wichtig, das politische Interesse nicht nur auf die Krisenstaaten zu fokussieren, sondern vor allem jene zu stärken, die es geschafft haben, Demokratie zu leben.