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30/09/2016

Afrika leidet unter Chinas Krise

Entwicklungspolitik

Afrika leidet unter Chinas Krise

Das rohstoffhungrige China investierte viele Jahre lang kräftig in Afrika. Diese Zeiten scheinen nun vorerst vorbei zu sein.

[World Bank Photo Collection/Flickr]

Der weltweite Rohstoff-Hunger hat afrikanischen Ländern zuletzt ein Wirtschaftswachstum von bis zu sieben Prozent beschert. Einer der Treiber war das starke China – das zeigt sich auch jetzt in der Krise der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Der fallende Ölpreis war für die afrikanischen Ökonomien der Vorbote der Krise in China. Die fallenden Preise für Eisen, Kupfer und andere Mineralien waren der zweite Schock.

Die Abwertung des Yuan und die Börsenturbulenzen in China sind ein weiteres Indiz dafür, dass das vor allem rohstoffgetriebene starke Wachstum in Afrika in den vergangenen zehn bis 15 Jahren an sein Ende gekommen ist. Worauf Afrika sich einstellen muss, sind über längere Zeit niedrigere Rohstoffpreise und weniger chinesische Direktinvestitionen auf dem Kontinent.

Am härtesten trifft die chinesische Wirtschaftskrise Angola

Der Energie- und Rohstoffhunger hat in Afrika in den vergangenen Jahren ein stetes Wachstum von fünf bis sieben Prozent ausgelöst, worauf die Regierungen sehr stolz waren. Doch vor allem die rein ölgetriebenen Wirtschaften spüren immer stärker, dass es etwas leichtsinnig war, die Ökonomien in guten Zeiten nicht stärker zu diversifizieren.

Am härtesten trifft die chinesische Wirtschaftskrise Angola, dessen Wirtschaftsleistung zu mehr als 30 Prozent durch den Export von Öl gekennzeichnet ist. Auch Äquatorial-Guinea und der Tschad sind von den fallenden Ölpreisen auf dem falschen Fuß erwischt worden. Dort wird der Staatshaushalt bis zu 60 Prozent aus den Öleinnahmen bestritten.

Nigeria hat Südafrika als größte Ökonomie Afrikas abgelöst

Selbst Nigeria leidet unter dem niedrigen Ölpreis, der auch seine Währung, den Naira, stark unter Druck gesetzt hat. Der Naira hat seit 2014 rund 20 Prozent seines Werts verloren. Die nigerianische Zentralbank hat darauf mit höheren Zinsen reagiert, die wiederum die Inflation erhöht haben.

Dabei ist Nigeria viel besser auf die Veränderungen vorbereitet als in früheren Zeiten niedriger Ölpreise. Mehr als die Hälfte der nigerianischen Wirtschaftsleistung wird inzwischen von Dienstleistungen und der Landwirtschaft erarbeitet.

Nigeria hat Südafrika als größte Ökonomie Afrikas abgelöst. Das nigerianische Budget wird nur noch zu etwa zehn Prozent aus den Öleinnahmen bestritten. Die Regierung hat Ausgabenkürzungen um rund 25 Prozent beschlossen.

Die Kupfernachfrage aus China hat in Sambia deutlich nachgelassen

Das geht vor allem auf Kosten der Staatsinvestitionen, die die Infrastruktur verbessern sollen. Das wiederum dürfte den Diversifizierungsprozess der Wirtschaft etwas bremsen. Nigeria dürfte von der chinesischen Krise weniger hart getroffen werden als Südafrika und vor allem Sambia. Sambia lebt vor allem von seinen Kupferminen, und die Investoren in diese Minen kommen alle aus China.

Die Kupfernachfrage aus China hat deutlich nachgelassen. Und die steigende Nachfrage aus Europa, wo der Aus- und Umbau der Hoch- und Höchstspannungsstromnetze bevorsteht, hat noch nicht so stark eingesetzt, dass die Einbrüche auszugleichen wären.

Allerdings hat Sambia in den vergangenen Jahren vielen in Simbabwe vertriebenen weißen Farmern Land zur Verfügung gestellt, und diese Investitionen beginnen sich langsam auszuzahlen.

Die Wirtschaft in Südafrika spürt die Turbulenzen

Südafrika dagegen hat den Investoren der Welt gerade wenig Erfolgversprechendes zu erzählen. Südafrikas Wirtschaft, die industrialisierteste auf dem Kontinent, fußt zu 57 Prozent auf dem Export von Rohstoffen, vor allem Kohle, Platin und Gold. Südafrika ist zudem seit Jahren von Konflikten um Arbeitsbedingungen und die Bezahlung speziell im Minensektor betroffen.

Die großen Minenkonzerne haben in den vergangenen Wochen 10.000 Stellen abgebaut, insgesamt erwartet die Weltbank einen Verlust von 60.000 Jobs im Bergbau in diesem Jahr in Südafrika. Das Land am Kap hat zudem die Turbulenzen auf den Währungsmärkten am härtesten gespürt. Denn der südafrikanische Rand ist frei handelbar.

Insgesamt hat die Währung im Vergleich zum Dollar in diesem Jahr rund 13 Prozentpunkte verloren, der Rand gab allein in der vergangenen Woche acht Prozentpunkte seines Wertes ab. Dass die Inflation nicht dramatisch gestiegen ist, verdankt Südafrika dem gefallenen Ölpreis, denn als Ölimportland profitiert Südafrika von den preisdämpfenden Effekten eines niedrigen Ölpreises.

Die Dauerkrise bei der Stromversorgung bremst Investitionen in die Wirtschaft, und der politische Ausblick wird von Investoren auch nicht als vielversprechend eingestuft.

Die Weltbank wertet die Turbulenzen als „Chance, die Wirtschaften weiter zu diversifizieren“. So steht es im „African pulse“ aus dem April. Weniger positiv formuliert: Der Druck auf die Regierungen, weitere Wirtschaftsreformen in Angriff zu nehmen, ist deutlich gestiegen. Nicht alle werden dazu in der Lage sein.

Kenia zum Beispiel. Eigentlich profitiert das Land davon, dass die Ölimporte billiger geworden sind. Tatsächlich maskiert diese Inflationsbremse aber nur die Probleme, die zu lösen der Regierung in den verbleibenden zwei Jahren bis zur nächsten Wahl wohl kaum gelingen wird.

Am härtesten trifft die Krise Staaten, die ohnehin in Turbulenzen stecken

Der Tourismus hat unter der Unsicherheit durch Anschläge der somalischen Terrorgruppe Al Schabaab gelitten. Die wachsende Gruppe chinesischer Touristen wiederum muss wegen der Probleme in der eigenen Wirtschaft genauer aufs Geld schauen – und dürfte erst einmal ausbleiben. Die Landwirtschaft und die Dienstleistungen in Kenia können diese Verluste kaum ausgleichen.

Am härtesten trifft die chinesische Krise aber die Staaten, die ohnehin in Turbulenzen stecken. Ein Beispiel dafür sind der Sudan und Südsudan. Durch den Bürgerkrieg im Südsudan seit Dezember 2013 ist die Ölproduktion deutlich zurückgegangen. Der niedrige Ölpreis trifft den jüngsten Staat der Welt besonders hart.

Von 30 Dollar, die für ein Barrel gezahlt werden, kommen zehn Dollar bei der Regierung an

Denn die im Südsudan geförderte Ölqualität „Dar“ braucht bei der Verarbeitung einen höheren Aufwand, weshalb der Südsudan mit Preisabschlägen von rund zehn Dollar pro Barrel (159 Liter) leben muss. Von den rund 30 Dollar, die im Moment für das südsudanesische Barrel gezahlt werden, kommen weniger als zehn Dollar bei der Regierung an. Der südsudanesische Etat basiert zugleich aber zu mehr als 90 Prozent auf den Öleinnahmen.

Die Verlangsamung des chinesischen Wachstums dürfte die geplanten Investitionen in eine Ölpipeline vom Südsudan über Uganda, Nordkenia bis nach Lamu am Indischen Ozean verzögern. Diese Pipeline wäre aber die einzige Chance für den Südsudan, die hohen Pipelinegebühren des Sudan zu unterlaufen.