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29/08/2016

62 Menschen besitzen mehr als die ärmsten 3,7 Milliarden

Entwicklungspolitik

62 Menschen besitzen mehr als die ärmsten 3,7 Milliarden

Slums vor neuen Apartmentblöcken – in Mumbai treffen Arm und Reich aufeinander.

[Whit Andrews/Flickr]

Die weltweite Ungleichheit wächst: Laut dem jüngsten Oxfam-Bericht hält ein Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen als die restlichen 99 Prozent zusammen. EurActiv Frankreich berichtet.

Oxfam zeigte in seiner aktuellen Studie, dass die Kluft zwischen Arm und Reich 2015 noch größer geworden ist. Jedes Jahr veröffentlicht die NGO einen Bericht zu den allgemeinen Trends der weltweiten Ungleichheit. Das Ergebnis für 2015 ähnelte denen der letzten Jahre: Das globale Vermögen liegt zunehmend in den Händen der reichsten ein Prozent, die inzwischen mehr besitzen als die gesamte Restbevölkerung.

Die weltweit wohlhabendsten 62 Menschen verfügen laut Bericht über ein größeres Vermögen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung beziehungsweise 3,7 Milliarden Menschen. Die Konzentration des Reichtums nach oben hin hat sich in den letzten Jahren immer weiter verstärkt.

Konzentration von Reichtum

2010 besaßen noch 388 Menschen so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der gesamten Weltbevölkerung; 2011 waren es 177; 2014 80 Personen. “Weltweit sorgen sich die Spitzenpolitiker um die Verschärfung der Ungleichheitskrise, ergreifen jedoch keine konkreten Gegenmaßnahmen. Die Welt ist viel ungleicher geworden und diese Entwicklung beschleunigt sich zunehmend. Wir dürfen nicht länger zulassen, dass mehrere Hundertmillionen Menschen Hunger leiden, während wenige wohlhabende Individuen die Ressourcen anhäufen, die ihnen helfen könnten”, sagte Manon Aubry, Senior Advocacy Officer für Steuergerechtigkeit und Ungleichheiten bei Oxfam France.

Armut verringern

Dennoch ist es 2015 gelungen, die Anzahl der in extremer Armut lebenden Menschen zu verringern. Die Weltbank sagte vergangenen Oktober voraus, dass diese Zahl 2015 auf unter zehn Prozent der Weltbevölkerung fallen würde – von 902 Millionen Menschen 2012 auf nunmehr 702 Millionen. Die internationale Gemeinschaft begrüßte diese Nachricht. Diese Entwicklung soll nun die Weichen stellen für die Abschaffung extremer Armut bis 2030 – festgelegt in den nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs).

Wäre jedoch die Ungleichheit innerhalb der Länder zwischen 1990 und 2010 nicht gewachsen, “hätten 200 Millionen Menschen mehr einen Weg aus der Armut finden können”, heißt es in dem Bericht. “Diese Zahl hätte sogar auf 700 Millionen steigen können, wenn die Armen mehr als die Reichen vom Wirtschaftswachstum profitiert hätten.”

Ungleiche Verteilung des Wirtschaftswachstums

Reichtum konzentriert sich zunehmend bei den Wohlhabendsten, weil ein kleiner Bevölkerungsanteil unverhältnismäßig stark vom globalen Wirtschaftswachstum profitiert. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der ärmsten zehn Prozent ist in den letzten 25 Jahren um weniger als drei Euro pro Jahr gewachsen und liegt somit weit hinter der Inflationsrate zurück. Am anderen Ende der Skala sind die Kapitalerträge der Vermögenden (Zinsen, Dividenden usw.) laut Bericht konstant höher als die wirtschaftliche Wachstumsrate.

Umstrittene Methoden

Die NGO kassierte Einiges an Kritik, weil sie ihre Studie auf der Einschätzung des Nettovermögens gründete – ein Indikator zweifelhafter Verlässlichkeit. Credit Swiss nutzt diesen Indikator und stellt die Statistiken für den Oxfam-Bericht zur Verfügung. Das Nettovermögen bezieht das Vermögen eines jeden Individuums unter Abzug der Schulden ein. Sind die Schulden eines Menschen größer als sein Vermögen, liegt das Nettovermögen im Negativbereich. Im Rahmen der Studie sind diese Personen ärmer als jene, die gar nichts besitzen. Oxfam zufolge macht diese Kategorie, die laut Kritikern die Armutsstatistik künstlich aufblähe, nur etwa 0,25 Prozent der Weltbevölkerung aus.

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