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26/09/2016

26.000 Kinder flüchteten in den letzten vier Monaten nach Schweden

Entwicklungspolitik

26.000 Kinder flüchteten in den letzten vier Monaten nach Schweden

Österreich bietet ab März Integrationskurse für bestimmte Gruppen von Asylsuchenden an.

Eine Rekordzahl von 115.000 Asylsuchenden kam in den letzten vier Monaten nach Schweden, darunter 26.000 unbegleitete Minderjährige – genug, um 1.000 Schulklassen zu füllen, sagte der schwedische Justizminister Morgan Johannson. EurActiv Brüssel berichtet.

Der Justiz- und Migrationsminister Schwedens, Morgan Johannson, hielt am 6. Januar gemeinsam mit dem Kommissar für Justiz und Inneres, Dimitris Avramopoulos, der dänischen Immigrationsministerin Inger Støjberg, und dem Parlamentarischen Staatssekretär des deutschen Innenministeriums, Ole Schröder, eine Pressekonferenz. Keiner von ihnen nahm Fragen entgegen. Die europaweiten Maßnahmen im Umgang mit der Flüchtlingskrise funktionieren laut Schröder nicht richtig. Daher habe sich die Anzahl der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge nicht verringert.

In Schweden habe sich die Situation in Herbst stark verschlimmert, so Johannson. „Letztes Jahr belief sich die Anzahl der Asylsuchenden auf 160.000. Das ist die höchste Zahl, die unser Land je verzeichnet hat. Sie ist doppelt so groß wie der vorige Höchststand. Allein in den letzten vier Monaten hatten wir 115.000 Asylsuchende. 26.000 davon waren unbegleitete Minderjährige. Das ist, als würden innerhalb von vier Monaten 1.000 Schulklassen nach Schweden kommen“, so der schwedische Minister.

Unbegleitete Minderjährige gelten als schutzbedürftigste Opfer des Syrienkonflikts. In seinem am Dienstag veröffentlichten Bericht sorgt sich der internationale Entwicklungsausschuss Großbritanniens (IDC) vor allem um die Notlage der Flüchtlingskinder, die in Europa oftmals auf sich allein gestellt sind. Viele dieser Minderjährigen könnten leicht in die Fänge von Netzwerken für Prostitution, Kinderarbeit oder Drogenhandel geraten, warnte der IDC.

Johannson forderte eine europäische Lösung für das Flüchtlingsproblem: „Ich möchte nicht, dass es noch einmal zu einer solchen Situation kommt. Wir müssen Maßnahmen ergreifen und zusammenarbeiten.“ Johannson rief dazu auf, sich an die Dublin-Verordnung zu halten: Flüchtlinge müssten demnach in dem EU-Land einen Asylantrag stellen, das sie zuerst betreten haben. Man müsse, so Johannson, den Flüchtlingsstrom eindämmen.

Darüber hinaus sprach er von einer „Flüchtlingsautobahn“, die sich inzwischen durch ganz Europa von Griechenland über den Balkan nach Österreich, Deutschland und zu den nordischen Ländern ziehe. „Wir brauchen Maßnahmen, die diese Entwicklung unterbinden“, sagte er und forderte eine Stärkung der EU-Außengrenzen.

Sein Land zähle auf den Verteilungsschlüssel, sagte der schwedische Minister. Im vergangenen September hatten sich die EU-Staats- und Regierungschefs darauf geeinigt, 160.000 Migranten von Italien, Griechenland und anderen Ländern aus im Laufe der kommenden zwei Jahre umzusiedeln. Tatsächlich umgesetzt hat man diesen Schritt bisher für nur 272 Migranten.

Die EU-Kommission genehmigte Schwedens Antrag auf Freistellung von der Verpflichtung, unter dem Verteilungsschlüssel weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Stattdessen werde man Flüchtlinge aus Schweden in andere EU-Länder umsiedeln. „Wir sind das Land, das pro Kopf die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat – nicht nur im letzten Jahr, sondern auch in vielen anderen Jahren“, hob Johannson hervor, „Wir können viel leisten, doch alles können wir nicht auf uns nehmen. Daher brauchen wir den Verteilungsschlüssel.“