Johanna Wanka: „Bildung ist der erste Schritt aus der Armut“

Bildung und Forschung sind für den Fortschritt in einer Gesellschaft entscheidend, meint Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. [WorldSkills/Flickr]

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka will die deutsche G7-Präsidentschaft nutzen, um die Rolle der Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit zu stärken. Im Interview mit Jugendbotschaftern der Kampagnenorganisation ONE spricht die CDU-Politikerin über die G7-Bildungsagenda, die Afrika-Strategie des Bildungsministeriums sowie über ihren Mut, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Johanna Wanka leitet das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Vor ihrem Wechsel in die Bundespolitik war die CDU-Politikerin Wissenschaftsministerin in Brandenburg und zuletzt Niedersachsen. Wanka hat die Jugendbotschafter Alina Morling, Christian Stärk und Hannes Thielsch von der Nichtregierungsorganisation „ONE“ getroffen und über Entwicklungspolitik und den G7-Gipfel diskutiert.

Welchen Beitrag kann Bildung im Kampf gegen die globale Armut leisten?

Bildung ist der erste Schritt aus der Armut. Bildung und Wissen sind entscheidende Ressourcen fu?r die Entwicklung von Gesellschaften.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit beschra?nkt sich nicht ausschließlich auf die Arbeit des Bundesentwicklungsministeriums – inwiefern ist auch das Bildungsministerium in die Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik eingebunden?

Das Bildungsministerium unterstu?tzt den Austausch von Wissenschaftlern und fo?rdert beispielsweise den Aufbau gemeinsamer Studienga?nge. Letztes Jahr haben wir beispielsweise gemeinsam mit afrikanischen Wissenschaftlern unsere Afrika-Strategie verabschiedet. Wir arbeiten seit 30 Jahren in Bildung und Forschung mit Afrika zusammen und haben viele gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht. Dabei ist uns insbesondere der Austausch auf Augenho?he wichtig.

Was sind die Schwerpunkte dieser neuen Afrika-Strategie?

Schwerpunktthemen sind Erna?hrungssicherheit und nachhaltige Landwirtschaft, Gesundheit, Klimaforschung und auch berufliche Bildung. Im Bereich Gesundheit wird die Bedeutung von Bildung ha?ufig unterscha?tzt. Viele Krankheiten ko?nnen sich durch eine verbesserte Aufkla?rung u?ber Hygiene vermeiden lassen. Funktionierende Bildungs- und Wissenschaftssysteme sind aber auch ganz allgemein ein Katalysator fu?r Entwicklung. Gute Schul- und Hochschulbildung o?ffnen direkte Wege aus der Armutsfalle nicht nur fu?r einzelne, sondern fu?r viele.

Wenn sich die G7-Wissenschaftsminister am 8. und 9. Oktober 2015 treffen, werden auch Fragen der Gesundheit in Entwicklungsla?ndern eine Rolle spielen. Welche Mo?glichkeit sehen Sie, als Wissenschaftsministerin, zu einer verbesserten globalen Gesundheit beizutragen?

Die Konferenz der G7-Wissenschaftsminister wird sich besonders den Themen „vernachla?ssigte Tropenkrankheiten“ und „antimikrobielle Resistenzen“ widmen und der Frage, inwieweit der Staat hier steuernd eingreifen kann und sollte. Denn die Forschung der Privatwirtschaft in den Industrienationen richtet sich natu?rlich in erster Linie nach der Nachfrage in den Industrienationen. Deshalb muss der Staat hier Anreize schaffen, damit auch Forschung fu?r solche Ma?rkte, die wirtschaftlich weniger Interessant ist, betrieben wird. Aber auch hier ist der Austausch mit lokalen Experten zentral. So haben uns beispielsweise afrikanische Forscher darauf hingewiesen, dass Diabetes ein wachsendes Problem in Afrika darstellt und dementsprechend beru?cksichtigt werden muss.

Forschung per se ist ein Treiber fu?r Entwicklung. Das heißt, wir unterstu?tzen unsere Partner in den Entwicklungsla?ndern dabei, Forschung gerade zu Gesundheitsthemen selbst durchzufu?hren und Forschende selber auszubilden. Unser Ministerium hilft hier, etwa mit dem Aufbau von Forschungsnetzen fu?r Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika.

Die G7-Kampagne von ONE heißt „#Mut 2015 – Mit Mut Armut beenden“. Was bedeutet das fu?r Sie perso?nlich? Wo mu?ssen Sie als Ministerin besonderen Mut beweisen?

Als Politikerin wird man ha?ufig auch sehr perso?nlich attackiert, da grundlegende Regeln der Ho?flichkeit fu?r uns nicht zu gelten scheinen. Deshalb kann man schon sagen, dass es besonderen Mut erfordert unpopula?re Entscheidungen zu treffen, von deren Notwendigkeit man aber u?berzeugt ist.