Windkraft in Kenia: Für eine stabilere Stromversorgung und mehr Beschäftigung

Ein vielversprechendes Windkraftprojekt will die starken Saharawinde zur Stromerzeugung in Kenia nutzen. [KuLouKu/Shutterstock]

Angesichts der steigenden Stromnachfrage investiert Kenia zunehmend in Alternativquellen wie die Windenergie – scheinbar eine weise Entscheidung. Denn bis 2030 soll das Land universellen Zugang zu Elektrizität bieten.

Mehr als 80 Prozent der kenianischen Bevölkerung sind noch nicht an das Stromnetz angebunden. Am stärksten davon betroffen sind die unteren Einkommenschichten. In ländlichen Gegenden haben gerade einmal vier Prozent der Haushalte einen Stromanschluss.

Dieser kleine Kundenkreis hatte im Laufe der Jahre immer wieder mit steigenden Energiepreisen zu kämpfen. Eine Studie der Weltbank zufolge gibt die durchschnittliche kenianische Familie jede Nacht etwa 0,25 Dollar für Kerosin aus. Das sind 91 Dollar im Jahr. Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass die hohen Energiekosten einen Stolperstein für den industriellen Aufstieg des Landes darstellen. Sie werden auch als wichtiger Parameter in den jährlichen Geschäftskostenindizes der Weltbank aufgeführt. Im Vergleich zu anderen Ländern der Region tat sich Kenia bei den Energiekosten schon immer schwer.

Traditionell setzte das Land bisher eher auf Wasserkraft. Der staatliche Energieversorger KenGen deckt etwa 80 Prozent des nationalen Stromverbrauchs. 65 Prozent der Energie wird aus Wasserkraft gewonnen. Die Wetterverhältnisse werden jedoch immer unvorhersehbarer. Es regnet weniger, die Wasserstände sinken und beeinträchtigen die Stromversorgung. Folglich kam es immer häufiger zu Versorgungsengpässen und Stromausfällen. Im Durchschnitt gebe es im Monat neun Ausfälle pro 1.000 Kunden, gesteht der Stromversorger Kenya Power. Das Unternehmen hofft, die Ausfallhäufigkeit bald auf zwei Unterbrechungen im Monat begrenzen zu können.

Um eine durchgehende, bezahlbare Stromversorgung zu sichern, sucht das Land nun nach Alternativen. Der Windenergie widmet Kenia dabei besondere Aufmerksamkeit, denn Windstärke, -richtung und -konsistenz in dem Land sind sehr vielversprechend. Die Investitionen in diesem Bereich gehen sowohl an die Industrie als auch an die Haushalte.

Ein gutes Beispiel für solch eine Investition ist das The Lake Turkana Wind Power Project LTWP. Mit Kosten von 775 Millionen US-Dollar ist es das größte alleinstehende Windkraftprojekt in Afrika und die umfassendste Privatinvestition in Kenias Geschichte. Durchgeführt wird es in der abgelegenen Turkana-Region im Nordosten Kenias, nahe der äthiopischen Grenze. Dort nutzt es die starken Winde der südlich gelegenen Sahara sowie die des Hochlandes von Abessinien. Die Windgeschwindigkeit vor Ort beträgt Schätzungen zufolge mindestens 4,96 Meter pro Sekunde und maximal 8,4 Meter pro Sekunde. Mit diesen Werten ist die Turkana-Region für die Windkrafterzeugung eine der am besten geeigneten Gegenden der Welt.

Im Rahmen des Projekts sollen 350 Windräder nahe der Küste des Turkana-Sees aufgestellt werden, dem weltweit größten, permanenten Wüstensee. Sobald der Windpark in Betrieb geht, wird er pro Jahr 300 Megawatt an Strom produzieren und somit 20 Prozent des landesweiten Energieverbrauchs decken können. Die positiven Auswirkungen des Projekts sollen über die Haushalte, die eine stabilere Stromversorgung bekämen, auch in die Wirtschaft übergehen. So könnte das Land angeblich mehr als 177 Millionen Dollar im Jahr an Brennstoffimporten einsparen. Die Regierung schätzt, dass etwa 2,5 Millionen Kenianer von dem Projekt profitieren werden.

Das Vorhaben zählt zu den im Kyoto-Protokoll gemeldeten Clean Development Mechanism Projects und eröffnet Kenia neue Chancen, alternative Energien zu nutzen. In diesem Zusammenhang können die durch das Projekt eingesparten Treibhausgase in CO2-Gutschriften umgewandelt werden. Diese lassen sich dann an andere Entwicklungsländer verkaufen. Die Afrikanische Entwicklungsbank geht davon aus, dass das Projekt somit jährlich bis zu 1,2 Millionen Tonnen CO2 verlagern wird.

„Wir sprechen hier von einem wahrhaften Meilenstein in einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige“, betont Basilio Mwabani, Forschungsmitarbeiter am Institut für Energietechnik der Kenyatta University. „Denken Sie nur an die Preisschwankungen beim Öl, die sich zunehmend negativ auf die gesamte Wirtschaftslage ausgewirkt haben – von den Warenpreisen bis hin zu den laufenden Geschäftskosten. Die nationale Stromversorgung durch kostenlose Windenergie um 20 Prozent anzukurbeln, kann so viel bewegen – besonders in einem Land, das im Zuge seiner Industrialisierung vermehrt auf Energie setzt.“

Das Vorhaben am Turkana-See ist nur eines von vielen Windkraftprojekten in Kenia. Auch die Programme Ngong Wind I, Isiolo Wind und Marsabit Wind versuchen Wasserkraft durch Windenergie zu ersetzen.

Andere Initiativen zielen darauf ab, die Windkrafterzeugung von der Regierung wegzuverlagern – hin zu Unternehmern und den kenianischen Bürgern selbst. Sie argumentieren, dass man den Strom am besten zu den Menschen bringen kann, wenn man ihnen zeigt, wie er produziert wird. Access:energy, ein Subunternehmen von Access collective, das Ostafrika mit neuen Technologien versorgt, bildet lokale Techniker darin aus, mit regionalen Materialien Night-Heron-Windanlagen herzustellen. Die kostengünstigen, wartungsarmen Turbinen produzieren Strom zu einem Drittel des Preises, den Solarzellen benötigten, und könnten bis zu 50 ländliche Haushalte versorgen. Diese Art der Stromerzeugung eignet sich bereits zur Beleuchtung, zum Aufladen von Mobiltelefonen und zur Versorgung von Krankenhäusern in ländlichen Gegenden. Diese können so Medikamente kühlen und Arbeitsplätze bieten.

Kenia möchte bis 2030 als Land mittlerer Wirtschaftskraft gelten. So zumindest hat es die Regierung in ihrem Wirtschaftsplan „Vision 2030“ vorgezeichnet. Energie, insbesondere die Windkraft, soll dabei als Schlüssel zum Erfolg dienen.

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