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22/02/2017

Wie weiter mit dem Emissionshandel?

Energie und Umwelt

Wie weiter mit dem Emissionshandel?

Die Stahlindustrie Benxis im Nordosten Chinas

Das EU-Parlament stimmt heute über Änderungen des Emissionshandelssystems ab. Was hat es damit auf sich und woran hakt es noch?

Seit mehr als zehn Jahren ist das Europäische Emissionshandelssystem (EHS) in Kraft. Emittenten von CO2 brauchen seitdem für jede Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid ein Zertifikat. Damit will die EU ihre Klimaziele erreichen und Treibhausgase um 20 Prozent bis 2020 und um 40 Prozent bis 2030 reduzieren.

Eine Tonne CO2-Emission kostet derzeit um die fünf Euro – viel zu wenig, sagen Experten. Die EHS-Reform soll das ändern. „Vorgeschlagen wird unter anderem, das Angebot an Zertifikaten noch rascher zu reduzieren, beziehungsweise einen gewissen Anteil an Zertifikaten in eine Reserve aufzunehmen“, wie das EU-Parlament mitteilte. „Diese Änderungen bilden die Basis für die weiteren Verhandlungen mit dem Ministerrat über die endgültige Fassung der Richtlinie.“

Grafik des EU-Parlaments über die weltweite Verteilung des CO2-Ausstoßes

Grafik des EU-Parlaments über die weltweite Verteilung des CO2-Ausstoßes

„Hinter dem niedrigen Preis steckt ein Überangebot an Zertifikaten“, sagt Dr. Constanze Haug vom ICAP (International Carbon Action Partnership). „Durch die Krise seit 2008 sind die Produktion und damit auch die Emissionen runtergegangen. Außerdem wurden zu viele internationale Zertifikate angekauft.“

China geht voran

Das ICAP analysiert in seinem aktuellen Bericht die weltweiten Entwicklungen im Emissionshandel. Vor allem in Schwellenländern in Asien und Lateinamerika könnte der EHS demnach neue Dynamiken freisetzen. Allerdings müsse er dort so umgesetzt werden, dass er weiterhin wirtschaftliches Wachstum ermöglicht.

Als erstes Schwellenland wird China in diesem Jahr ein EHS einführen. Damit deckt der EHS 15 Prozent der weltweiten Emissionen ab. „Ein EHS für China ist ein riesen Schritt für das Land selbst und auchfür den weltweiten Klimaschutz“, so Haug. „Das System wird dabei aufeigene Erfahrungen und auf jenen der EU und Nordamerikasaufbauen. China ist das erste Schwellenland, das ein EHS umsetzt, und erfüllt damit eine Vorbildfunktion.“

Städte und Regionen als wichtige Akteure

Emissionshandel findet allerdings nicht nur auf nationaler oder – wie im Fall der EU – internationaler Ebene statt, sondern auch auf der Ebene von Städten. „Ein zentraler Vorteil dieser Systeme ist, dass sie miteinander verknüpft werden können – wie in Kalifornien und Quebec, und demnächst auch Ontario. Dieser Kooperation könnten in Zukunft weitere kanadische Provinzen und US-Bundesstaaten beitreten.“

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Am Mittwoch stimmen Europaabgeordnete darüber ab, dem EU-Emissionshandelssystem neues Leben einzuhauchen. Doch mit welchem Preisschild werden CO2-Emissionen dann versehen? EurActiv Brüssel berichtet.

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Im 2010 startete Tokio den ersten stadtweiten EHS. Ziel der Verantwortlichen ist es, die japanische Metropole zur Stadt mit der geringsten Umweltbelastung der Welt zu machen. Laut ICAP konnten die Emission dort bereits um 25 Prozent im Vergleich zum Ausgangsjahr reduziert werden. „Auch Städte wie Tokyo oder Bundesstaaten wie Kalifornien und New York können mit Emissionshandel eine Vorreiterrolle übernehmen, vor allem wenn der Fortschritt in der nationalen Klimapolitik eher schleppend verläuft“, sagt Haug.