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31/08/2016

Vor Klimagipfel in Paris: Frankreich unter Beschuss wegen globaler Kohle-Politik

Energie und Umwelt

Vor Klimagipfel in Paris: Frankreich unter Beschuss wegen globaler Kohle-Politik

Das EDF-Kraftwerk Cordemais.

[KaTeznik/Wikipedia]

Die französischen Energieriesen EDF und Engie produzieren mit ihren Kraftwerken im Ausland eine Emissionsmenge, die der Hälfte aller CO2-Emissionen Frankreichs entspricht. Vor dem in Paris stattfindenden UN-Klimagipfel prangern Umweltaktivisten die “Verlogenheit” der Regierung Hollande an. EurActiv Frankreich berichtet.

Die französischen Energiekonzerne Électricité de France (EDF) und Engie – beide in öffentlicher Hand – stoßen mit ihren Kohlekraftenwerken außerhalb Frankreichs mehr als 151 Millionen Tonnen CO2 aus. Zu dem Schluss kommt ein gemeinsamer Bericht der Nichtregierungsorganisationen Oxfam France und Friends of the Earth.

“EDF und Engie besitzen 46 Kohlekraftwerke auf praktisch allen Kontinenten der Welt, die mehr als 151 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen. Die Entsprechung der Hälfte der Emissionen Frankreichs”, sagt Armelle Le Comte von Oxfam Frankreich.

In ihrem Bericht führen die beiden Nichtregierungsorganisationen alle Kraftwerke auf, die EDF und Engie ganz oder teilweise oder Tochterfirmen gehören.

Beide Energiekonzerne reagierten nicht auf EurActiv-Anfragen mit der Bitte um eine Stellungnahme.

Frankreich ist der Gastgeber der 21. Klimakonferenz der Vereinten Nationen im Dezember. Dabei will die internationale Gemeinschaft ein Abkommen erreichen, mit dem die globale Erwärmung auf zwei Grad im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten begrenzt werden soll.

Die EU hat sich deshalb im Vorfeld bereits zu einer Reduzierung ihrer CO2-Emissionen um mindestens 40 Prozent bis 2030 verpflichtet. Aber einige EU-Mitgliedsstaaten beginnen mit Investitionen in sehr umweltschädliche fossile Brennstoffe wie Kohle.

“Vor der Pariser Klimakonferenz können wir lediglich die Verlogenheit und die Inkohärenz des französischen Staates anprangern. Er stellt seinen öffentlichen Unternehmen einen Blankoscheck zur Investition in ausländische Projekte aus, die große Mengen von Treibhausgasen ausstoßen”, sagt Malika Peyrout von Friends of the Earth.

Kohle boomt

Mit Kohle betriebene Kraftwerke produzieren 41 Prozent des Stroms weltweit. Sie sind nach Angaben des Weltenergieausblicks 2014 der Internationalen Energiebehörde (IEA) für über 72 Prozent der Emissionen des Energiesektors verantwortlich.

Die Kohlekraft ist immer noch ein boomendes Geschäft – trotz ihrer schlechten Umweltwerte. Die weltweite Kohlekraftkapazität stieg laut Bericht der beiden NGOs seit 2005 um 35 Prozent.

Die EU wird ihre Kohle-Abhängigkeit zur Einhaltung ihrer Klimaverpflichtungen drastisch zurückfahren müssen. Nach IEA-Angaben wird der Anteil der Kohle am EU-Energiemix dafür von 26 Prozent im Jahr 2011 auf nur vier Prozent im Jahr 2035 zurückgehen müssen.

EDF besitze 16 kohlebetriebene Kraftwerke in Europa und China, die zusammen mehr als 69 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, behaupten die NGOs. Die erneuerbaren Energien (Wasserkraft ausgenommen) machen nur 2,1 Prozent des Energiemixes des Landes aus.

“EDF besitzt zwei Kraftwerke im Vereinigten Königreich, deren Emissionen zusammengenommen 13 Prozent der Emissionen des Landes für die Stromproduktion ausmachen. Sie sind unter den 30 umweltschädlichsten Kraftwerken in Europa”, so Le Comte.

Engie kommt in dem Bericht etwas besser weg. “Engie, früher GDF SUEZ, hat 30 kohlebetriebene Kraftwerke auf praktisch allen Kontinenten. Diese produzieren 80 Millionen Tonnen CO2, die Entsprechung des Verbrauchs der Philippinen”, so Peyraut.

Das Unternehmen generiert 14 Prozent seines Stroms aus Kohle, aber nur 4,4 Prozent aus erneuerbaren Energien (Wasserkraft ausgenommen).

Exportkredite

Kohle macht nur einen kleinen Teil des französischen Energiemixes aus. Doch das Land subventioniert immer noch Kohleenergie durch öffentliche Bürgschaften der französischen Exportkreditagentur COFACE.

Die Agentur sicherte seit 2011 über 1,2 Milliarden für Kohleprojekte ab. Zwischen 2007 und 2013 war sie der fünftgrößte Unterstützer in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Frankreich verpflichtete sich bereits dazu, seine Politik der Exportkredite für sehr umweltschädliche Kraftwerke zu beenden. So versprach Präsident François Hollande, die Exportkredite für Kraftwerke ohne funktionierendes CO2-Abscheidung und Speichersystem zu stoppen.

Hintergrund

Die Energiewende war ein zentraler Bestandteil von François Hollandes Präsidentschaftswahlkampf 2012.

Frankreich will als Gastgeber der Klimakonferenz der Vereinten Nationen 2015 ein Beispiel für andere Länder sein. Das Land spielt eine führende Rolle in der europäischen Klimadebatte, auch aufgrund seiner geringen CO2-Emissionen.

Frankreich verlässt sich auf die Kernenergie. Dadurch hat es viel niedrigere CO2-Emissionen als kohleabhängige Länder wie Dänemark oder Deutschland.