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19/01/2017

Verdacht auf Abgas-Manipulationen bei Audi

Energie und Umwelt

Verdacht auf Abgas-Manipulationen bei Audi

Auch Audi steht im Verdacht, bei den Abgaswerten beschönt zu haben.

Foto: StockStudio/Shutterstock

Ein neuer Verdacht der Manipulation von Abgaswerten bei einem Modell der VW-Tochter Audi hat die Diskussion über die Kontrolle von Autoherstellern in Europa angefacht.

Laut Labor-Testergebnissen des Forschungszentrums Joint Research Centre (JRC) der EU-Kommission überschreitet der Stickoxidausstoß (NOX) beim Dieselmotor des aktuellen Modells A3 in bestimmten Fällen den zulässigen Grenzwert um mehr als das Doppelte. Die Testergebnisse, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlagen, hatte die EU-Kommission im Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments präsentiert. Der Ausschuss soll die Hintergründe der Abgasaffäre bei VW aufklären. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete zuerst über den Fall.

Audi erklärte, dem Unternehmen lägen keine Informationen zu den angesprochenen Untersuchungen vor. „Es ist für uns nicht ersichtlich, um welche Motorisierung es sich konkret handelt. Deshalb können wir dazu leider keine Stellung beziehen.“ Es gebe unabhängige Messungen, bei denen der A3 2,0 TDI mit der Schadstoffnorm Euro 6 „sehr gut abgeschnitten“ habe.

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Im Test des JRC vom August diesen Jahres hat das Audi-A3-Modell bei einem warmen Motor 163 Milligramm pro Kilometer ausgestoßen – erlaubt sind in der EU 80 Milligramm. Bei einem Kaltstart waren es lediglich 73,01 Milligramm. Im Untersuchungsausschuss sagten mehrere Experten nach Reuters-Informationen, dass diese Abweichung unter technischen Gesichtspunkten nicht zu erklären sei. Es liege der Verdacht nahe, dass eine Abschalteinrichtung benutzt worden sei. „Das stinkt mächtig nach Betrug“, sagte der Europapolitiker Claude Turmes von den Grünen.

Abschalteinrichtungen („defeat devices“) sind in den USA und der EU nicht erlaubt. Allerdings dürfen die Autohersteller die Grenzwerte überschreiten, um den Motor eines Fahrzeugs zu schützen. Um diese Regelung ist Streit entbrannt, weil die Hersteller die Ausnahme in der Vergangenheit allzu großzügig für sich ausgelegt haben.

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Die EU-Kommission setzt deshalb auf eigene Prüfungen mit Hilfe des JRC. Derzeit sind die nationalen Behörden wie das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für die Kontrolle der Hersteller zuständig. Eine Sprecherin der Brüsseler Behörde sagte, sollte der Verdacht von Verstößen aufkommen, werde man sich mit den zuständigen Zulassungsbehörden in den Mitgliedsländern austauschen. Vom Bundesverkehrsministerium und dem KBA waren zunächst keine Stellungnahmen zu erhalten.

„Jetzt verstehen wir, wieso Verkehrsminister (Alexander) Dobrindt sich mit Händen und Füßen gegen eine unabhängige Marktüberwachung auf europäischer Ebene wehrt“, sagte Turmes. „Das Techtelmechtel zwischen Bundesregierung, KBA und der deutschen Automobilindustrie soll keinesfalls aufgedeckt werden.“ Eine EU-Kontrollinstanz sei dringend nötig, forderte Turmes.

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