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04/12/2016

UN: Entwicklungsländer sind Motoren der globalen Energiewende

Energie und Umwelt

UN: Entwicklungsländer sind Motoren der globalen Energiewende

Chinesische Arbeiter installieren Solarpanels in der „Öko-Stadt“ Tianjin

[dpa]

Entwicklungsländer investieren laut einem UN-Bericht zum ersten Mal mehr Geld in die globale Energiewende als die Industriestaaten. Von den 286 Milliarden Dollar, die 2015 in die Erneuerbaren geflossen sind, fallen 156 Milliarden auf die Länder des globalen Südens – rund 55 Prozent der weltweit getätigten Investitionen.

Neben den  gegenwärtigen Hauptmotoren der Energiewende, China und Indien, heben die Autoren der Studie vor allem Südafrika, Mexiko und Chile hervor, die zusammen knapp 12 Milliarden Dollar an Investionen stemmten. Auch rückten Marokko, Türkei und Uruguay in die Riege der Global Player im Energiesektor auf, ihre Investitionen knackten 2015 erstmalig die 1-Milliarden Dollar-Grenze.

Der Anteil der Industrieländer sank hingegen um acht Prozent auf 130 Milliarden Dollar. In Europa schrumpften Investitionen in die Regenerativ-Branche sogar um 21 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren. Als Gründe für den Rückgang nannte die Studie die schwächelnde Wirtschaft auf dem Kontinent und eine abnehmende politische Unterstützung für die Energiewende.

Eine weitere Befund der Studie: Kohle- und gasbasierte Energiequellen verlieren weiter das Interesse der Investoren. Sie kamen 2015 nur noch auf weniger als die Hälfte des Investitionswerts der Erneuerbaren.

UNEP-Direktor Achim Steiner zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung: „Erneuerbare Energien werden immer wichtiger für unseren künftigen kohlenstoffarmen Lebensstil.“ Der Zugang zu sauberer Energie sei „von enormer Bedeutung für alle Gesellschaften, aber vor allem in den Regionen, wo sie zur Verbesserung der Lebensqualität und zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung beiträgt.“ Der höhere Investitionsanteil der Länder des globalen Südens sei daher eine besonders wichtige Errungenschaft.

Mangelhafte Energieversorgung und Armut hängen direkt miteinander zusammen. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu bezahlbarem Strom, schätzt die Weltbank. Energiearmut hemmt die wirtschaftliche Entwicklung, verringert Bildungschancen und behindert die gesundheitliche Versorgung. Vor allem in ländlichen Regionen Subsahara-Afrikas und Südasiens müssen Schulen und Krankhäuser häufig ohne Strom auskommen. Wer keinen Zugang zu bezahlbarer Energie hat, bleibt in der Armutsfalle gefangen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) spricht vom „Teufelskreis aus Energiearmut und Einkommensarmut“.

Daher können gerade in dörflichen Gebieten erneuerbare Energien einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände leisten, so die Autoren der UN-Studie. Denn die Minikraftwerke auf Basis von Sonne, Wind oder Wasser können vor Ort betrieben werden und benötigen keine besondere Infrastruktur.

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