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30/07/2016

Umweltbundesamt: Deutschlands CO2-Ausstoß sinkt deutlich

Energie und Umwelt

Umweltbundesamt: Deutschlands CO2-Ausstoß sinkt deutlich

Die klimaschädlichen Ausstöße sanken 2014 um rund 41 Millionen Tonnen – für die Bundesregierung eine Trendwende.

{blackpictures/Flickr]

Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sind erstmals nach drei Jahren wieder gesunken. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks spricht von einer Trendwende. In der Landwirtschaft und im Verkehr geht der Trend jedoch in eine ganz andere Richtung.

Deutschlands Kohlendioxid-Emissionen sind 2014 erstmals nach drei Jahren wieder gesunken. Die klimaschädlichen Ausstöße sanken um rund 41 Millionen Tonnen, was einem Rückgang um 4,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 entspricht. Das ergibt eine Auswertung des Umweltbundesamts (UBA) vom Dienstag.

“Der Trend weist endlich wieder in die richtige Richtung”, erklärt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Insgesamt lagen die Treibhausgasemissionen durch Haushalte, Gewerbe, Industrie, Verkehr, Land- und Energiewirtschaft bei 912 Millionen Tonnen – dem niedrigsten Wert seit 2010. Das entspricht einer Minderung um 27 Prozent im Vergleich zum internationalen Referenzjahr 1990.

Die Bundesregierung rückt ihrem selbst gesteckten Ziel jedoch nur geringfügig näher. Bis 2020 will sie den CO2-Ausstoß um 40 Prozent senken. Im EU-Schnitt ist Deutschland jedoch schon jetzt Vorreiter: So peilt die Staatengemeinschaft bis 2020 eine Reduzierung von 20 Prozent an, bis 2030 dann von 40 Prozent.

Grund für die “Trendwende” ist laut Umweltbundesamt der außergewöhnlich milde Winter. Dadurch sei weniger geheizt und damit weniger fossile Brennstoffe verbraucht worden. Besonders stark ist der Rückgang bei Erdgas und Steinkohle: Der Einsatz von Erdgas verursachte 12,9 Prozent, der Einsatz von Steinkohle 8,2 Prozent geringere Kohlendioxidemissionen. Die durch Braunkohle verursachten Kohlendioxidemissionen gingen dagegen nur um 2,2 Prozent zurück.

In der Landwirtschaft und stiegen die Emissionen des Treibhausgases Lachgas (N2O) hingegen an. Grund dafür ist der erhöhten Einsatz an mineralischem Dünger. “Die immer noch steigenden Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft und vor allem im Verkehr weisen deutlich auf die vorhandenen Defizite hin”, so UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. “Wir haben hier zusätzlichen Handlungsbedarf.” Im Verkehr stiegen die Emissionen um mehr als drei Prozent.

Auch die Braunkohleverstromung stellen den Klimaschutz vor Herausforderungen: Denn alleine hier fielen 175 Millionen Tonnen Kohlendioxid an – und das, obwohl der Anteil der erneuerbaren Energien kontinuierlich wächst. “Die Daten zeigen Handlungsbedarf.  Es ist besser, jetzt einen sanften, sozialverträglichen Strukturwandel einzuleiten, als später abrupte Brüche zu riskieren”, so Umweltministerin Hendricks.

Da Deutschland trotz aller Bemühungen sein 40-Prozent-Ziel bis 2020 zu verfehlen droht, hatte Hendricks den “Aktionsplan Klimaschutz” vorgelegt. Ein Kernstück ist die Drosselung der Emissionen in Kraftwerken. Der dafür zuständige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel stößt mit seinen Plänen für eine Strafabgabe bei Überschreiten einer bestimmten Ausstoßgrenze jedoch auf Widerstand, vor allem aus ostdeutschen Braunkohle-Ländern.

Klimaschutz könne nur erfolgreich praktiziert werden, wenn dafür weltweit abgestimmt gehandelt wird, sagt Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. “Ein Modell jedoch, das in Deutschland zigtausende Jobs vernichtet, wird international nicht kopiert werden”, so der SPD-Politiker.

Um die Emissionen der rund 500 fossilen Kraftwerke bis 2020 um zusätzliche 22 Millionen Tonnen CO2 zurückzufahren, sollen Betreiber von Kraftwerken, die älter als 20 Jahre sind, eine Abgabe zahlen.

Hintergrund

Das Bundeskabinett hat am 3. Dezember 2014 mit dem Fortschrittsbericht zur Energiewende und dem Aktionsprogramm Klimaschutz bekräftigt, dass Deutschland zu dem Ziel steht, seine Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken.

Bis 2030 haben sich die EU-Mitgliedsstaaten im Oktober 2014 auf gemeinsame Ziele geeinigt. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch in der EU muss dann mindestens 27 Prozent betragen. Zur Verbesserung der Energieeffizienz bis 2030 wird auf EU-Ebene ein indikatives Ziel von mindestens 27 Prozent vorgegeben. Gebilligt wurde außerdem das verbindliche Ziel, die EU-internen Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren.

Besonders das Energieeffizienzziel steht bei Umweltschützern in der Kritik, weil es für die Mitgliedsstaaten nicht verbindlich gilt.

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