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31/08/2016

Turbulenter Start für Klimagespräche in Bonn

Energie und Umwelt

Turbulenter Start für Klimagespräche in Bonn

Die UN-Klimakonferenz zur Vorbereitung auf den Klimagipfel vom 30. November bis 11. Dezember in Paris findet derzeit in Bonn statt.

Foto: dpa

Die Entwicklungsländer hatten zum Beginn der letzten Vorbereitungsrunde für die UN-Klimakonferenz in Paris den Industriestaaten vorgeworfen, ihre wichtigsten Forderungen aus dem Verhandlungstext gestrichen zu haben. Nach einem turbulenten Start sind die Unterhändler bei den UN-Klimagesprächen in Bonn am Dienstag ein Stück vorangekommen.

Nachdem am späten Montagabend die gestrichenen Passagen wieder in das Papier aufgenommen worden waren, zeigte sich die G77-Gruppe der Entwicklungs- und Schwellenländer zufrieden.

Südafrikas Vertreter Nozipho Mxakato-Diseko sagte, die Überarbeitung des Entwurfs, der nun 34 statt zuvor 20 Seiten hat, habe das bestehende “Ungleichgewicht korrigiert”. Die G77-Gruppe, der mit Indien und China die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Welt angehören, hatten insbesondere moniert, dass Passagen zu Finanzhilfen fehlen würden. Ärmere Länder fordern finanzielle Unterstützung der reichen Staaten für die Umstellung auf erneuerbare Energien und für die Abmilderung der Folgen des Klimawandels.

Der Chefunterhändler der Allianz Kleiner Inselstaaten, Amjad Abdulla, sagte, die Mehrheit der Delegierten scheine mit dem vereinbarten Weg zufrieden. Alle Beteiligten wüssten, dass ihnen diese Woche viel Arbeit bevorstehe, doch hänge der Erfolg des Klimagipfels in Paris davon ab, dass sich alle Staaten in dem Verhandlungstext wiederfinden könnten. Kubas Chefunterhändler Pedro Luis Pedrosa sagte, auch wenn durch den Streit Zeit verloren worden sei, hätten die Staaten zumindest begonnen, einander zuzuhören.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, der den Pariser Gipfel Anfang Dezember leiten wird, mahnte die Teilnehmer am Dienstag zur Eile. “Um den Erfolg in Paris zu sichern, müssen in Bonn bis Freitag Fortschritte erzielt werden”, sagte Fabius. Bei dem fünftägigen Treffen auf Arbeitsebene soll ein Verhandlungstext fertiggestellt werden, der in Paris den teilnehmenden Ministern und Regierungschefs vorgelegt werden kann. Ihnen obliegt es dann, bei der zwölftägigen Konferenz die schwierigsten Entscheidungen zu treffen.

Zentraler Bestandteil des Texts sind die Zusagen von mehr als 150 Staaten zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Wissenschaftler warnen aber, dass bisherige Zusagen allenfalls reichen würden, die Erderwärmung auf eher drei Grad zu begrenzen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte am Montag den “frustrierenden” und “langsamen” Fortschritt der Verhandlungen. “Wir haben keinen Plan B, weil wir keinen Planet B haben”, warnte Ban.

Der EU-Kommissar für Klimaschutz, Miguel Arias Cañete, hob am Dienstag hervor, dass die EU-Staaten “auf gutem Wege” seien, ihr Ziel zu erreichen, den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur sanken die Emissionen von 1990 bis 2014 um 23 Prozent, während die Wirtschaft um 46 Prozent wuchs. “Wir haben gezeigt, dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zusammengehen können”, freute sich Cañete.