Brüssel: Trumps Berater nennt Umweltexperten „städtische Imperialisten“

Demonstranten beim Earth Day im kanadischen Vancouver (2012). By Sergei Bachlakov/ShutterStock

Donald Trumps Klimaberater musste sich bei seiner Rede in Brüssel viele Zwischenrufe und anderweitige Unterbrechungen gefallen lassen, bis er Umweltexperten schließlich als „städtische Imperialisten“ beschimpfte. EURACTIV Brüssel berichtet.

Myron Ebell, der den Übergang der amerikanischen Umweltschutzbehörde unter Trumpf Regierung beaufsichtigte, hielt am 1. Februar eine Ansprache beim „Blue-Green“-Gipfel in Brüssel, organisiert von der Allianz der Konservativen und Reformer in Europa (AKRE). Außerhalb des Veranstaltungsgebäudes, der Solvay-Bibliothek im Leopold Park, sah er sich mit einer Gruppe von etwa 60 Demonstranten konfrontiert.

Protestors outside the venue in Parc Leopold were described as "dishevelled and dreadlocked" by MEP Daniel Hannan.

MEP Daniel Hannan bezeichnete die Demonstranten im Leopold Park als „zerzaust und verbissen“.

Als Ebell während des Gipfels schließlich zu seiner Rede ansetzte, wurde er nach nur einer Minute von einem gut gekleideten Greenpeace-Aktivisten unterbrochen, der mit einem „Resist“-Banner („Leistet Widerstand“) in den Händen überraschend aufgestanden war. Ebell, der sich selbst auf Twitter als „größter Feind der Klimahysterie“ bezeichnet, leugne grundlegende wissenschaftliche Fakten, rief der Aktivist, bevor er von den Sicherheitsleuten hinaus eskortiert wurde.

„Wann immer Sie den Begriff Umweltexperte hören, müssen sie „städtische Imperialisten“ denken“, betonte Ebell später in seiner 15-minütigen Ansprache vor dem Publikum aus rechtsgerichteten EU-Abgeordneten. Auf den Klimawandel selbst ging er kaum ein – ganz zu schweigen vom Pariser Klimaabkommen, aus dem Trump auszutreten droht.

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Stattdessen erklärte er lang und breit, inwiefern Kapitalisten als Naturschützer anzusehen seien und übte scharfe Kritik an der modernen Umweltbewegung. Die Welt stehe vor einem „klimapolitisch-industriellen Komplex“, betonte er in Anlehnung an Präsident Dwight Eisenhowers Warnung vor einem „militärisch-industriellen Komplex“ von 1960. „Macht, Geld und Einfluss stehen auf der Seite der Umweltbewegung“, wetterte er.

„Sie behaupten, moralisch im Recht zu sein, aber eigentlich wird die Bewegung nur von dem Interesse angeleitet, viel Geld daran zu verdienen, die Armen in armen Ländern weiterhin arm zu halten.“

Dann fährt er fort: „Die Eliten glauben, sie wüssten besser, wie man die Umwelt schützt, als jene, die tatsächlich auf dem Land leben.“ Er selbst sei auf einer Ranch im Mittleren Westen aufgewachsen. „Sogenannte Experten haben oftmals nur theoretisches, jedoch kein praktisches Wissen.“.

„Zerzauste und verbissene Demonstranten“

Der konservative Europaabgeordnete Daniel Hannan kündigte Trumps Klimaberater mit den Worten an, er würde klar den Unterschied zwischen den „zerzausten und verbissenen Demonstranten“ vor der Tür und den „gut gekleideten Menschen mit Krawatte“ im Veranstaltungssaal deutlich machen.

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Trumps Klimaberater Myron Ebell bezeichnet sich als „größten Gegner der Klimahysterie“. [Matt Tempest/Flickr]

„Umweltaktivisten erzählen Ihnen, wenn Sie Schutz gewährleisten wollen, müssen Sie der Regierung Ihr Land überlassen. Ein Desaster nach dem anderen“, wetterte Ebell. „Die Sowjetunion war ein ökologischer Albtraum – giftige Chemikalien in den Böden und im Wasser. Wenn man will, dass etwas nicht funktioniert, sollte man es der Regierung überlassen.“

Hannan, der Ebell zu der Veranstaltung eingeladen hatte, bezeichnete seine Rede als „schallende Bekräftigung der Eigenverantwortung und der Eigentumsrechte“.

Die Tragödie der Allmende

Ebells Philosophie bestehe darin, Einspruch gegen die sogenannte „Tragödie der Allmende“ einzulegen – eines der Hauptargumente der Umweltschützer. „Die Menschen nehmen soviel von einem Allgemeingut, wie sie können. Erst wenn es Individuen oder kleinen Gruppen gehört, haben sie einen Anreiz, sorgsam damit umzugehen.“ Dabei verweist er auf Viehzüchter, Landwirte und Waldbesitzer. „Wenn sie nicht Acht geben, verliert ihre Ressource an Wert. Allgemeingüter zu haben, hieße, jeder schnappt sich so viel er kann, bevor es ihm ein anderer wegnimmt – das ist die Geschichte der modernen Umweltbewegung.“

„Es ist komplett falsch“, kritisiert Ebell weiter. Die Jahrtausende alte Menschheitsgeschichte widerspricht dem, was die Umweltbewegung uns heute verkaufen will und auch erfolgreich tut. Städtebewohner haben den Sinn für Eigenverantwortung verloren.“

Am Abend vor seiner Brüssel-Ansprache war Ebell zu Besuch in der Downing Street gewesen. Es ist jedoch unklar, mit wem genau er sich dort traf.

Šefčovič: „Ich glaube an die USA“

Es sei überaus wichtig, dass sich die USA an das Pariser Klimaabkommen von 2015 hielten, das noch unter Barack Obama ratifiziert wurde, unterstreicht Maros Šefčovič, Vizekommissionspräsident für die Energieunion, im Gespräch mit EURACTIV. „Was die Klimapolitik der USA angeht, müssen wir abwarten, welche Wahlkampfversprechen tatsächlich konkretisiert werden. Wie wir bisher sehen konnten, hat sich die Haltung schon das ein ums andere Mal geändert.“

„Wir sind überzeugt, dass das, was wir in Paris geschaffen haben, gut ist – nicht nur für die Erde und die Menschheit. Es macht auch für Unternehmen wirklich Sinn. Unsere Diagramme zeigen, wie Wirtschaftswachstum und die Senkung von Treibhausgasemissionen Hand in Hand gehen. Ich glaube immer stärker an die neuen Technologien, die in Europa verwendet werden, und ich glaube auch an die USA“, so Šefčovič.

„Sollte sich die Regierung entscheiden, einen anderen Weg einzuschlagen, wird sie früher oder später realisieren, dass der Klimawandel Realität ist, dass wir Menschen der Grund dafür sind und dass die USA als Land auf dramatische Weise betroffen ist“, erklärt er. „Sehen Sie sich nur die Hurricane, die Tornados an. Sie kosten Menschenleben und richten materielle Schäden an. Das lässt sich nicht mit einem Preisschild versehen, aber man muss sich nur einmal ansehen, was in New York, New Orleans oder in anderen Städten passiert ist. Wir sprechen hier von Schäden in Milliardenhöhen.“

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