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30/09/2016

Trendwende bei der Energiewende?

Energie und Umwelt

Trendwende bei der Energiewende?

Bei der Energiewende sind in Deutschland 2014 deutliche Fortschritte erzielt worden.

© Andrea & Stefan (CC BY 2.0)

2014 scheint ein Erfolgsjahr für die deutsche Energiewende gewesen zu sein. Einer Analyse zufolge waren die Erneuerbaren Energien im letzten Jahr erstmals die wichtigste Erzeugungsquelle im deutschen Strommix. Gleichzeitig sank der Stromverbrauch um 3,8 Prozent und die CO2-Emissionen im Strombereich lagen auf dem zweitniedrigsten Niveau seit 1990.

Mit der Energiewende in Deutschland scheint es voran zu gehen. 2014 waren die Erneuerbaren Energien erstmals wichtigste Quelle im Strommix. Sie verdrängten mit einem Anteil von 27,3 Prozent am deutschen Stromverbrauch die Braunkohle von Platz 1. Dies geht aus der Analyse „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2014“ hervor, vorgestellt der Berliner Denkfabrik „Agora Energiewende“.

Gleichzeitig stellt die Analyse fest, dass der Stromverbrauch im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent gesunken ist. Dies sei ein Zeichen dafür, dass sich Investitionen in stromsparende Geräte und Anlagen auszahlen, denn die Wirtschaft wuchs mit etwa 1,4 Prozent 2014 vergleichsweise kräftig.

Wegen der Entwicklungen bei den Erneuerbaren Energien und dem Stromverbrauch sei die klimaschädliche Verstromung von Steinkohle 2014 auf das zweitniedrigste Niveau seit 1990 gesunken. Das habe neben dem milden Winter 2013/14 zu einem deutlichen Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen im Strombereich geführt. Diese liegen nun ebenfalls auf dem zweitniedrigsten Wert seit 1990.

„Im Jahr 2013 konnten wir noch beobachten, dass parallel zum Zubau der Erneuerbaren Energien auch der unerwünschte Kohlendioxid-Ausstoß zunahm. Wir haben dieses Phänomen seinerzeit Energiewende-Paradox genannt. Heute können wir feststellen, dass der Trend gebrochen ist – die Erneuerbaren Energien wachsen weiter, die Treibhausgasemissionen sinken wieder“, sagte Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende.

Die Ursache für das Abklingen der Kohlendioxid-Emissionen sieht die Analyse darin, dass Erneuerbare Energien nach Erdgas- nun auch klimaschädliche Steinkohlekraftwerke vom Markt verdrängen. „Steinkohle und Erdgas sind die Verlierer im Strommix. Braunkohlekraftwerke produzieren hingegen weiterhin auf hohem Niveau“, so Graichen.

Die Großhandelspreise für Strom an der Leipziger Strombörse sanken 2014 auf ein Rekord-Tief von 33 Euro pro Megawattstunde (38 Euro im Jahr 2013). Der deutsche Strommarkt war daher für Nachbarländer sehr attraktiv. Sie importierten per Saldo 34,1 Terawattstunden. Dies entspricht 5,6 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms. Damit wurde ein neuer Rekord beim Stromexport erreicht, wobei sich das Exportsaldo gegenüber 2013 mit 0,3 Terawattstunden nur noch leicht erhöhte. „Beim Stromexport scheinen wir vorerst das Maximum erreicht zu haben“, sagt Graichen.

Gestoppt wurde auch der Trend zu steigenden Strompreisen. Sowohl die Strompreise für Privat- als auch für Gewerbekunden und Industrie sinken 2015 leicht gegenüber dem Vorjahr. Grund: Sowohl die Vorab-Kontrakte (sogenannte „Forwards“) an der Börse für 2015er-Strom als auch die EEG-Umlage 2015 fallen niedriger aus als 2014. Viele Stromvertriebe geben diese Vorteile an ihre Kunden weiter.

Hintergrund

Im Dezember 2014 verständigte sich die UN-Klimakonferenz in Peru auf einen Fahrplan, der den Weg für ein globales Koyoto-Folgeabkommen in diesem Jahr ebnen soll. Nach mehr als zweiwöchigen Verhandlungen erzielten die Staaten der Vereinten Nationen eine Einigung: Der Kompromiss sieht vor, dass alle Regierungen bis Ende März überarbeitete nationale Programme zur Reduzierung der Treibhausgase vorlegen müssen. Zudem wurde auf Druck der Entwicklungsländer eine weitergehende finanzielle Unterstützung durch die reichen Staaten zugesichert.

Dem in Lima erzielten Abkommen zufolge müssen Regierungen bis zu einer informellen Frist am 31. März Programme zur Reduzierung der Treibhausgase vorlegen, die dann bis zur nächsten großen Klimakonferenz im November in Paris durch das UN-Klimasekretariat zu einem Paket geschnürt werden sollen.

Der Europa?ische Rat hatte sich Ende Oktober auf den Rahmen fu?r die Klima- und Energiepolitik bis 2030 fu?r die EU versta?ndigt. Fu?r den bis 2030 zu erreichenden Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch in der EU wird ein EU-Ziel von mindestens 27 Prozent festgesetzt. Dieses Ziel wird auf EU-Ebene verbindlich sein.

Zur Verbesserung der Energieeffizienz bis 2030 wird auf EU-Ebene ein indikatives Ziel von mindestens 27 Prozent vorgegeben. Gebilligt wurde außerdem das verbindliche Ziel, die EU-internen Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren.

Bei der UN-Klimakonferenz Ende 2015 in Paris sollen die Teilnehmerstaaten weltweit verbindliche Klimaziele festlegen.