Studie: Schlechtes Marketing und wenig Auswahl schwächen Verkauf von E-Autos

Um den E-Autos zum Durchbruch zu verhelfen bräuchte es mehr Ladesäulen. [Frank Hebbert/Flickr]

Elektroautos verkaufen sich nach wie vor schlecht in Europa. Die Gründe dafür sind bekannt: Unzureichende Lade-Infrastruktur und hohe Preise.

Eine neue Studie der Organisation Transport and Environment (T&E), die heute vorgestellt wird, kommt jedoch zu dem Schluss, dass schlechtes Marketing, lange Lieferzeiten und die sehr begrenzte Auswahl an Elektromodellen ebenfalls eine Rolle spielen.

In Europa stehen derzeit nur 20 batteriebetriebene Elektromodelle zum Verkauf – im Vergleich zu 417 Benziner- oder Dieselversionen, so die Studie. Darüber hinaus fand T&E heraus, „dass viele dieser 20 Modelle in Wirklichkeit noch nicht einmal in den Autohäusern zum Verkauf bereit stehen.“ Das gelte besonders für den Opel Ampera und den Bolt. Für andere Modelle wie den Hyundai Ioniq und den BMW i3 gebt es lange Wartezeiten, „weil die Produktionskapazitäten nicht groß genug sind.“

Bald Quote für E-Autos?

Im Bundesumweltministerium rechnet mit einer baldigen Initiative der EU-Kommission für eine E-Autoquote. Die Fahrzeuge entsprechen jedoch noch nicht den Ansprüchen der Verbraucher.

Während Indien es sich zum Ziel gesetzt hat, ab 2030 nur noch elektrisch betriebene Autos auf die Straßen zu lassen, zeigen die Daten von T&E, dass die europäischen Hersteller „nicht einmal versuchen, ihre Elektroautos zu verkaufen.“ Das ließe sich an den verschwindend geringen Werbeausgaben ablesen. Durchschnittlich würden in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und Norwegen lediglich 2,1 Prozent des Marketingbudgets der Hersteller für Werbung für Fahrzeuge ohne Schadstoffausstoß und 1,6 Prozent für Plug-in Hybridautos aufgewendet.

Es scheint also, dass die Autobauer nicht aktiv versuchen, neue Kunden für die sauberen Fahrzeuge zu gewinnen – „obwohl ungefähr 30 Prozent der deutschen, französischen und britischen Verbraucher sich vorstellen könnten, demnächst ein Elektroauto zu kaufen“, so der Bericht.

Die einzige Ausnahme unter den in der Studie untersuchten Ländern stellt Norwegen dar: In dem Land, in dem bereits heute jedes dritte verkaufte Auto ein Elektroauto ist, seien die Werbeausgaben deutlich höher. BMW gebe beispielsweise 24 Prozent seines Werbebudgets für elektrische Antriebe aus, Daimler immerhin 14 Prozent.

Im Fazit schreibt T&E, dass der Verkauf von Elektroautos in weiten Teilen Europas „unweigerlich“ hinter den Erwartungen zurückbleiben wird. Momentan liegen die Verkaufszahlen bei ungefähr der Hälfte des erwarteten bzw. von den Herstellern versprochenen Niveaus. Die Autobauer hatten geschätzt, dass 3,6 Prozent ihrer heutigen Verkäufe Elektroautos sein würden. Tatsächlich liegt der Anteil bei 1,7 Prozent.

115 neue Ladestationen für Elektroautos in Europa

Wer ein Elektroauto besitzt, muss größere Fahrten minutiös planen. Ein von der EU gefördertes Projekt sorgt nun für mehr als 100 neue Ladestationen in Europa.

Eine andere Untersuchung des europäischen Automobilherstellerverbands ACEA, die im Juni vorgestellt wurde, unterstrich jedoch, dass die Nachfrage nach Fahrzeugen mit alternativem Antrieb innerhalb der EU nach moderatem Anstieg 2016 im ersten Quartal 2017 um 37,6 Prozent nach oben gesprungen ist. Insgesamt seien 212.945 E-Autos verkauft worden. Die Gesamtzahl der Elektroautos auf europäischen Straßen stieg somit um fast 30 Prozent.

Trotz dieses auffälligen Anstiegs stellt aber auch ACEA fest, dass der Anteil der Fahrzeuge mit elektrischem oder mit anderen alternativen Antrieben weiterhin gering ist. Derzeit ist lediglich jeder zwanzigste Neuwagen kein reiner Diesel oder Benziner.

Weitere Informationen

Gabriel: Eine Million E-Autos bis 2020 ist "eine Illusion"

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hält das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 auf den Straßen für nicht mehr erreichbar.