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26/09/2016

Studie: Hohes Asthma-Risiko in der Nähe von Fracking-Anlagen

Energie und Umwelt

Studie: Hohes Asthma-Risiko in der Nähe von Fracking-Anlagen

Anti-Fracking Proteste in Brüssel.

[greensefa/Flickr]

Die umstrittene Erdgas-Fördermethode Fracking sorgt erneut für Sorgen: Eine Langzeitstudie aus den USA zeigt nun, dass in der Nähe von Fracking-Anlagen ein deutlich höheres Asthma-Risiko herrscht.

Es ist noch nicht lange her, da hat sich die Große Koalition für ihr neues Fracking-Gesetz gerühmt. Durch das Verbot würden Mensch, Natur und Trinkwasser geschützt. Dass die Bundesregierung damit wohl die richtige Entscheidung getroffen hat, scheint sich nun zu bestätigen.

Am Montag veröffentlichte die American Medical Association eine Studie, die einen besorgniserregenden Zusammenhang zwischen Fracking und Asthma herstellt. Über einen Zeitraum von acht Jahren wurden im US-Bundesstaat Pennsylvania mehr als 35.000 Asthma-Patienten zwischen fünf und 90 Jahren untersucht. Die gesammelten Daten wurden mit dem Wohnort der Patienten sowie der Lage und Größe der nächstgelegenen Erdgasförderung abgeglichen. Die Auswertung ergab ein eindeutiges Ergebnis.

„Bei Patienten, die näher an einer großen Zahl von Erdgas-Bohrlöchern oder größeren Förderanlagen lebten, war die Wahrscheinlichkeit von Asthma-Anfällen um 1,5 bis viermal höher“, heißt es in der Studie. Um einem möglicherweise verfälschten Bild entgegen zu wirken, habe man auch andere Asthma auslösende Faktoren wie stark befahrene Straßen oder Rauchen berücksichtigt. Das Ergebnis blieb dasselbe.

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um die erste zu Asthma im Zusammenhang mit der umstrittenen Fördermethode. Man müsse jetzt mit einer genaueren Untersuchung der Ursachen beginnen, damit man die Industrie sicherer machen könne, sagt Sara Rasmussen, die Leiterin von der Johns Hopkins Universität. Auch Co-Autor Brian Schwartz ist „besorgt über die zunehmende Zahl von Studien, die gesundheitliche Auswirkungen“ der Frackingindustrie belegen.

Allein im betroffenen US-Bundesstaat stieg die Anzahl von Fracking-Bohrlöchern über die Jahre auf mittlerweile rund 6000 an. Ob die aktuelle Studie dem weiteren Ausbau Einhalt gebieten wird, bleibt abzuwarten.

Zumindest in Deutschland ist unkonventionelles Fracking – also Fracking in Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgestein – mit dem neuen Gesetz verboten worden. Konventionelles Fracking, beispielsweise in Sandgestein, ist weiterhin erlaubt. Hierfür existieren noch keine repräsentativen wissenschaftlichen Untersuchungen. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller findet dennoch, dass es für konventionelles Fracking keine Ausnahme geben solle. „Es ist gut, dass es endlich ein Fracking-Gesetz gibt, aber ein klares Nein zur klimaschädlichen Risiko-Technologie wäre das richtige Signal gewesen statt nur schärfere Regelungen.“