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04/12/2016

Studie: EU-Klimaziele nur mit weniger Rindfleisch- und Milchprodukten erreichbar

Energie und Umwelt

Studie: EU-Klimaziele nur mit weniger Rindfleisch- und Milchprodukten erreichbar

Die Rindfleischproduktion trägt in hohem Maße zur Erderwärmung bei.

[dj)ser/Flickr]

Um den Klimazielen der EU gerecht zu werden, sollten die Europäer laut einer neuen Studie aus Schweden weniger Rindfleisch und Milchprodukte konsumieren. EurActiv Brüssel berichtet.

Die EU-Mitgliedsstaaten müssen landwirtschaftliche Treibhausgasemissionen drastisch verringern, wenn sie das Zwei-Grad-Ziel der UN erreichen wollen – so das Ergebnis einer Studie, die am gestrigen Montag in der Fachzeitschrift Food Policy erschien. Durchgeführt wurde sie von Forschern der Technischen Hochschule Chalmers und dem Technical Research Institute of Sweden.

Die Landwirtschaft trägt zu zehn Prozent zu den gesamten EU-Treibhausgasemissionen bei. Dieser Anteil beruht vor allem auf zwei stark klimaschädlichen Treibhausgasen: Methan (CH4) aus dem Verdauungsprozess der Tiere sowie eingelagertem Viehdung und Distickstoffoxid (N2O) aus organischen und mineralischen Stickstoffdüngemitteln.

In Schweden sind die Herstellung von Molkereiprodukten und die Landwirtschaft inzwischen für fast 25 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das Land müsste diesen Ausstoß bis 2050 um 75 Prozent senken, wenn es den Klimazielen der EU entsprechen will.

Verbraucher könnten ihren Konsum von Rindfleisch oder Milchprodukten verringern. Bauern auf der anderen Seite sollten, so die Forscher, ihre landwirtschaftliche Produktion effizienter gestalten – zum Beispiel indem sie neue Technologien nutzen. Glaubt man den optimistischeren Einschätzungen hätten diese ein Einsparpotenzial von bis zu 50 Prozent.

David Bryngelsson, einer der Forscher hinter der Studie, rät Landwirten, die Sammelstelle für Viehdung besser abzudecken. Außerdem ließen sich ihm zufolge Emissionen aus der Düngemittelproduktion halbieren, wenn die Fabriken modernste Technologien verwenden würden. „Zur Förderung einer solch klimaintelligenten Technologie bräuchten wir in der Landwirtschaft jedoch eine viel ambitioniertere Klimapolitik als heute“, erklärt Bryngelsson.

Auf der Suche nach Alternativen

In Sachen Fleischkonsum steht Deutschland im europäischen Vergleich ganz weit oben auf der Rangliste – zusammen mit Dänemark, Spanien und Portugal. Die Schweden hingegen weisen weltweit den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von Käse und anderen Molkereiprodukten auf, so Stefan Wirsenius, der ebenfalls den Zusammenhang zwischen Agrarproduktion und Klimawandel untersuchte.

Viehzucht und Futtermittelerzeugung produzieren weltweit jeweils mehr als drei Milliarden Tonnen Kohlendioxidäquivalent. Eurostat-Daten zufolge verzeichneten Deutschland, Spanien, Frankreich und Großbritannien 2014 die höchsten Viehbestände. Die meisten Schweine gab es in Deutschland und Spanien (28,3 beziehungsweise 26,6 Millionen Tiere), die meisten Kühe in Frankreich (19,3 Millionen Tiere) und die meisten Schafe in Großbritannien (23 Millionen Tiere).

Ein höherer Geflügel- oder Schweinefleischkonsum pro Kopf sei möglicherweise mit den Klimazielen vereinbar, erklärt Wirsenius. „Wir müssen nicht komplett auf Fleisch verzichten. Den Ausstoß zu senken bedeutet, dass wir auch weiterhin in sehr hohen Maße Geflügel- und Schweinefleisch verzehren können, wenn wir gleichzeitig unseren Rindfleischverbrauch zurückschrauben.“

Hintergrund

Im Dezember 2015 einigten sich die weltweiten Regierungsvertreter auf der Pariser UN-Klimakonferenz COP21 auf ein historisches Abkommen im Kampf gegen die Erderwärmung.

Fast 200 Länder beschlossen, den weltweiten Temperaturanstieg auf "weit unter" zwei Grad zu reduzieren, verglichen mit vorindustriellen Werten. Das Abkommen verweist darüber hinaus auf ein noch niedrigeres Langzeitziel von 1,5 Grad. Um dies zu erreichen, müssen Emissionen aus fossilen Brennstoffen wie Öl drastisch reduziert werden.

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