Strengerer Abgastest bringt offenbar keine Vorteile fürs Klima

Das EU-Parlament hat dem neuen Abgastest zugestimmt.

Was bringen neue Normen bei Abgastestes in der EU? [ Stefan Schmitz/Flickr]

Die Einführung eines strengeren Abgastests auf EU-Ebene Anfang September zwingt die Autoindustrie offenbar nicht dazu, deutlich verbrauchsärmere Autos zu bauen.

Wie aus internen Dokumenten hervorgeht, über die die ARD-Sendung „Panorama“ am Donnerstagabend berichten wollte, hat das vor allem die deutsche Autolobby mithilfe der Bundesregierung bei der Europäischen Union durchgesetzt.

Als der sogenannte WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) am 1. September eingeführt wurde, versprachen Regierungen und Hersteller realistischere Verbrauchs- und Abgaswerte. Diese Angaben gelten zunächst aber nur für die Verbraucherkennzeichnung. Für die EU-Klimaziele werden die Werte in den alten Test NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) umgerechnet. Der NEFZ wird von Umweltverbänden und Politik wegen seiner vielen Schlupflöcher und zunehmend unrealistisch niedriger Verbrauchsangaben stark kritisiert.

Den Dokumenten der Autolobby sowie der Bundesregierung zufolge drängten Regierung und Autoindustrie die EU-Kommission dazu, dass die Autobauer mithilfe einer EU-Software die alten Schlupflöcher künstlich in den neuen Test einrechnen dürfen. Und sie hatten offenbar Erfolg: Bis ins Jahr 2021 gelten kleingerechnete Abgaswerte für den Klimaschutz. Die Dokumente liegen auch der Nachrichtenagentur AFP vor.

Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) begründete seine Forderung in einer internen Präsentation für die Bundesregierung damit, dass die Autobauer 2021 einen EU-Grenzwert von durchschnittlich 95 Gramm CO2 pro Kilometer für neue Autos einhalten müssen. Das entspricht umgerechnet etwa vier Liter Benzin auf 100 Kilometer. Schaffen sie das nicht, drohen Strafen in Milliardenhöhe.

Bislang konnten die Hersteller den sogenannten Flottenverbrauch Jahr für Jahr verringern. Umweltverbände kritisieren aber, dass die Verbesserungen nur auf dem Papier, durch die Ausnutzung der Schlupflöcher stattfand. In der Realität seien die Autos nicht spritsparender und sauberer geworden.

Der VDA schätzt, dass die offiziellen Werte durch den strengeren WLTP um bis zu 20 Prozent steigen werden. Ohne das Kleinrechnen hätte dies eine Verschärfung der Grenzwerte „durch die Hintertür“ bedeutet, fürchtete der VDA laut Präsentation.

Die Unterlagen zeigen, dass sich die deutsche Regierung in Brüssel in Arbeitsgruppen der Kommission vehement gegen eine frühzeitige Einführung des WLTP für die CO2-Regulierung einsetzte. Dabei wussten die Beamten, dass die Hersteller dadurch „nicht gefordert“ würden, klimafreundlichere Autos zu bauen, wie in einer Vorlage des Verkehrsministeriums steht.

Gleichzeitig warnten die Beamten davor, dass es in der Öffentlichkeit „schwer zu kommunizieren sei“, dass der strenge WLTP für den Klimaschutz erst „deutlich nach 2020“ angewendet werde.