Russlands EU-Botschafter warnt vor Gaskrise in EU

Der russische Diplomat Wladimir Tschischow befürchtet, der EU könne im Fall eines harten Winters das Gas ausgehen. [European Commission]

Europäischen Ländern könnte in der kalten Jahreszeit das Gas ausgehen, warnt Wladimir Tschischow. Die Ukraine zapfe unterirdische Gasspeicher an, die eigentlich für harte Winter und die Versorgung der EU gedacht seien. EURACTIV Brüssel berichtet.

Am gestrigen Dienstag veröffentlichte die russische Nachrichtenagentur Interfax ein Interview mit Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschischow. Das Gespräch in russischer Sprache lässt sich auch auf der Webseite der EU-Vertretung Russlands finden.

Der Botschafter spricht darin sehr positiv über die von der EU-Kommission angestoßenen trilateralen Gasgespräche. Sie zielen darauf ab, das EU-Winterpaket zu sichern. Im Rahmen dieser Gesetze unterstützt die EU die Ukraine dabei, im Winter dringend benötigtes Gas aus Russland zu erstehen. Zum dritten Jahr in Folge vermittelt die EU zwischen den beiden Ländern in Sachen Gasankäufe, denn auch ihre eigene Versorgungssicherheit hängt vom russischen Gas ab, das über die Ukraine zu ihr geleitet wird.

Russisches Gas: Ukraine bereit zu trilateralen Gesprächen

Die Ukraine sei gewillt, in Brüssel am 9. Dezember an trilateralen Gas-Verhandlungen mit Russland teilzunehmen, bestätigt ihr nationaler Energieversorger Naftogaz auf Twitter. EURACTIV Brüssel berichtet.

Damit die Vereinbarungen funktionieren, müsse die Ukraine russisches Gas kaufen, warnt der russische Diplomat. Stattdessen beziehe sie den Rohstoff derzeit aus unterirdischen Speicheranlagen, die in der Sowjetzeit erbaut wurden. Dabei seien diese laut Tschischow für die Energiesicherheit in besonders harten Wintern gedacht.

Die Gasspeicher sollten ihm zufolge im besten Falle 19 Milliarden Kubikmeter enthalten. Die Mindestmenge, die für die Versorgung des Westens notwendig sei, liege bei 17 Milliarden Kubikmetern. Zurzeit der letzten trilateralen Gesprächsrunde im Dezember hätten die Speicher jedoch nur 14 Milliarden Kubikmeter Gas enthalten, betont er. Inzwischen seien die Vorräte wahrscheinlich noch weiter aufgebraucht, da die Ukraine stetig Gas für ihren eigenen Bedarf abzapfe. Die maximalen und minimalen Werte entsprechen der Versorgung in milden und harten Wintern. Dieses Jahr stehe man wahrscheinlich vor einem harten Winterbeginn, warnt der Botschafter.

Die unterirdischen Speicher in der Ukraine seien so gebaut, dass man sie entweder befüllen oder Gas abpumpen könne – beides gleichzeitig funktioniere nicht, erklärt er. „Wenn die Ukraine sich plötzlich entscheiden sollte, die Gasvorräte aufzustocken, müsste sie dafür die Versorgung ihres eigenen Landes unterbrechen.“

Über diese Angelegenheit hinaus sorgt noch ein weiterer Aspekt für böses Blut zwischen Moskau und Kiew: Ein ukrainisches Gericht verhängte kürzlich eine Geldstrafe in Höhe von 6,6 Milliarden Dollar gegen das Exportmonopol Gazprom. Die Ukraine besteht darauf, der Fall habe nichts mit den trilateralen Gesprächen zu tun. Tschischow befürchtet jedoch, Kiew könne den Gerichtsentscheid als Vorwand nutzen, um russisches Gas zu konfiszieren, das eigentlich für die EU gedacht sei. Alexander Nowak, Russlands Energieminister, habe nicht nur die Kommission diesbezüglich in Kenntnis gesetzt, sondern auch jene 18 EU-Mitgliedsstaaten, die russisches Gas beziehen.

Die Ukraine warnt ebenfalls vor einer drohenden Gaskrise in der EU, macht jedoch Russland für die Zustände verantwortlich. Die anhaltenden Spannungen zwischen Moskau und Kiew über Gasankäufe spielen Pipeline-Projekten in die Hände, die die Ukraine als Transitland zu umgehen versuchen, insbesondere Nord Stream 2.

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