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22/02/2017

Refabrikation in Europa: Aus alt mach neu

Energie und Umwelt

Refabrikation in Europa: Aus alt mach neu

Der ERC soll dafür sorgen, dass noch mehr Produkte durch Refabrikation länger nutzbar gemacht werden.

[stuart.mike / Flickr]

Der neue Europäische Refabrikationsrat (ERC) soll Unternehmen vertreten, die alte Produkte aufbereiten. Gemeinsam schaffen sie derzeit einen Wert von 29,8 Milliarden Euro und fördern so die Kreislaufwirtschaft. EurActiv-Kooperationspartner edie.net berichtet.

Aufgabe des ERC wird es sein, Bewusstsein auf EU-Ebene zu schaffen. Auf diese Weise sollen noch mehr Produkte durch Refabrikation länger nutzbar gemacht werden. Ihr derzeitiger Anteil soll von zwei Prozent auf fünf Prozent gesteigert werden.

Der neue Rat entstand aus dem EU-geförderten Europäischen Refabrikationsnetzwerk (ERN), das von der britischen Forschungs- und Beratungsgruppe Oakdene Hollins betrieben wird. Die Firma arbeitet mit öffentlichen und privaten Akteuren zusammen, um nachhaltige Produkte und Dienstleistungen in Geschäftsvorgänge einzubetten. So leitet Oakdene Hollins beispielsweise die britische Vergabe des EU-Umweltzeichens im Namen des Ministeriums für Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft.

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Neue Aufgaben

„Die Recycling-Quoten sind von fünf Prozent in den 80ern auf 50 Prozent gestiegen. Mal sehen, ob wir das gleiche auch bei der Refabrikation schaffen. Und das können wir. Beschäftigung und Wachstum werden unser Maßstab für den Erfolg sein“, erklärt Davis Fitzsimons, Geschäftsführer von Oakdene Hollins auf der ERC-Website.

Der ERC soll sowohl kleine als auch große Unternehmen aus allen Bereichen der Produktaufbereitung vertreten. Dabei wird er aufzeigen, welch hohes Potenzial der Sektor mitsichbringt, um wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft zu werden. Forschungsergebnisse legen nahe, dass die europäische Refabrikationsbranche bis 2030 etwa 90 Milliarden Euro wert sein könnte – allerdings nur, wenn sie sektorenübergreifende Unterstützung aus der Politik erhält und die Industrie fleißig investiert.

Jedes Jahr wird der Rat Forschungsprioritäten für die nationale oder EU-weite Innovationsförderung empfehlen, die die Wiederaufbereitungsbranche in Europa am stärksten vorantreiben. ERC-Mitglieder können mitbestimmen, welche Prioritäten definiert werden. Das Programm nimmt gern einzelne Unternehmen oder auch europaweite Handelsverbände auf.

Die Industrie macht’s vor

Ein Großteil des bestehenden Refabrikationsmarktes wird von der Luft- und Raumfahrt sowie der Autobranche angetrieben. So entwickelte der US-amerikanische Fahrzeughersteller Ford erst kürzlich eine innovative Technik, die alten, scheinbar schrottreifen Motoren neues Leben einhaucht.

In Europa sind Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien führend in der Refabrikationsbranche. Produkte wieder nutzbar zu machen, spiele in jedem großangelegten Geschäftsmodell der britischen Schwerindustrie eine wichtige Rolle, betonte Nick Cliffe, führender Technologe für Ressourceneffizienz bei Innovate UK, auf der Edie-Live-Konferenz im letzten Jahr. Ebenfalls 2016 erfuhr edie von einem Ökonom der Oxford University, dass sich die Produktionsstätte Port Talbot von Tata Steel durchaus für die Wiederaufbereitung interessiert, um sich eine nachhaltigere Zukunft zu sichern.

Im November eröffnete auch der weltweit größte Farben- und Lackhersteller Akzonobel eine innovative, gemeinnützige Refabrikationsstätte im Nordwesten Englands. Hier will das Unternehmen bis Ende 2017 100.000 Liter wiederaufbereiteter Farbe herstellen.

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