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30/07/2016

Polnischer Präsident kritisiert Bau neuer Gas-Pipeline nach Deutschland

Energie und Umwelt

Polnischer Präsident kritisiert Bau neuer Gas-Pipeline nach Deutschland

Der polnische Präsident Andrzej Duda

[Wikimedia]

Polens konservativer Präsident Andrzej Duda kritisiert ein Abkommen des russischen Energieriesen Gazprom und einiger führender westlicher Energieunternehmen scharf: Der Ausbau der Gaspipeline Nord Stream durch die Ostsee ignoriere polnische Interessen komplett.

Bei einem Wirtschaftsforum in Polen fand der polnische Präsident Andrzej Duda deutliche Worte für den Deal zum Bau einer zweiten Nord-Stream-Pipeline. “Wenn man bedenkt, dass ein Abkommen zum Bau von Nord-Stream 2 geschlossen wurde, das polnische Interessen komplett ignoriert, muss man die Einheit (der EU) ernsthaft in Frage stellen”, sagte Duda.

Im Juni einigte sich Gazprom mit dem britisch-niederländischen Unternehmen Shell, dem deutschen Energieriesen E.ON und der österreichischen OMV auf den Bau einer neuen Gaspipeline nach Deutschland. Sie wird die kriegszerrüttete Ukraine, aber auch den EU-Nachbarn Polen umgehen.

Die neue Pipeline hätte eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Damit würde sich die Gaszufuhr der bereits vorhandenen Nord-Stream-Pipeline verdoppeln, die Deutschland und Russland verbindet.

Für die Umsetzung des Deals gibt es keinen Zeitrahmen. Doch er wird Deutschlands Rolle als Verteilungszentrum für russisches Gas stärken – und gleichzeitig Polens Rolle als Transitland schwächen.

Polnische Politiker des gesamten politischen Spektrums haben sich lange gegen Nord Stream gewehrt. Für sie untergräbt die Pipeline die Energiesicherheit, die Polen als Transitland für russisches Gas der Erdgasleitung Jamal-Europa zieht.

Moskau sucht in zunehmendem Maße nach Routen für die Erdgaslieferung in die EU, die die Ukraine umgehen – trotz des EU-Beharrens auf größerer Unabhängigkeit von Russland.

Russland und der Westen streiten im Moment über die Rolle des Kremls in der Ukraine. Ein Gasstreit zwischen Kiew und Moskau gefährdet die Energielieferungen an die EU.