Polen will seine Kohleabhängigkeit beenden – mit Atomenergie

Der polnische Energieminister Krzysztof Tchórzewski erklärte, dass keine weiteren Investitionen in Kohlekraft geplant seien. Im Jahr 2029 könnte Polen dafür sein erstes Atomkraftwerk eröffnen. [European Council]

Polen treibt derzeit drei große Kohlekraft-Projekte voran. Der Energieminister des Landes kündigte aber vergangene Woche an, dass dies möglicherweise die letzten Investments in Kohle seien und Polen sich zukünftig auf Atomenergie fokussieren könnte.

Minister Krzysztof Tchórzewski erklärte während des Krynica-Zdrój Wirtschaftsforums in Südpolen am vergangenen Mittwoch, dass keine Investitionen in Kohlekraft über die drei aktuellen Projekte hinaus geplant sind. Trotzdem müsse Polen weiterhin viel in seine Energie-Infrastruktur investieren. So könnte das osteuropäische Land zum Ende des nächsten Jahrzehnts sein erstes Atomkraftwerk eröffnen.

Finnlands Kohlausstieg verdoppelt Kapazität der Atomenergie

Finnland ist auf dem Weg in eine entkarbonisierte Zukunft und plant die Erhöhung der Kohlendioxidsteuern und die Einführung entsprechender Gesetze im Jahr 2018.

Warschaus Atom-Pläne waren zuerst im Jahr 2009 angekündigt worden, wurden dann aber aufgrund niedriger Energiepreise und negativer Reaktionen der Bevölkerung nach Fukushima zunächst auf Eis gelegt.

Nachdem die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) die Parlamentswahlen 2015 gewonnen hatten, holte das Kabinett von Premierministerin Beata Szydło die Pläne wieder aus der Schublade und kündigte an, innerhalb der nächsten zehn Jahre ein Atomkraftwerk ans Netz zu bringen.

Letzte Woche verriet Energieminister Tchórzewski einige Details: „Wir wollen insgesamt drei [Atomkraftwerke] bauen, in einem Abstand von fünf Jahren. Das erste soll 2029 fertig sein.“ Die Kosten lägen bei fast sechs Milliarden Euro.

Damit weicht die Regierung von ihrer vorherigen Haltung ab: Bisher hatten sowohl Premierministerin Szydło als auch Präsident Andrzej Duda öffentlich erklärt, Polen habe genug Kohle für zwei weitere Jahrzehnte. Etwa 90 Prozent des polnischen Energiebedarfs werden durch Kohlekraft bedient.

Neue EU-Emissionsregeln – der Todesstoß für Kohlekraftwerke?

Kraftwerke müssen ihre Schadstoff-Emmissionen reduzieren. Umweltverbände sehen als nächsten logischen Schritt, die weitreichende Schließung der grössten Umweltsünder – die Kohlekraftwerke.

Allerdings warnen Experten seit Jahren, dass die verbleibenden Ressourcen in den Kohlerevieren in Schlesien schon bald aufgebraucht sein könnten und dass sich der Bergbausektor auf höhere Kosten für den bisher billigen Energieträger einrichten muss.

Laut Medienberichten gibt es im polnischen Heizkraftwerksektor seit Monaten Probleme mit der Energiezufuhr. Daher müssen die Kohle-Importe dieses Jahr und in 2018 wahrscheinlich erhöht werden.

Ein weiteres Problem für Warschau ist die Finanzierung des Betriebs der großen Kohlekraftwerke geworden. So muss die Energie-Holdinggesellschaft Tauron beispielsweise viel Geld für die Modernisierung seiner alten Kraftwerke aufwenden – aufgrund umweltpolitischer Verpflichtungen der Regierung sind die Investitionsmöglichkeiten für das Unternehmen jedoch begrenzt. Andere staatsgeführt Energiefirmen haben ähnliche Probleme.

Somit steht der Kohlekraft im kohlefreundlichsten (und kohleabhängigsten) EU-Mitgliedstaat eine unsichere Zukunft bevor.