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28/09/2016

Plastiktütenverbot stärkt heimische Unternehmen

Energie und Umwelt

Plastiktütenverbot stärkt heimische Unternehmen

Plastiktüten brauchen mehrere hundert Jahre, bis sie vollständig zersetzt sind.

[Newtown grafitti/Flickr]

Die französische Regierung fördert Hersteller biobasierter Kunststoffe, indem sie schrittweise Einwegplastiktüten verbietet. EurActiv-Kooperationspartner Le Journal de l’Environnement berichtet.

Am 30. März veröffentlichte das französische Umweltministerium einen Erlass über die von nun an begrenzte Nutzung von Einwegplastiktüten. Eigentlich sollte diese Maßnahme unter Artikel 75 des Energiewendegesetzes für grünes Wachstum am 1. Januar 2016 in Kraft treten. Derzeitiger Stichtag für die Einschränkungen ist der 1. Juli 2016. In ihrer Presseerklärung verspricht die französische Regierung „der Vergabe von Wegwerfplastiktüten ein Ende zu bereiten“. Das ist ihr bisher nicht gelungen. Sie ordnete jedoch Änderungen bei der Materialzusammensetzung der verwendeten Plastiktüten an.

Ab 1. Juli 2016 wird es an den französischen Kassen verboten sein, Einwegplastiktüten mit einer Dicke von weniger als 50 Mikrometern (0,05 Millimetern) auszugeben. „Phase zwei wird dann am 1. Januar 2017 eingeleitet. Dabei wollen wir die Nutzung dieser Tüten auch andernorts im Supermarkt verbieten – also beim Abwiegen von Obst oder Gemüse sowie an der Käse-, Wurst- und Fischtheke“, erklärt Baptiste Legay, Direktor der Abteilung für Abfall und Kreislaufwirtschaft im französischen Umweltministerium.

Legay möchte Einkäufer dazu ermutigen, Tragetaschen oder Mehrwegplastiktüten zu verwenden. Das allein wird jedoch nicht ausreichen, um die Umweltziele der Regierung umzusetzen. Daher entstand die Idee, Produzenten zur Herstellung von biologisch abbaubaren Tüten zu verpflichten und der traditionellen Kunststoffmischung vermehrt Plastik pflanzlichen Ursprungs hinzuzufügen. So soll der Anteil biologisch abbaubarer Kunststoffe von 30 Prozent im Januar 2017 auf 60 Prozent bis 2025 erhöht werden.

Patriotische Tüten

Hinter den neuen Vorschriften für Plastiktüten steckt ein rein ökologischer Grundgedanke: Wenn man die Tüten kompostierbar macht, können weniger von ihnen die Umwelt verschmutzen und ins Meer gelangen. „Die neuen biobasierten Tüten werden zuhause kompostierbar sein. Das bringt Frankreich auf einen guten Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft. Was aus der Erde kommt, kehrt in die Erde zurück“, betont Christophe Xavier Doukhi de Boissoudy, Generaldirektor von Novamont Frankreich, einem Unternehmen für Bioprodukte.

Hinter der Idee der Eigenkompostierung steckt jedoch noch eine weitere Agenda: Denn 90 Prozent der in Frankreich ausgegebenen Einwegplastiktüten kommen aus Asien. Durch die bald eingeschränkt zulässige Zusammensetzung des Plastiks werden die Tüten bei etwa 26 Grad mit der Zersetzung beginnen. Anders gesagt: Biobasierte Tüten aus Asien, die den französischen Standards entsprechen, würden die mehrwöchige Reise in einem sonnenbeschienen Container gar nicht unbeschadet überstehen. „Wir wissen einfach, dass sich unsere asiatischen Konkurrenten unheimlich aufregen werden“, freut sich John Persenda, Eigner von Sphère, dem führenden europäischen Unternehmen für Kunststofffolie und Plastiktüten.

Neue Märkte

Französische und europäische Unternehmen hoffen, die Situation zu ihrem Vorteil nutzen zu können, indem sie ihre Produktion „relokalisieren“. Derzeit liegen Pläne für mehrere neuen Anlagen in Frankreich auf dem Tisch. Diese, so die Produzenten, sollen 3.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen.

Biologisch abbaubare Materialien für Plastiktüten werden auch den Herstellern von Mais, Mehl und Kartoffelstärke neue Märkte eröffnen. Das ist wichtig, da ihre Bedeutung in der Papierindustrie schwindet. Um den Rohstoff für kompostierbare Plastiktüten herzustellen, mischt man das Polysaccharid nach der Verarbeitung mit biologisch abbaubarem Polyester. Die Industrie wird im Jahr 12.000 Tonnen dieses Produkts verbrauchen. Das sind 0,72 Prozent der jährlichen Produktion für Nichtnahrungszwecke in Frankreich.

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