Paris-Abkommen: Forscher sehen Erreichen der Klimaziele in Gefahr

Das Paris-Abkommen kann eine Brücke zur Einhaltung der bei den Klimazielen gesteckten 2-Grad-Grenze werden.

Das Paris-Abkommen kann eine Brücke zur Einhaltung der bei den Klimazielen gesteckten 2-Grad-Grenze werden. [spatz_2011/Flickr]

Der Kampf gegen die Klimaerwärmung mithilfe der Dekarbonisierung soll zentrales Thema der Klimakonferenz in Paris sein. Doch die nationalen Länderbeiträge zu einem weltweiten Klimaabkommen reichen bislang nicht aus, um die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, warnt nun der Bericht eines internationalen Forscher-Teams.

Die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen – das ist das große Ziel der UN-Klimakonferenz, die in wenigen Wochen in Paris stattfinden wird. Bislang aber genügen die Beiträge der einzelnen Länder zu einem globalen Klimaabkommen längst nicht, zeigt nun der Bericht eines internationalen Forscherteam unter Beteiligung des Potsdams-Instituts für Klimafolgenforschung.

Die Wissenschaftler aus 16 internationalen Forschungsinstituten untersuchten dazu detailliert den Umbau des Energiesektors, der für die Umsetzung der INDC genannten Länderbeiträge (intended nationally determined contribution) notwendig wird. Das Ergebnis ist ernüchternd und motivierend zugleich: Die Transformation wird zu langsam eingeleitet. Die Beiträge der Staaten könnten jedoch ein guter Einstiegspunkt in eine kohlenstoffarme Wirtschaft werden, so die Essenz. Voraussetzung: Das Pariser Abkommen müsse einen Mechanismus zur Stärkung dieser Länderbeiträge bis spätestens 2020 umfassen.

„Die nationalen Klimaschutzbeiträge legen zwar den Grundstein für einen schnelleren weltweiten Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft, für die Einhaltung der 2-Grad-Grenze ist das jedoch noch nicht ausreichend“, sagt Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. 

Zu viele Kohlekraftwerke bleiben am Netz

Besonders im Stromsektor werden Kriegler zufolge die INDCs zwar den Übergang zu erneuerbaren und anderen emissionsarmen Formen der Stromproduktion weiter vorantreiben. Mit Blick auf die zwei-Grad-Leitplanke reichten bislang jedoch das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Entwicklung wichtiger Maßnahmen zur CO2-Einsparung nicht aus. Elektrofahrzeuge, hochentwickelte Biotreibstoffe oder nachhaltige Stadtplanung blieben unter den INDCs zurück. Zudem würden zu viele Kohlekraftwerke am Netz belassen werden.

Die Analyse fordert darum, das Pariser Abkommen müsse einen klaren Zeitplan für Emissionsreduktionen aufstellen. „Mechanismen zur Stärkung der INDCs bis 2020 wären notwendig, um ein klares Signal für den Übergang in eine kohlenstoffarme Wirtschaft an Investoren im Energiesektor und darüber hinaus zu senden“, so Kriegler.

Dennoch: Die Autoren der von der Europäischen Kommission geförderten Untersuchung loben auch ausdrücklich das bis dato Erreichte.

Bis zum 19.Oktober wurden 123 INDCs von 150 Ländern eingereicht. Insgesamt decken sie 86 Prozent der globalen Emissionen von 2012 ab. „Eine so breite Beteiligung durch Länder aller Kontinente, aller Entwicklungsstufen und aller unterschiedlichen Positionen in den Klimaverhandlungen ist an sich bereits ein bedeutender Schritt für den Klimaschutz“, sagt Teresa Ribera, Direktorin des Institute for Sustainable Development and International Relations (IDDRI).

Konkrete Ziele zur Dekarbonisierung nötig

Die EU-Umweltminister hatten sich im September auf eine gemeinsame Position für die Pariser Weltklimakonferenz verständigt – laut EU-Umweltkommissar Miguel Arias Cañete sei „eine faire Vereinbarung“ gelungen. Die Staaten hatten Bundesumweltministerin Barbara Hendricks zufolge einerseits bekräftigt, die EU-Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu verringern. Darüber hinaus wollen sie ihre Klimaziele ab 2025 alle fünf Jahre überprüfen und möglichst verbessern. Auch die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe des Jahrhunderts steht weiter auf der Agenda. Deutsches Ziel ist es, bis 2100 die CO2-Emissionen auf null herunterzufahren.

IDDRI-Forscherin Ribera gibt dazu eine Handlungsempfehlung: „Die Beurteilung der INDCs sollte sich nach ihrem Potenzial richten, die umfassende Dekarbonisierung des Energiesektors auf den Weg zu bringen.“ Künftige Politikmaßnahmen und Ziele sollten im Einklang mit dem Ziel einer kohlenstoffarmen Wirtschaft bis 2050 stehen, untermauert mit konkreten Strategien.

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