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30/08/2016

Obsolenz: Umweltamt kritisiert immer kürzere Lebensdauer von Elektrogeräten

Energie und Umwelt

Obsolenz: Umweltamt kritisiert immer kürzere Lebensdauer von Elektrogeräten

Elektroschrott häuft sich auch an, weil viele Geräte weggeworfen werden, obwohl sie noch funktionieren.

Kaputt, aus der Mode, durch ein attraktiveres Nachfolgemodell ersetzt – elektronische Geräte werden immer kürzer genutzt, bevor sie auf dem Müll landen, zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes. Doch das belastet Klima und Umwelt.

Ob Fernseher, Fön oder Handy: Die meisten elektronischen Geräte werden immer kürzer genutzt. Das zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA). “Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer. Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel”, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger am Montag in Dessau. Die Herstellung der Produkte verbrauche wertvolle Ressourcen. Schadstoffe und Treibhausgase belasteten außerdem Umwelt und Klima. Krautzberger fordert darum über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität – “eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte”.

Produkte länger nutzen

Krautzberger mahnte zudem, es sei wichtig, Produkte länger zu verwenden. Viele Geräte würden durch neue ersetzt, obwohl sie noch gut funktionierten. Dies gelte besonders bei Unterhaltungselektronik und Informationstechnik, wo Neuerungen in der Technologie den Wunsch nach einem neuen Gerät bestärken.

Der Anteil der Haushaltsgroßgeräte, die aufgrund eines Defekts innerhalb der ersten fünf Jahre ersetzt wurden, stieg laut der Studie, die vom Öko-Institut und der Universität Bonn durchgeführt wurde, von 3,5 Prozent im Jahr 2004 auf 8,3 Prozent im Jahr 2013. Dennoch zeigten sich Verbraucher bei einer Umfrage für die Studie oft zufriden mit der Lebensdauer der Produkte: Die sagten rund ein Drittel der Befragten.

Gewollt kurze Produktlebensdauer?

Nachzuweisen war bei den Tests nicht, ob sogenannte geplante Obsoleszenz vorliegt – also eine geplant kurze Haltbarkeit der Produkte durch  die Hersteller erzeugt wird. Die UNtersuchung kam aber zu dem Schluss, dass Hersteller je nach Produkt auf einer gewisse Lebsnsdauer setzen, die sich auch nach Zielgruppen, Einsatzbereichen und Produktzyklen richtet.

Krautzberger fordert darum eine Kennzeichnung etwa für die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in genutzten Stunden. Die fehlende Transparenz für Verbraucher betrachtet sie als problematisch: “Man sieht dem Produkt nicht an, für welche Lebensdauer es konzipiert wurde. Auch der Preis ist da nicht immer ein zuverlässiger Indikator.” Zudem, sagt Krautzberger, sollte die Reparatur von Geräten erleichtert werden, etwa durch ein reparaturfreundliches Design und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen auch für nicht-herstellergebundene Werkstätten.