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31/08/2016

“Nord Stream 2 wäre das Ende der europäischen LNG-Strategie”

Energie und Umwelt

“Nord Stream 2 wäre das Ende der europäischen LNG-Strategie”

Richard Morningstar, ehemaliger US-Botschafter bei der EU und in Aserbaidschan.

[Valsts kanceleja/Flickr]

Die umstrittene Gasleitung Nord Stream 2 wird die EU-weite Strategie einer Energieunion zunichte machen und ihre Förderpläne für verflüssigtes Erdgas (LNG) durchkreuzen, warnt ein ehemaliger US-Botschafter. EurActiv Brüssel berichtet.

Das von Deutschland unterstützte Nord-Stream-2-Projekt würde die EU noch stärker vom russischen Gas abhängig machen, so Richard Morningstar, Ex-Botschafter der USA bei der EU und in Aserbaidschan. “Wenn die LNG-Strategie den Bach runtergehen soll, dann nur weiter so mit Nord Stream 2”, sagte er am gestrigen Dienstag auf einer Veranstaltung in Brüssel.

Letzte Woche präsentierte die EU-Kommission ihre Pläne, die LNG-Importe der Union zu steigern. Ziel ist es, die Energiesicherheit zu erhöhen, indem man sich weniger abhängig vom russischen Gas macht. Das russische Monopol Gazprom leitet Nord Stream 2. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, so die Ukraine umgehen zu wollen – ein wichtiges Transitland für die Gaslieferungen nach Europa.

EU-Gesetzgeber müssen noch über den Vorschlag abstimmen. Man wolle jedoch alle Rechtsinstrumente nutzen, um das Projekt zu verzögern, heißt es aus EU-Kreisen. Das widerspricht der Energieunionsstrategie, der zufolge jedes Land über mindestens drei Gasversorger verfügen sollte.

Zum zehnten Jahr in Folge deckten die EU-Mitgliedsstaaten 2014 die Hälfte ihres Energiebedarfs mithilfe von Importen. Allein ein Drittel ihrer Gasimporte stammen aus Russland. Einige der neueren osteuropäischen Mitgliedsländer sind sogar komplett von Moskau abhängig.

Schlechte Idee

“Ich glaube, Nord Stream 2 ist eine wirklich schlechte Idee”, kritisiert Morningstar, inzwischen Gründungsdirektor des Global Energy Centre des Think-Tanks Atlantic Council.

Für Deutschland sei das Projekt eine rein geschäftliche Angelegenheit sei, unterstrich Vizebundeskanzler Sigmar Gabriel kürzlich. Er habe Moskau gesagt, Nord Stream 2 könne nur unter einer Bedingung voranschreiten: Russland müsse versichern, auch nach Ablauf des Transitvertrags mit der Ukraine 2019 (im Wert von zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr) weiterhin Gas durch das Land zu leiten.

Bei seiner Rede am Wilfried Martens Centre for European Studies in Brüssel strafte Morningstar diese Idee mit Verachtung. “Das ist einfach nur falsch. Basta!” Es sei schon immer unmöglich gewesen, das Geschäftliche vom Politischen zu trennen. Russland mit einer Pipeline zu belohnen, nachdem es die Krim annektiert hat, sendet das falsche politische Signal. Außerdem würde es das Ende der LNG-Strategie der EU bedeuten.

Je mehr Versorger ein Land habe, desto niedriger seine Preise für russisches Gas, so Bud Coote, der sich letztes Jahr im Mai nach jahrzehntelanger Arbeit als international führender Energieanalyst aus dem CIA-Dienst zurückzog.

Die EU untersucht bereits, ob das russische Staatsunternehmen Gazprom unfaire Preise festsetzt, die gegen die EU-Gesetzgebung verstoßen. Dies heizt die ohnehin durch die Ukrainekrise angespannten Beziehungen noch weiter an.