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25/09/2016

NGOs: Neue Luftfahrtsstandards zur Treibstoffeffizienz sind „ineffektiv“

Energie und Umwelt

NGOs: Neue Luftfahrtsstandards zur Treibstoffeffizienz sind „ineffektiv“

Der neue Airbus 320neo wird die neuen Effizienzstandards der ICAO mit Leichtigkeit erreichen.

[AIRBUS]

Umweltaktivisten halten die neuen, auf internationaler Ebene beschlossenen Maßnahmen zur Treibstoffeffizienz für „ineffektiv“ angesichts des zu erwartenden technologischen Fortschritts in der Luftfahrt. EurActiv Brüssel berichtet.

Am Montag schloss die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) der UN ein Abkommen über neue Treibstoffstandards in der Luftfahrt ab. 170 Experten aus Regierungskreisen, der Industrie und NGOs einigten sich auf Mindestwerte für die Treibstoffleistung neuer Flugzeugmodelle, die nach 2020 mit Inkrafttreten der neuen Vorschriften auf den Markt kommen werden. Die verbesserten Standards sehen vor, dass man treibstoffeffiziente Technologien in die Flugzeugentwicklung integriert. Auch für Modelle, die vor 2020 entwickelt und eingeführt werden, will man die Produktion ab 2023 schrittweise an den neuen Standard angelassen.

Die Kommission lobt den Vorstoß und bezeichnet ihn als erste weltweite Anstrengung, den CO2-Ausstoß zu senken. EU-Transportkommissarin Violeta Bulc spricht von einem „wichtigen Schritt“ zur Eindämmung der Luftfahrtemissionen.

Die NGO Transport and Environment (T&E) verweist jedoch darauf, dass die neuen Flugzeugmodelle der kommenden zehn Jahre wahrscheinlich problemlos auch noch höheren Ansprüchen der Industrie gerecht werden könnten. „Flugzeugemissionen zu senken ist entscheidend für die Nachhaltigkeit der Industrie. Leider stellt man die kommerziellen Interessen von Unternehmen wie Airbus weit über die Belange der Umwelt“, so Bill Hemmings, T&E-Luftfahrtdirektor. Darüber hinaus kritisiert er, das Ergebnis stelle den europäischen Experten und Regierungen ein schlechtes Zeugnis aus, da diese sich so leicht von Boeing und Airbus hätten beeinflussen lassen.

Trotz ihrer Differenzen sind sich Kommission und Umweltaktivisten einig, dass marktbasierte Mechanismen eine zunehmend größere Rolle dabei spielen werden, die CO2-Emissionen des Luftfahrtsektors zu senken.

Airbus und Boeing, die für 90 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sind, begrüßen indessen die neuen Standards der ICAO. Dieses „ehrgeizige“ Abkommen zeige, dass es bei der Verringerung der Luftfahrtemissionen wirklich vorangehe, heißt es in einer Stellungnahme von Boeing.

Auf der ICAO-Hauptversammlung im kommenden September werden die Regierungen wahrscheinlich ein neues marktbasiertes Instrument beschließen. Dieser neue Mechanismus könnte sich am Modell des Europäischen Emissionshandelssystems (EHS) orientieren. Doch obwohl die Vorbereitungen inzwischen bereits seit mindestens drei Jahren laufen, haben sich bisher laut Experten kaum Details ergeben. „Ich hoffe, dass das Abkommen weitere Schubkraft bringt, wenn es darum geht, globale marktbasierte Maßnahmen zu entwickeln, die den CO2-Ausstoß in der Luftfahrt reduzieren können“, so Bulc, „Das wollen wir im Sommer auf der ICAO-Hauptversammlung erreichen.“

Zeitstrahl

  • September 2016: ICAO-Hauptversammlung