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09/12/2016

NGOs: EU soll Offenlegung von klimawirksamen Investitionen vorschreiben

Energie und Umwelt

NGOs: EU soll Offenlegung von klimawirksamen Investitionen vorschreiben

Klimaschäden stellen ein zunehmendes Risiko für Anleger dar.

[NOAA Photo Library/Flickr]

Der Druck auf weltweite Gesetzgeber und die EU-Kommission steigt, die Portfolios großer, institutioneller Investoren einem Stresstest zur Klimaverträglichkeit zu unterziehen. Das könnte Milliarden an Investitionsgeldern aus dem Bereich der fossilen Energieträger wegverlagern. EurActiv Brüssel berichtet.

„Klimarisiken sollten besser in das Anlageportfolio integriert werden“, fordert Alexis Dutertre, stellvertretender Ständiger Vertreter Frankreichs bei der EU in Brüssel. Man denke derzeit über unterschiedliche Anreize nach, die Investitionen in kohlenstoffarme Technologien mobilisieren sollen, so Dutertre bei seiner Veranstaltung für die globale Naturschutzorganisation WWF am 5. April. Die 28 EU-Umweltminister diskutieren ihm zufolge gerade aktiv über Steuerverlagerungen zugunsten sauberer Energien. Vorstellbar seien auch Sanktionen gegen Investitionen in den fossilen Brennstoffsektor, während Geldanlagen in die erneuerbaren Energien im Rahmen eines „Bonussystems“ belohnt werden könnten. Zu den weiteren Ideen zählt unter anderem die Einführung von Eigenkapitalpuffern für Anleger im Bereich der fossilen Brennstoffe. Dutertre hofft, dass die Gespräche bald abgeschlossen werden.

EU-Kommission lässt Vorsicht walten

Was grüne Finanzen angeht, ist Frankreich im Rahmen der Vorbereitungen auf die Pariser Weltklimakonferenz vom vergangenen Dezember (COP21) als leuchtendes Beispiel vorangegangen. Im Juli 2015 war Frankreich das erste Land der Welt, das eine Meldepflicht für klimabezogene Anlagen institutioneller Investoren einführte. Das Gesetz ist seit Januar in Kraft und Teil des französischen Gesetzentwurfs für die „Energiewende und grünes Wachstum“. Demnach müssen Investoren angeben, wie sie die Themen Umwelt, Gesellschaft und Governance (ESG) in ihre Investitionspolitik integrieren.

Schweden unternahm ähnlich Schritte, um CO2-Meldestandards für Rentenfonds und andere institutionelle Investoren vorzuschreiben. Bisher hat das Land jedoch noch keinen Gesetzesvorschlag diesbezüglich angenommen. All diese Initiativen setzen EU-weite Gesetzgeber unter Druck, nationale Maßnahmen zu optimieren und anzupassen. Denn nur so lässt sich einer Fragmentierung des EU-Binnenmarktes entgegenwirken.

Die Kommission scheint jedoch darauf bedacht, nichts zu überstürzen. „Bisher haben wir noch keine politischen Lösungen gefunden“, gesteht Niall Bohan, Leiter des Referats Kapitalmarktunion in der EU-Kommission. „Was wir allerdings haben, ist die Bereitschaft, in eine Politik zu investieren, die uns voranbringt – vor allem bei der Offenlegungspflicht für Investoren und Aussteller“, betont er bei der Veranstaltung der Ständigen Vertretung Frankreichs in Brüssel. „Hier sehen wir das meiste Potenzial. So können institutionelle Investoren ihr Engagement in der Klimapolitik zeigen, nämlich indem sie diese Aspekte bei ihrer Bilanzaufstellung berücksichtigen“, so Bohan. Das Ganze sei eher eine Frage der Methodik. „Man hat viel herumexperimentiert und unterschiedliche Ansätze ausprobiert“, bestätigt er. „Es gibt noch viel zu tun, wenn wir die beste Metrik für ein solides Offenlegungssystem finden wollen. […] Aber das wird definitiv passieren. Weitere Meldeaspekte könnten ihm zufolge in die 2017-Überprüfung des Aktionsplans der Kapitalmarktunion aufgenommen werden.

Der WWF, viele andere NGOs und sogar Wirtschaftsexperten kritisieren das zögerliche Vorgehen der EU. Man dürfe den Übergang in eine kohlenstoffarme Wirtschaft nicht zu spät und zu plötzlich angehen. Das könne dem BIP schaden, heißt es in einem Bericht des Europäischen Ausschusess für Systemrisiken.

Wirtschaftssektoren wie die Immobilienbranche werden von solchen Klimamaßnahmen unterschiedlich stark betroffen sein, zeigt eine aktuelle Studie des globalen Beratungsunternehmens Mercer. Klimarisiken spielen für Investoren eine zunehmend wichtige Rolle, bestätigt Jane Ambachtsheer, Mercer-Mitarbeiterin und Mitglied der TCFD-Arbeitsgruppe (Task Force on Climate-related Financial Disclosures). Aus Anlegerperspektive gebe es nämlich keine Möglichkeit, dem Klimawandel zu entkommen.

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