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17/01/2017

NGO: Ozeane müssen bei COP21-Verhandlungen zentrale Rolle spielen

Energie und Umwelt

NGO: Ozeane müssen bei COP21-Verhandlungen zentrale Rolle spielen

Die Ozeane produzieren mehr Sauerstoff als die Wälder.

[Wonderlane/Flickr]

Die Ozeane spielen bei den Klimaverhandlungen bis jetzt kaum eine Rolle – trotz ihrer Wichtigkeit als Kohlenstoffspeicher. Die Ocean and Climate Platform will das jetzt ändern: Die entscheidende Rolle der Ozeane bei der Regulierung der globalen Erwärmung soll bei den 21. UN-Klimaverhandlungen in Paris eine wichtige Rolle spielen. EurActiv Frankreich berichtet.

Die Ocean and Climate Platform will die Wichtigkeit der Ozeane als „blaue Lunge“ für das Weltklima hervorheben. Die zivilgesellschaftliche Gruppe will mit einer Reihe von Vorschlägen sicherstellen, dass die Rolle der Ozeane als natürlicher Thermostat der Erde bei den 21. UN-Klimaverhandlungen im Dezember in Paris abgesichert wird.

Beim Weltozeantag am Montag kamen zivilgesellschaftliche Gruppen, NGOs und Vertreter des Wirtschaftslebens zur Unterzeichnung der Erklärung zusammen. Sie besteht aus 18 Vorschlägen, die die Ozeane ins Zentrum der COP21-Verhandlungen rücken sollen.

Fünf Ozeane machen 71 Prozent der Erdoberfläche aus. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Temperatur der Erdoberfläche. Dennoch wurden sie bei internationalen Klimaverhandlungen oft ausgenommen.

„COP 21 ist zum Scheitern verurteilt, wenn wir die Ozeane nicht in der Mitte der Debatte platzieren“, warnt Francis Vallat, der Präsident des Europäischen Netzwerks für maritime Cluster.

Die Unterzeichner der Erklärung – darunter der französische Reederverband, das Institut der Kreislaufwirtschaft und der WWF – wollen die COP21-Unterhändler von der Wichtigkeit des Themas überzeugen.

Kohlenstoffbindung

Ein Vorschlag zielt darauf ab, die Kapazitäten der Ozeane als Puffer gegen den Klimawandel zu verbessern. Das soll durch die Schaffung und den Schutz mehrere Ökosysteme geschehen, die CO2 binden und speichern.

Derzeit profitieren nur drei Prozent von besonderen Schutzmaßnahmen. Nach Angaben der Ocean and Climate Platform ist dieses Gebiet zu klein. Die zukünftige Fähigkeit der Ozeane zur CO2-Bindung könne so nicht garantiert werden.

Die globale Erwärmung habe zwei Auswirkungen auf die Ozeane, sagt Laurence Eymard, Forschungsdirektorin beim Nationalen französischen Forschungszentrum (CNRS). „Die Meeresspiegel steigen aufgrund der schmelzenden Polkappen, aber auch aufgrund der thermischen Ausdehnung der Ozeane“.

In niedrig gelegenen Küstengebieten sind die Auswirkungen dieser Phänomene deutlich spürbar. Die zunehmende Versauerung und der reduzierte Sauerstoffgehalt in den Ozeanen gefährden die Ökosysteme der Ozeane. Sie stören die Wanderungsbewegungen maritimer Arten – und beschleunigen ihr Verschwinden.

„Zwischen 1970 und 2010 hatten wir einen Rückgang von 39 Prozent der maritimen Arten und das Verschwinden von 50 Prozent der Korallen des Planeten“, so Philippe Germa, Generaldirektor des WWF in Frankreich.

Die blauen Lungen des Planeten

Das Papier betont auch die Wichtigkeit der Ozeane für die CO2-Bindung.

„Der Ozean bindet 90 Prozent der Hitze des Treibhaus-Effekts und ein Viertel unserer CO2-Emissionen“, sagt Françoise Gail, wissenschaftliche Beraterin der Ocean and Climate Platform. Sie fragt sich: „Wie lange wird diese Fähigkeit zur Regulierung noch andauern?“

Eine Reduzierung der Kapazitäten zur CO2-Bindung würde einen drastischen Anstieg des atmosphärischen CO2-Niveaus bedeuten. Das wiederum würde die Anstrengungen der Länder zur Begrenzung ihrer Emissionen zunichtemachen.

Hintergrund

Die Verhandlungen über den Klimawandel begannen 1992. Die Vereinten Nationen organisieren seither eine jährliche Klimakonferenz.

Die 20. Klimakonferenz fand vom 1. bis 12. Dezember 2014 in der peruanischen Hauptstadt Lima statt. Paris ist der Gastgeber der 21. Klimakonferenz im Dezember 2015. Die teilnehmenden Staaten müssen dabei ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll erreichen, dessen Ziel die CO2-Reduzierung von 2008 bis 2012 war.

Zeitstrahl

  • 30. November - 11. Dezember 2015: COP 21 in Paris

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