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03/12/2016

Nachhaltige Landwirtschaft: Tschechen trauen Erneuerbaren nicht über den Weg

Energie und Umwelt

Nachhaltige Landwirtschaft: Tschechen trauen Erneuerbaren nicht über den Weg

Erneuerbare Energien haben keinen besonders guten Ruf in Tschechien. Daher könnte es für das Land schwierig werden, unter dem neuen EU-Programm zur ländlichen Entwicklung auf Biogas oder andere umweltfreundliche Agrarpraktiken umzusteigen. EurActiv Tschechien berichtet.

Das neue Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum (RDP) setzt auf Ressourceneffizienz und fördert gleichzeitig den Wandel hin zu einer CO2-armen, klimaresistenten Landwirtschaft. Doch obwohl erneuerbare Energiequellen eine tragende Säule der EU-Klima- und Energiepolitik darstellen, ist die tschechische Öffentlichkeit skeptisch.

Öffentliche Skepsis gegenüber den Erneuerbaren

Dieses schlechte Image geht vor allem auf die mehr als großzügigen Subventionsmechanismen für große Solaranlagen zurück, die noch bis vor einigen Jahren galten. Obwohl es 2011 hier zu drastischen Kürzungen kam – zu drastisch für einige Solarinvestoren – machten viele vor allem die Erneuerbaren für den höheren Strompreis verantwortlich. Das sorgte wiederum dafür, dass viele Politiker lieber die Finger von den Erneuerbaren ließen.

Dementsprechend genehmigte das nationale Parlament im Jahr 2013 einen Gesetzentwurf, der sämtlichen Anlagen zur grünen Stromerzeugung ab 2014 die operative Unterstützung entzog. Noch im selben Jahr leitete das Landwirtschaftsministerium eine Überarbeitung des Gesetzes ein. Das Ergebnis: Biogasanlagen können weiterhin operative Fördermittel erhalten, da man so Landwirte unterstütze und die ländliche Entwicklung stärke.

Schwerpunkt: Biogasanlagen

Biogasanlagen werden häufig an bestehende Landwirtschaftsbetriebe angebaut, da sie Pfanzenreste oder tierische Abfälle zur Energieerzeugung benötigen.

Tschechien ging zu Recht davon aus, dass auch neue Biogasanlagen für den Zeitraum von 2014 bis 2020 EU-Gelder aus dem RDP erhalten würden. Anders als bei der operativen Unterstützung erwartete man von den EU-Fördermitteln, dass sie mehr Investitionen in solche Anlagen mobilisieren.

„Es gibt noch unglaublich viel ungenutzte Biomasse aus der Land- und Forstwirtschaft“, erklärt Hynek Jordan, Sprecher des tschechischen Landwirtschaftsministeriums, im Gespräch mit EurActiv. „Für uns ist es eine große Herausforderung, im RDP-Zeitraum das Potenzial der Erneuerbaren und vor allem der Biomasse auszuschöpfen.“ Der Übergang zu einer CO2-armen Landwirtschaft wird wahrscheinlich nur langsam vonstatten gehen.

Von den insgesamt 3,1 Milliarden Euro an RDP-Mitteln seien 3,8 Prozent zur Förderung der Biomasse gedacht, betont Jakub Heidelberk, Projektberater von Cyrrus Advisory. Obwohl man bereits Anfang Februar eine Ausschreibung für die Erzeugung fester Biomasse startete, gab es bisher noch keine zur Unterstützung von Biogasanlagen. Laut Heidelberk könne eine solche Ausschreibung im Mai bekannt gegeben werden. Er sei jedoch skeptisch, was das tatsächliche Interesse der Landwirte und anderer Projektträger angehe. „Im Moment scheinen sich noch nicht viele Träger für Investitionen in erneuerbare Energien zu interessieren. Auch die Kunden hegen kein großes Interesse. Es gab nicht einmal vorläufige Fragen“, unterstreicht er.

Aus der Biomasseindustrie heißt es, potenzielle Träger könnten aktuell noch auf das Urteil der EU-Kommission warten, die derzeit überprüft, ob das tschechische Fördersystem der EU-Gesetzgebung entspricht. Außerdem haben die Träger ein genaues Auge darauf, wie sich der wirtschaftliche Rahmen für zukünftige Biogasanlagen entwickelt und ob sie sowohl Investitionen als auch operative Fördermittel werden erhalten können.

Pellets und Briketts

Bisher war die Strom- und Wärmeerzeugung durch Biogas in Tschechien eher begrenzt. Vor drei Jahren hätten sich Einwohner über Biogastechnologie vor ihrer Haustür beschwert und den Bau einer Anlage blockiert, erfährt EurActiv von Pavel Veselský, dem Direktor von CETA, einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb, der mit verschiedenen grünen Technologien arbeitet. Auch wenn sich die Einstellung der Anwohner in der Regel mit der Zeit ändert, kommt es doch häufiger zu Fällen, in denen sich Menschen aufgrund einer womöglichen Geruchsbelästigung und vermehrten Verkehrs gegen solche Vorhaben stellen.

Bei der Nutzung von Biomasse geht es jedoch nicht nur um Biogaserzeugung. Das RDP zielt auch darauf ab, Investitionen in Anlagen zu fördern, die feste Biomasse in Form von Pellets oder Briketts herstellen. In den vorigen Programmzeitfenstern konnte in diesem Bereich bereits einige Erfahrung gesammelt werden. Lukáš Verner zum Beispiel, Vorsitzender des zentralböhmischen Unternehmens Ekover, erhielt von 2007 bis 2013 RDP-Fordermittel der EU für die Produktion fester Biomasse. Er ist überzeugt, dass das RDP seinem Unternehmen Wachstum gebracht habe. „Unsere Erträge aus der Produktion und dem Verkauf von Biomassepellets machen etwa 40 Prozent unserer gesamten Einnahmen aus“, erklärt er im Gespräch mit EurActiv. „So können wir in unserem Unternehmen Umweltbewusstsein und wirtschaftliche Rentabilität verbinden.“ Außerdem habe er so neben den Gewinnen auch sein Partner- und Kundennetzwerk erweitern können.