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28/09/2016

Kreislaufwirtschaft: Europäische Unternehmen übernehmen Verantwortung

Energie und Umwelt

Kreislaufwirtschaft: Europäische Unternehmen übernehmen Verantwortung

Ein Großteil der europäischen Unternehmen versucht, weniger Abfälle zu produzieren beziehungsweise weniger Ressourcen zu verbrauchen.

Mehr als 70 Prozent der Unternehmen in der EU verfügen laut einer aktuellen Studie über eine Recycling-Strategie. EurActiv-Kooperationspartner Le Journal de l’Environnement berichtet.

Das Meinungsforschungsinstitut TNS führte vom 18. bis 27. April 2016 eine Umfrage zum Thema Kreislaufwirtschaft unter 10.618 Unternehmen aus den 28 EU-Mitgliedsstaaten durch. Das Ergebnis: Je größer das Unternehmen und sein Umsatz, desto wahrscheinlicher ist es, dass es die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft anwendet. Während 72 Prozent der Kleinunternehmen eine Recycling-Strategie verfolgen, ist dies bei ganzen 89 Prozent der großen Firmen (50 bis 250 Mitarbeiter) der Fall. Bei den Umsätzen ist es ähnlich: 69 Prozent der Unternehmen mit niedrigem Umsatz gegen 80 Prozent bei den umsatzstärkeren. In Frankreich zum Beispiel sind 74 Prozent der Unternehmen in der Kreislaufwirtschaft aktiv. Damit liegt das Land genau im EU-weiten Durchschnitt. Den höchsten Prozentsatz verzeichnen Malta, Irland und Luxemburg.

Vor- und Nachteile einer betrieblichen Kreislaufstrategie

Etwa die Hälfte der europäischen Unternehmen versuchte in den letzten drei Jahren, Abfälle zu reduzieren, diese wiederzuverwerten oder zu verkaufen.  Ein etwas kleinerer Anteil von 38 Prozent setzte sich dafür ein, den eigenen Energieverbrauch zu senken. 34 Prozent stellten sicher, dass ihre Produkte oder Dienstleistungen weniger Ressourcen verbrauchen beziehungsweise vermehrt auf recyclebare Materialien zurückgreifen. Nur 19 Prozent senkten ihren Wasserverbrauch oder setzten auf die Nutzung von Abwässern. Auch die erneuerbaren Energien schneiden mit 16 Prozent eher schwach ab.

Insgesamt investierten 59 Prozent einen Teil ihres Umsatzes in solch umweltschonende Vorhaben. Sechs von zehn Unternehmen stießen dabei jedoch auf gewisse Schwierigkeiten. 34 Prozent mussten bürokratische oder juristische Hürden auf sich nehmen. 32 Prozent klagen über hohe Kosten bei der Einhaltung von Normen und 27 Prozent über Finanzierungsprobleme.

Den EU-Mitgliedsstaaten zufolge gibt es viele verschiedene staatliche Anreize, in die Kreislaufwirtschaft zu investieren. Nur 35 Prozent der Unternehmen geben jedoch an, von ihnen gewusst zu haben. Drei Prozent haben von ihnen profitiert. Lediglich etwa ein Fünftel ist der Ansicht, dass das Informationsangebot der Regierungen ausreicht. Allerdings gestehen auch zwei Drittel, nie nach den entsprechenden Fördermöglichkeiten gesucht zu haben.

Gibt es für die Unternehmen Finanzierungsalternativen? 58 Prozent gehen davon aus, dass es zumindest eine in ihrem Land gibt – zum Beispiel Risikokapital. Ein drittel der Unternehmen hat nach eigenen Angaben Zugang zu einer alternativen Finanzierungsquelle, wie zu einer „grünen Bank“ (in Belgien, Italien, Finnland, Luxemburg und den Niederlanden) oder dem Kapitalmarkt (in Österreich, Finnland und Deutschland).

Ein neues Paket für die Kreislaufwirtschaft

Das EU-Parlament veröffentlichte am 31. Mai einen Bericht, in dem es seine Überarbeitungsvorschläge zur Abfall-Richtlinie vorstellt. Die Vorhaben sind Teil eines neuen Gesetzespakets für die Kreislaufwirtschaft, das die Kommission am 2. Dezember 2015 vorgelegt hatte. Die Pläne des Parlaments, vorbereitet von der italienischen Abgeordneten Simona Bonafé (Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten), scheinen insgesamt ambitionierter als die der Kommission.

So sieht das Parlament beispielsweise eine zehnprozentige Senkung der kommunalen Abfälle zwischen 2014 und 2020 vor, während der Kommissionsvorschlag gar keine Zahl festlegte. Die Handels- und Dienstleistungssektoren sollten den Abgeordneten nach bis spätestens 2018 eigene Zielwerte definieren. Darüber hinaus will das Parlament bis 2030 die Lebensmittelverschwendung sowie die Erzeugung von Meeres-Abfallprodukten halbieren. Die Ökodesign-Richtlinie soll sich laut den EU-Abgeordneten auf sämtliche Baumaterialien, Textilien und Einrichtungsgegenstände beziehen. Bis 2030 sollen 70 Prozent aller Haushaltsabfälle und 80 Prozent des Verpackungsmülls recycelt werden. Zum Vergleich: Die Juncker-Kommission schlägt 65 beziehungsweise 75 Prozent vor. Der Parlamentsbericht wird am 15. Juni im Umweltausschuss diskutiert werden.