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24/01/2017

Kreislaufwirtschaft: EU stellt ehrgeizige Ziele zur Abfallvermeidung vor

Energie und Umwelt

Kreislaufwirtschaft: EU stellt ehrgeizige Ziele zur Abfallvermeidung vor

Kreislaufwirtschaft geht weit über Mülltrennung, Verpackungen aus recyceltem Plastik oder Mehrwegflaschen hinaus.

[Martin Abegglen/Flickr]

Massenweises Wegwerfen soll nach dem Willen der EU bald der Vergangenheit angehören. Sie plant dazu nicht nur eine ehrgeizige Recyclingsquote für Verpackungen. Auch die Lebensdauer elektronischer Geräte wie Handys soll verlängert und so ein „grundlegenden Wandel“ in der Wirtschaft bewirkt werden.

Das massenweise Wegwerfen und Entsorgen von Abfall auf Müllkippen soll in Europa bald der Vergangenheit angehören: Die EU-Kommission stellte am Mittwoch in Brüssel ihre Vorschläge für die sogenannte Kreislaufwirtschaft vor. Deren Ziel ist, „eine maximale Wertschöpfung und Nutzung aller Rohstoffe, Produkte und Abfälle zu erreichen, Energieeinsparungen zu fördern und die Treibhausgasemissionen zu reduzieren“, wie die Behörde erklärte.

Der derzeitige „Wegwerfansatz“ bringe die Wirtschaft und die ganze Erde in Gefahr, begründete die Behörde ihren Vorstoß. Die Kreislaufwirtschaft solle daher nicht bloß das Recycling von Abfällen erhöhen. Vielmehr gehe es darum, den gesamten Lebenszyklus eines Produkts zu optimieren und so einen „grundlegenden Wandel“ in der Wirtschaft zu bewirken.

Zu diesem Zweck will die EU zum Beispiel einen klügeren Aufbau elektronischer Geräte wie Handys erreichen. Als ersten Schritt schlägt sie Regeln vor, nach denen elektronische Displays leichter zerlegt und wiederverwendet oder recycelt werden können. Ganz allgemein will die Kommission dazu beitragen, dass Unternehmen bei der Ressourcennutzung stärker voneinander lernen, indem sie Dokumente über sogenannte best practice (beste Praxis) in der Industrie verbreiten hilft.

Für die Abfallbewirtschaftung schlägt die EU-Kommission mehrere bezifferbare Ziele vor. Demnach müsste zum Beispiel die EU insgesamt bis 2030 beim Verpackungsmüll eine Recyclingquote von 75 Prozent erreichen. Die Pläne der Kommission, unterfüttert nach ihren Angaben von über sechs Milliarden Euro, umfassen verschiedenste Initiativen, darunter vier Gesetzesvorschläge für europäische Richtlinien zu Abfällen generell, zu Verpackungsabfällen, zu Elektronikabfällen und zu Deponien. Die Vorschläge werden nun im EU-Ministerrat und im Europäischen Parlament debattiert. Aus der Volksvertretung wurde am Mittwoch bereits Zustimmung wie auch Kritik laut.

Die CDU-Abgeordneten Peter Liese und Karl-Heinz Florenz hießen den Ansatz der Kreislaufwirtschaft gut. Sie kritisierten zugleich, dass ein früherer Entwurf der EU-Kommission für den Abfall ehrgeiziger gewesen sei. Ähnlich kritisch äußerte sich der Grüne Reinhard Bütikofer. „Die von der EU-Kommission vorgelegten Vorschläge zur Kreislaufwirtschaft enttäuschen mehrfach“, erklärte er.

Der sozialdemokratische EU-Abgeordnete Jo Leinen lobte ebenfalls den Vorstoß: „Die Transformation hin zu mehr Ressourceneffizienz in Europa ist ein Wachstumsprojekt für das 21. Jahrhundert“, sagte er. Die Wirtschaft spare Geld durch einen geringeren Einsatz primärer Rohstoffe, die Umwelt wird deutlich geschont und neue Arbeitsplätze können geschaffen werden. Laut Schätzungen der EU-Kommission könnten zwei Millionen Stellen entstehen – europäische Unternehmen können demnach bis zu 465 Milliarden jährlich an Materialkosten einsparen.

„Europa kann durch solche Maßnahmen und die damit einhergehenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Vorteile profitieren“, sagte Matthias Groote, SPD-Europaabgeordneter und umweltpolitischen Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion. „So werden Jobs geschaffen, Unternehmen entlastet, der globale Wettbewerb gestärkt und gleichzeitig nachhaltiges Wirtschaften und Innovation ermöglicht.“

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrüßte das Paket: „Durch die Initiative lassen sich die Rohstoffpotenziale im europäischen Binnenmarkt zugunsten von Verbrauchern und Wirtschaft besser nutzen“, urteilte der BDI in Berlin.