US-Ausstieg aus Klimaabkommen: Die Kohleindustrie feiert alleine

Nach Angaben von Euracoal arbeiteten im Jahr 2015 fast 8000 Menschen in der tschechischen Kohleindustrie. [cbpix/Shutterstock]

Die Entscheidung von Donald Trump, die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen zu lassen, wurde von praktisch der gesamten amerikanischen Geschäftswelt verurteilt. Nur die Kohleindustrie feiert den Ausstieg. Ein Bericht von EURACTIV-Partner Journal de l’Environnement.

Amerikanische Wirtschaftsführer hielten mit ihrer Meinung zu Trumps Entscheidung nicht lange hinter dem Busch: Elon Musk, Chef des Elektroautoherstellers Tesla, trat sofort von seiner Position im Beratungsausschuss des Präsidenten zurück; ebenso Disney-Präsident Bob Iger.

Das Information Technology Industry Centre (ITI), eine Organisation, die mächtige Firmen wie Yahoo, Ebay und Apple repräsentiert, nannte den Austritt einen „Rückschlag für den amerikanischen Führungsanspruch in der Welt.“

Überraschenderweise äußerten sich auch einige der emissionsintensivsten Unternehmen negativ. Autohersteller General Motors teilte über die Zeitung American Free Press mit, die Firma würde „Klimabewusstsein und Einsatz für das Klima öffentlich verteidigen.“

Die Industrie „muss jetzt die Führung übernehmen”

Jeff Immelt, CEO von General Electric, twitterte, er sei „enttäuscht“ über Trumps Entscheidung. Er forderte, die Industrie müsse beim Thema Klimaschutz „jetzt die Führung übernehmen“ und dürfe „sich nicht mehr auf die Regierung verlasen“.

Sogar der Ölgigant ExxonMobil hatte letztes Jahr – sei es aus Sorge um den Planeten oder um das eigene Image – das Abkommen von Paris als „wichtigen Schritt nach vorne“ gelobt. Mit ihm würden die „Regierungen der Welt der großen Gefahr des Klimawandels entgegentreten“.

Gute Neuigkeiten für die Kohleindustrie

Der einzige Wirtschaftssektor, der sich öffentlich über den Ausstieg freut, ist die Kohleindustrie. Das in Ohio ansässige Bergbauunternehmen Murray Energy teilte in einem Statement mit: „Indem er sein Wahlversprechen wahr gemacht hat, vertritt Präsident Trump Amerikas Werte, er rettet Arbeitsplätze in der Kohleindustrie und unterstützt preiswerte und verlässliche Stromversorung für Amerikaner und den Rest der Welt.“

Auch der Präsident der Kohle-Lobbyorganisation American Coalition for Clean Coal Electricity, Paul Bailey, ist sich sicher: „Das Einhalten der Ziele von Präsident Obama hätte zu mehr Regulierung, höheren Strompreisen und einer Abhängigkeit von weniger zuverlässlichen Energiequellen geführt.“

Neue Kohle- oder Gasinvestitionen "ergeben keinen Sinn"

Kurzfristig ist Gas sehr nützlich. Langfristig jedoch wird es keine große Rolle mehr spielen, betont Henning Wuester von der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA), im Interview mit EURACTIV Slowakei.