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25/09/2016

Klimasmarte Landwirtschaft – mehr als Greenwashing?

Energie und Umwelt

Klimasmarte Landwirtschaft – mehr als Greenwashing?

Entwicklungs-, Umwelt- und Agrarverbände haben in den letzten Wochen ein Positionspapier zur klimasmarten Landwirtschaft erarbeitet. Foto: dpa

Vor dem 2. Forum der „Globalen Allianz für klimasmarte Landwirtschaft“ (GACSA) üben zahlreiche Verbände scharfe Kritik an der klimasmarten Landwirtschaft. Der Vorwurf: Sie ermöglicht die Grünwäsche des Agrobusiness und behindert ökologische Lösungen der Landwirtschaft gegen den Klimawandel.

Kaum ein Bereich wird durch den Klimawandel vor so große Herausforderungen gestellt wie die Landwirtschaft. Wasserversorgung, Bodennutzung und Ernährungssicherheit sind immer mehr in Gefahr, und das besonders in ohnehin bereits von Hunger betroffenen Gebieten wie Subsahara-Afrika und Südasien. Entwaldung, der Rückgang der biologischen Vielfalt, der Einsatz hochgiftiger Chemikalien, Bodenerosion und der Rückgang des Grundwasservorkommens tragen dazu bei, dies weiter zu beschleunigen.

Vor dem 2. Forum der „Globalen Allianz für klimasmarte Landwirtschaft“ (GACSA), das am 14.-17.6. in Italien stattfindet, üben darum zahlreiche Entwicklungs-, Umwelt- und Agrarverbände Kritik an der klimasmarten Landwirtschaft.

Die Klimakrise mache eine globale Agrarwende hin zu einer ökologisch nachhaltigen, klimafreundlichen bäuerlichen Landwirtschaft noch dringlicher. Dazu könnten nur integrierte Ansätze, wie „nachhaltige Landwirtschaft/Agrarökologie“ (CSA) und „Ernährungssouveränität“ beitragen. Die Rhetorik über klimasmarte Landwirtschaft sei hierfür gefährlich, kritisieren sie. CSA drohe unter dem Vorwand des Klimaschutzes, die bestehenden Machtungleichgewichte im Welternährungssystem sowie die industrielle und globalisierte Agrarproduktion zu zementieren.

„CSA öffnet Tür und Tor für mächtige Agrar- und Lebensmittelkonzerne, ihre schädlichen Praktiken als Teil der Lösung zu deklarieren“, warnen die NGOs, darunter OXFAM, BUND und Brot für die Welt in einem Positionspapier zu klimasmarten Landwirtschaft. Alles könne von den Mitgliedern der globalen Allianz als „climate-smart“ bezeichnet werden, der massive Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden genauso wie die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen in der Landwirtschaft.

Kleinbauern und indigene Gruppen in Entwicklungsländern, die für ihren Lebensunterhalt von der Landwirtschaft abhängig sind, sind am stärksten vom Klimawandel betroffen. Extreme Wetterlagen, Schädlingsbefall, Dürren bedrohen lokale Farmgemeinschaften. Doch die Mitglieder der GACSA, so die Kritik der NGOs, seien hauptsächlich Industrieländer und multinationale Konzerne beziehungsweise deren Interessenverbände. „Mit dieser Konstellation reproduziert die Allianz die Machtungleichgewichte im globalen Ernährungssystem“, heißt es in dem Papier.

‚Climate-Smart‘ ist beliebig

Die Verbände monieren auch, es sei nicht näher definiert, welche landwirtschaftlichen Praktiken sich als klimasmart qualifizieren und welche nicht. Großflächige industrielle Monokulturen unter Einsatz von Gentechnik und Agrarchemie genauso wie lokal angepasste agrarökologische Ansätze könnten dieses Prädikat für sich reklamieren. Umwelt- und sozialschädliche Praktiken der industriellen Landwirtschaft könnten somit weiter vorangetrieben werden. Ein Rechenschaftslegungssystem oder konkrete Ziele, anhand derer die globale Allianz oder einzelne Mitglieder ihre Beiträge zur Anpassung an den Klimawandel und zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen belegen müssen, fehlten.

Zwei Jahre, nachdem sie auf dem UN-Klimagipfel in New York ins Leben gerufen wurde, steht die Globale Allianz für klimasmarte Landwirtschaft damit weiterhin im Zentrum einer wachsenden internationalen Debatte. Die GACSA besteht aus 21 nationalen Regierungen, Interessenvertretern des Agrobusiness – vor allem der Düngemittelindustrie – und einigen zivilgesellschaftlichen Gruppen. Angesiedelt ist sie bei der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO).