EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

09/12/2016

Klimaschutz: Deutschland und Großbritannien hinken EU-Verkehrsemissionszielen hinterher

Energie und Umwelt

Klimaschutz: Deutschland und Großbritannien hinken EU-Verkehrsemissionszielen hinterher

Die Verkehrsemissionen sinken seit 2007.

[tommy japan/Flickr]

Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur gehören deutsche und britische Lieferwagen zu den größten Umweltverschmutzern unter den EU-Fahrzeugen. Insgesamt sind diese jedoch zunehmend umweltfreundlicher und kraftstoffsparender. EurActiv Brüssel berichtet.

Im vergangenen Jahr gab es in der EU einen 18-prozentigen Anstieg bei den Anmeldungen von Lieferwagen. 1,4 Millionen neue Fahrzeuge kamen so auf die Straße. Sie sind durchschnittlich 2,4 Prozent kraftstoffsparender als die Fahrzeuge, die 2013 verkauft wurden und stoßen vier Gramm CO2 weniger pro Kilometer aus.

Der Durchschnitts-Lieferwagen, der 2014 registriert wurde, kommt auf 169,2 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Damit liegen sie sechs Gramm unter dem EU-Ziel für 2017.

Aber Deutschland (190,4 Gramm CO2/km) und das Vereinigte Königreich (181 Gramm CO2/km) bevorzugen Modelle, deren CO2-Emissionen den EU-Durchschnitt und die Ziele für 2017 bei Weitem überschreiten. In beiden Ländern wurden im vergangenen Jahr 36 Prozent aller neuen Lieferwagen in der EU verkauft.

Insgesamt ist die Emissionsleistung neuer Fahrzeuge besser in den alten EU-Mitgliedsstaaten – mit einigen beachtenswerten Ausnahmen. Die in Portugal (145,1 Gramm CO2/km), Malta (145,7 Gramm CO2/km) und Bulgarien (148,6 Gramm CO2/km) verkauften Modelle weisen durchschnittlich die niedrigsten CO2-Emissionen auf. In der Slowakei (193,3 Gramm CO2/km) und der Tschechischen Republik (191,1 Gramm CO2/km) verkaufte Modelle stoßen durchschnittlich das meiste CO2 pro Kilometer aus.

Der Verkehrssektor ist für beinahe ein Viertel der Treibhausgasemissionen in Europa verantwortlich. Damit ist er nach dem Energiesektor der kohlenstoffintensivste Bereich. Mehr als 70 Prozent der Treibhausgasemissionen des Sektors sind auf den Straßentransport zurückzuführen.

Seit 1990 sind die Emissionen in allen Sektoren bis auf den Verkehrsbereich gesunken. Dort stiegen sie bis 2007 an. Verbesserungen bei kraftstoffsparenden Fahrzeugen haben dabei geholfen, den Trend umzukehren. Doch es bedarf drastischer Maßnahmen, um das Ziel für 2050 zu erreichen – einen Rückgang der Emissionen um 60 Prozent im Vergleich zu den Werten von 1990. Das würde einen 67-prozentigen Rückgang der Emissionen im Vergleich zu 2012 erfordern.

Europa könnte bis 2100 kohlenstoffneutral werden, wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, schlussfolgerte die Weltbank in einem neuen Bericht. Darunter würden die Umsetzung einer groß angelegten Elektrifizierung im Verkehrssektor und die Dekarbonisierung der Stromgewinnung fallen.

Fast alle neuen, 2014 verkauften Lieferwagen (97 Prozent) sind Diesel. Nur 0,5 Prozent werden elektrisch betrieben.

Hintergrund

Der Verkehrssektor ist in der EU nach dem Energiesektor der Bereich mit den zweihöchsten Treibhausgasemissionen.

Alleine der Straßentransport ist für rund ein Fünftel der CO2-Emissionen in der EU verantwortlich.

Die Verkehrsemissionen erreichten 2007 ihren Höchststand. 2011 setzte die EU das Ziel, die CO2-Emissionen im Verkehrssektor im Vergleich zu den Werten von 1990 um 60 Prozent zu senken.

Weitere Informationen

Europäische Umweltagentur

Kommission