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28/08/2016

Klimakonferenz in Paris: CO2-Einsparungspläne verfehlen Zwei-Grad-Ziel

Energie und Umwelt

Klimakonferenz in Paris: CO2-Einsparungspläne verfehlen Zwei-Grad-Ziel

Ein Kohlekraftwerk in Polen.

[Petr Štefek/Wikipedia]

Die derzeitigen nationalen Pläne für die Reduzierung der CO2-Emissionen gehen nicht weit genug: Es müssen weitere zehn Gigatonnen CO2-Emissionen eingespart werden. Nur so kann die Weltgemeinschaft die Klimaerwärmung auf zwei Grad begrenzen. EurActiv Frankreich berichtet.

Am heutigen Montag beginnen in Bonn die internationalen Klimaverhandlungen – in rund drei Monaten startet die 21. UN-Klimakonferenz in Paris (COP 21). Eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf zwei Grad bis 2050 ist dabei das erklärte Ziel. Doch davon ist die Weltgemeinschaft weit entfernt.

Zehn Gigatonnen zu viel CO2 bis 2030

Bis jetzt haben nur 56 Länder ihre nationalen Beiträge für die Klimaschutzbemühungen der UN eingereicht. Sie machen 60 Prozent der CO2-Emissionen aus.

“Die Modelle zeigen, dass die derzeitigen Verpflichtungen keinen Temperaturanstieg von unter zwei Grad ermöglichen”, sagt Laurence Tubiana, Frankreichs Chefunterhändlerin für COP 21. “Aber wir können Sofortmaßnahmen einleiten, um die Lücke von zehn Gigatonnen Kohlenstoff zu verringern.” Damit bezieht sie sich auf die Beiträge von Privatunternehmen und lokalen Gemeinschaften, die beim Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) eingehen.

Die UN-Agentur für Klimawandel bietet eine Plattform für die Entgegennahme und die Bearbeitung von Klimaschutzversprechen dieser Akteure. Mehrere Tausend Städte in Europa haben sich Unternehmen angeschlossen und Beiträge eingereicht.

“Es gibt einen wahren Schwung in der Zivilgesellschaft und die Erwartungen schnellen empor. Wenn die Politiker sie nicht erfüllen können, wäre das eine große Enttäuschung”, warnt die französische Chefunterhändlerin.

Doch bis jetzt dürfen die Zauderer in Sachen Klimaschutz nicht genannt werden. “Diplomatie ist bei diesen Verhandlungen entscheidender als bei jeder anderen Vereinbarung”, erklärt der französische Außenminister Laurent Fabius.

“Mehrere Unterhändler wichtiger Länder haben mir gesagt, dass sie ambitioniert sein wollen, solange das System nicht strafend ist”, so Tubiana.

Die EU-Kommission ist wegen des Widerwillens Australiens, Japans und Indiens mangelndem Ehrgeiz frustriert. Die EU selbst versucht mit gutem Beispiel voranzugehen.

100 Milliarden US-Dollar ausgraben

Die letzte Verhandlungsrunde in Bonn wird sich auf zwei hochpolitische Themen konzentrieren: Zum einen sind das die Mittel für die Bekämpfung der globalen Erwärmung. Zum anderen geht es darum, wie man Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel helfen wird, vor allem den weniger fortgeschrittenen Ländern.

Dabei geht es natürlich darum, wie die notwendigen Ressourcen gefunden werden sollen. Ohne eine Vereinbarung zu diesen Themen in Paris werde es überhaupt kein Klimaabkommen geben, so der französische Präsident François Hollande.

“Die Mobilisierung von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr bis 2020 ist ein Muss. Ohne die 100 Milliarden US-Dollar wird es in Paris kein Abkommen geben”, sagte Hollande.

Schon bei der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 kam die Idee eines Fonds in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar auf. Der Fonds sollte Mittel in den globalen Süden transferieren – und kam nie zustande.

“Das Problem mit den 100 Milliarden US-Dollar ist, dass ihre Herkunft nie definiert wurde”, so Tubiana. Die Frage der Mittelbeschaffung wird nach ihren Angaben bei den Verhandlungen in dieser Woche erneut aufkommen.

Im Oktober werden die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Nichtregierungsorganisation Climate Policy Initiative eine Bewertung der momentanen Klimaschutzverpflichtungen veröffentlichen. Sie hoffen darauf, damit die internationalen Verhandlungen vor COP 21 im Dezember in die richtige Spur zu lenken. “Theoretisch sollten wir nicht zu weit vom Ziel 100 Milliarden US-Dollar bis 2020 entfernt sein”, so Tubiana.

Die Beiträge von Staaten laufen größtenteils über den Grünen Klimafonds. Zusätzlich zu diesen Mitteln könnten unter bestimmten Bedingungen auch Investitionsprojekte anderer Fonds und privater Unternehmen berücksichtigt werden, um das Ziel zu erreichen.

Das zweite Problem ist die Anpassung an den Klimawandel und der Umgang mit den wirtschaftlichen Auswirkungen. Es sorgt ebenfalls für Spannungen. Die Unterhändler werden das Thema in Bonn diskutieren. Der derzeitige Verhandlungstext ist immer noch viel zu lang. Rund 50 Umweltminister trafen sich im Juli in Paris, um sich auf gemeinsame Prinzipien zu einigen und dem Abhilfe zu schaffen: Ein Aide-Mémoire soll zur Billigung aller Parteien bei der Klimakonferenz in Paris vorgelegt werden.

Staatschefs nicht willkommen?

Die Organisatoren der Pariser Klimakonferenz haben ihre Lehren aus der Kopenhagener Konferenz gezogen. Die Anwesenheit vieler wichtiger politischer Persönlichkeiten stürzte die Konferenz ins Chaos. Frankreich entschied deshalb, die Staatschefs zur Eröffnung der Konferenz am 29. November einzuladen, aber nicht zu den anschließenden Verhandlungen. Die Konferenz läuft bis zum 11. Dezember.

Hintergrund

Die Verhandlungen über den Klimawandel begannen 1992. Die Vereinten Nationen organisieren seither eine jährliche Klimakonferenz.

Die 20. Klimakonferenz fand vom 1. bis 12. Dezember 2014 in der peruanischen Hauptstadt Lima statt. Paris ist der Gastgeber der 21. Klimakonferenz im Dezember 2015. Die teilnehmenden Staaten müssen dabei ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll erreichen, dessen Ziel die CO2-Reduzierung von 2008 bis 2012 war.

Zeitstrahl

  • 25.-27. September 2015: Entwicklungsgipfel in New York
  • 1. November: UN-Zusammenfassung aller Verpflichtungen
  • 30. November - 11. Dezember 2015: COP 21 in Paris

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