EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

19/01/2017

Klimaerwärmung: Im Schwitzkasten

Energie und Umwelt

Klimaerwärmung: Im Schwitzkasten

In der Arktis hält der langfristige Rückzug des Meereises an.

Foto: dpa

Das Jahr 2016 bricht aller Wahrscheinlichkeit nach erneut weltweite Temperaturrekorde. Klimaforscher sind besonders über den Zustand der arktischen Eisfläche besorgt.

Und wieder ein Rekord – der jedoch absolut kein Grund zu feiern ist -, wenn es um die weltweit steigenden Temperaturen geht. Nachdem schon das Vorjahr 2015 das wärmste Jahr seit den Messungen war, erreichte die globale Mitteltemperatur im Jahr 2016 erneut Rekordwerte. Das zeigen Zahlen der amerikanischen Wetterbehörde NOAA. Um fast ein Grad Celsius, genauer 0,94 °C, lag demnach im Zeitraum Januar bis November die Temperaturabweichung über dem entsprechenden Mittelwert der ersten elf Kalendermonate für das 20. Jahrhundert.

Auch die Weltwetterorganisation WMO geht davon aus, dass 2016 das heißeste bisher registrierte Jahr wird. Nach vorläufigen Daten werde es 1,2 Grad wärmer als die vorindustriellen Jahre.

Obwohl das Jahr noch rund eine Woche andauert, gehen die NOAA-Forscher bereits jetzt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass 2016 das weltweit wärmste Jahr seit 1880 werden wird – zum dritten Mal in Folge. Denn schon 2014 und 2015 ließen sich als Rekordjahre verzeichnen. Diese drei Jahre werden damit die global wärmsten bisher gemessenen Jahre sein. Im Zeitraum von Mai 2015 bis August 2016 war jeder einzelne Monat der jeweils wärmste Kalendermonat seit Beginn der systematischen, flächendeckenden Messungen 1880.

COP22: Versteckspiel hinter dem Klimaplan 2050

Zahlreiche unternehmen und 22 Staaten haben auf der COP22 in Marrakesch ihren Klimaplan für 2050 vorgestellt. Kurzfristig jedoch scheint es an Ambitionen zu mangeln. EurActiv Frankreich berichtet.

EurActiv.de

Die Daten zeigen, wie dringlich ernsthafte Maßnahmen zum globalen Klimaschutzes sind, warnt das Deutsche Klima-Konsortium in Reaktion auf die NOAA-Ergebnisse. Nur Maßnahmen für eine deutliche und anhaltenden Reduzierung des Anstiegs der Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre könnten diesen Trend stoppen oder zumindest verlangsamen, so die Experten.

Klimagipfel in Marrakesch

Den ersten Schritt in diese Richtung hatte die Weltklimakonferenz im November 2016 in Marrakesch (COP 22) getan, auf der die Staaten die Umsetzung des Übereinkommens von Paris berieten. Marrakesch wurde zur ersten Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens von Paris.

Wichtig sei jedoch, dass diese Maßnahmen auf den nächsten Konferenzen weiter konkretisiert werden und zu noch ambitionierteren nationalen Zielen führen – denn das bisher versprochene Maßnahmenbündel wird die Ziele des Pariser Übereinkommens nicht erreichen, so das Deutsche Klima-Konsortium. So stieg der CO2-Gehalt der Atmosphäre auch 2016 auf einen neuen Rekordwert.

Klimawandel in Peru: Die Klage Davids gegen Goliath

Es war ein in Europa bislang einmaliges Verfahren – und könnte noch weitergehen. Ein peruanischer Landwirt hatte gegen den Energieriesen RWE geklagt, dem er Mitverantwortung für den Klimawandels in seiner Heimat gibt.

EurActiv.de

Die Arktis taut ab

Das dürfte sich auch auf die Verhältnisse in der Arktis ausgewirkt haben, schreiben die besorgten Wissenschaftler. Dort halte der langfristige Rückzug des Meereises an. Seit Oktober liegt die  Ausdehnung Meereis weit unterhalb des langjährigen Durchschnittswertes. Im November erreichte die mittlere Meereisausdehnung mit 8,8 Mio. km² den niedrigsten Novemberwert seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen 1979.

Der Wert in 2016 liegt circa 757.000 km² unter dem bisherigen Minimum aus dem November 2012. „Es fehlt eine Eisfläche von der Größe Alaskas und Texas‘ zusammen“, so die Klimaforscher. In der Antarktis war die Eisfläche im Oktober vier Prozent kleiner als üblich.

Klimaentwicklung in Deutschland

In Deutschland wichen die mittleren Temperaturen in den einzelnen Monaten jeweils nur leicht von den vieljährigen Mittelwerten ab. Lediglich der September 2016 erreichte mit einer spätsommerlichen Hitzewelle den bisherigen Rekordwert aus dem September 2006. Für das gesamte Jahr 2016 ist für Deutschland eine ähnliche Platzierung zu erwarten, sehr unwahrscheinlich ist jedenfalls ein Platz unter den wärmsten drei Jahren.

„Die mittlere Temperaturabweichung war 2016 für Deutschland im Gegensatz zur globalen Entwicklung nicht besonders auffällig“, meint Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes. „Es muss aber an die Flutereignisse im Frühsommer erinnert werden, die aus meiner Sicht einen Vorgeschmack auf die befürchtete Zunahme von Extremereignissen in einer zukünftigen wärmeren Welt bieten.“

Weitere Informationen

Obamas letzter Klima-Coup

Kurz vor Ende seiner Amtszeit hat US-Präsident Obama große Meeresgebiete zu Schutzgebieten erklärt. Es ist ein Zeichen an seinen Nachfolger Donald Trump. Dessen Personalentscheidung sorgen zunehmend für Beunruhigung.

EurActiv.de