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01/10/2016

Trotz COP21: Indonesien baut weiter Kohlekraftwerke

Energie und Umwelt

Trotz COP21: Indonesien baut weiter Kohlekraftwerke

Obwohl französische Banken in Industrieländern gegen Kohlekraftwerke kämpfen, finanzieren sie die Anlagen in Entwicklungsländern.

[oatsy40/Flickr]

Indonesien, einer der größten CO2-Produzenten, will bis 2019 etwa hundert neue Kohlekraftwerke bauen – eine Strategie, die den COP21-Zusagen ganz und gar nicht gerecht wird. EurActiv Frankreich berichtet.

Monate nach dem internationalen Klimaabkommen von Paris setzt die Nation mit dem weltweit fünftgrößten Treibhausgasausstoß noch immer auf Kohle: In der indonesischen Energiepolitik sind die im Rahmen der Weltklimakonferenz (COP21) definierten Ziele praktisch kaum zu finden. Tatsächlich begrenzt sich sogar die Mehrheit der indonesischen Energieprojekte bis 2019 auf den Bau von Kohleanlagen – die klimaschädlichste Art der Energieerzeugung, so der Bericht « Indonésie : le test climatique du Crédit Agricole et de la Société Générale » (Indonesien: Der Klimatest von Crédit Agricole und Société Générale).

Zusatzkapazitäten

Die energiepolitische Strategie des Landes sieht vor, bis 2019 zusätzliche Kapazitäten in Höhe von 35 Gigawatt bereitzustellen. Das Problem: 20 der 35 Gigawatt sollen mithilfe von etwa hundert neuen Kohlekraftwerken generiert werden. Nur 3,7 Gigawatt entfallen auf erneuerbare Energien. Ausgearbeitet wurde die nationale Strategie schon im Vorfeld der COP21, entwickelte sich jedoch seitdem kaum weiter. „Das Entwicklungsprogramm bis 2026 des öffentlichen Stromversorgers Perusahaan Listrik Negara will sogar 76 zusätzliche Gigawatt erzeugen, von denen nur 16 Gigawatt nicht auf Kohlekraftwerke zurückgehen sollen“, sorgt sich Bondan Andriyanu von Greenpeace Indonesien.

Die Asiatische Entwicklungsbank schätzt, dass der aktuelle Energieplan Indonesiens die CO2-Emissionen im Stromsektor bis 2035 um bis zu 800 Millionen Tonnen CO2 steigern könnte – das ist mehr als eine Verdopplung in nur 25 Jahren.

Leere COP21-Versprechen

Bei der COP21 hatte Jakarta im Rahmen der nationalen Beiträge noch zugestimmt, die CO2-Emissionen des Landes bis 2030 um 29 Prozent zu senken. Schon damals galt dieses Ziel als relativ unambitioniert, vor allem mit Blick auf die vorigen Anstrengungen des Landes. Denn schon bei der Klimakonferenz in Kopenhagen hatte sich Indonesien vorgenommen, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 26 Prozent zu reduzieren. Um diese Ziele zu erreichen, setzte die indonesische Regierung damals vor allem auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, welche nach nur zehn Jahren 23 Prozent des gesamten Strombedarfs decken sollten. Zur Zeit machen sie nicht mehr als sechs Prozent aus.

Wie auch bei zahlreichen anderen Entwicklungsländern, könnten die indonesischen Zusagen angehoben werden, sollte das Land internationale Hilfsgelder erhalten. Durch konsequente Unterstützung aus den Industriestaaten könnte das CO2-Reduktionsniveau je nach Beitrag bis 2030 auf 41 Prozent gesteigert werden.

Ein anderer Ansatzpunkt für Jakarta ist die Bekämpfung von Entwaldung sowie die Gesundung geschädigter Waldflächen. Gemeinsam mit Brasilien und dem Kongo zählt Indonesien zu den am stärksten von der Entwaldung betroffen Länder. Als Hauptursache gilt vor allem der Anbau von Palmöl. In diesem Bereich ist Indonesien einer der weltweit größten Produzenten.

Zu den im Bericht angekreideten Projekten zählt auch der geplante Ausbau des Kohlekraftwerks Tanjung Jati B (TJB). Hierbei sollen zwei zusätzliche Einheiten mit Kapazitäten für jeweils 1.000 Megawatt errichtet werden. „Durch den Bau dieser neuen Kohleanlagen werden die Kohleerzeuger neue Absätze verzeichnen können, während China hingegen seinen Verbrauch einschränkt“, erklärt Lucie Pinson von Friends of the Earth.

Absätze auf dem Kohlemarkt

Dem Bericht zufolge zielt der Bau der Kohleanlagen nicht etwa darauf ab, den Energiebedarf der indonesischen Haushalte zu decken. Viel eher gehe es darum, der bedeutenden Kohleindustrie des Landes neue Absätze zu sichern. „Indonesiens Energieplan für 2019 sieht vor, den Großteil der 35 Gigawatt auf der Insel Java zu generieren. Dabei haben dort bereits 86 Prozent der Menschen Zugang zum Stromnetz, was auf vielen anderen Inseln bei Weitem noch nicht der Fall ist“, unterstreicht Andriyanu.

Auch viele andere NGOs kritisieren Indonesiens Strategie. Denn die Kohlevorkommen könnten laut einer Erklärung des indonesischen Energieministeriums schon 2036 aufgebraucht sein. „Außerdem beträgt die Durchschnittliche Laufzeit eines Kohlekraftwerks etwa 40 Jahre“, betont Pinson.

Beteiligung französischer Banken

Trotz all der Kritik erhält das umstrittene Programm Fördermittel von zwei französischen Geschäftsbanken: Société Générale und Crédit Agricole. Eine weitere Bank, die BNP Paribas, hatte TJB die 3. und 4. Einheit finanziert, sich dann jedoch aus dem neuen Ausbauprojekt zurückgezogen.

Noch im Rahmen der COP21 setzten sich französische Banken dafür ein, die Finanzierung von Kohlekraftwerken in den Industrieländern zu unterbinden. Dieses Engagement scheint sich jedoch nicht auf Entwicklungsländer zu beziehen. Dort sieht man das Zurückgreifen auf Kohle häufig als notwendigen Schritt, um energieunabhängig zu bleiben.

„Laut ihren Leitlinien wollen beide Banken ihre Investitionspolitik in Einklang mit dem Zwei-Grad-Ziel bringen. Dafür müssen sie jedoch eine Methodik entwickeln“, drängt Pinson, „Abgesehen davon ist die Finanzierung von Kohlekraftwerken eindeutig kein Schritt in die richtige Richtung.“