Hinkley Point: Staatshilfe für britischen Atommeiler womöglich weit höher

Durch zwei neue Druckwasserreaktoren am Hinkley Point C soll künftig ein Fünftel von Großbritanniens alternden Atom- und Kohlekraftanlagen ersetzt und damit auch den CO2-Ausstoß des Inselstaates reduziert werden. [Mark Robinson/Flickr]

Die Staatsbeihilfen für das neue britische Atomkraftwerk Hinkley Point C dürften nach Einschätzung des Ökostrom-Anbieters Greenpeace Energy weit höher ausfallen als bislang angenommen. Österreich will in der kommenden Woche Klage einreichen.

Auf Sicht von 35 Jahren könnten sich „allein die staatlich garantierten Vergütungszahlungen“ für den britischen Atom-Meiler Hinkley Point C auf 108 Milliarden Euro summieren, erklärte der Ökostrom-Anbieter Greenepeace Energy am Dienstag unter Bezug auf eine Analyse des Instituts Energy Brainpool. Anfang März hatte der Ökostromanbieter von 22 Milliarden Euro gesprochen.

Im Oktober hatte die Europäische Kommission in einer umstrittenen Entscheidung Subventionen der britischen Regierung für das Atomkraftwerk gebilligt. Diese verstoßen nach ihrer Einschätzung nicht gegen die Regeln für staatliche Beihilfen und sind damit zulässig.

Ökostromanbieter, Umweltschützer und mehrere EU-Mitgliedstaaten sehen dies anders und wollen gegen die Entscheidung vorgehen. Sie befürchten Verzerrungen am Strommarkt. Greenpeace Energy erklärte am Dienstag, im Juli solle eine Klage gegen die Kommission eingereicht werden.

Der Anbieter begrüßte zugleich eine Ankündigung Österreichs, in der kommenden Woche Klage einzureichen. Zugleich forderte er den Bundestag und die Bundesregierung auf, dem Schritt zu folgen und ebenfalls gegen die Genehmigung der Beihilfen vorzugehen.

Die Elektrizitätswerke Schönau erklärten zudem, inzwischen hätten mehr als 171.500 Bürger in dem Fall „eine offizielle Beschwerde“ an die EU-Kommission gerichtet. Die Massenbeschwerde werde von mehr als 30 deutschen und internationalen Umweltschutzorganisationen unterstützt.

Hinkley Point C entsteht im Südwesten Englands und soll voraussichtlich ab dem Jahr 2023 als erstes britisches Atomkraftwerk seit Jahrzehnten neu ans Netz gehen. Die Regierung in London sichert dem Betreiber unter anderem einen garantierten Stromabnahmepreis für die ersten 35 Jahre zu.

Greenpeace Energy ist eine Genossenschaft, die von der gleichnamigen Umweltschutzorganisation im Jahr 1999 gegründet wurde, um die Energiewende voranzutreiben. Die Firma ist wirtschaftlich aber eigenständig. Sie liefert unter anderem Ökostrom und -gas an Kunden.