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26/09/2016

Großbritannien: Grünes Licht für größten Offshore-Windpark der Welt

Energie und Umwelt

Großbritannien: Grünes Licht für größten Offshore-Windpark der Welt

Der Juncker-Plan hat es Großbritannien ermöglicht, verstärkt in Windkraft zu investieren.

[NHD-INFO CC BY 2.0/Flickr]

300 Turbinen zur Versorgung von Millionen Haushalten, Baukosten von rund sechs Milliarden Pfund: Großbritannien plant den weltweit größten Offshore-Windpark. EurActiv-Kooperationspartner edie.net berichtet.

Etwa 89 Kilometer von der Küste Yorkshires entfernt soll bald der 300 Turbinen starke Windpark „Hornsea Project Two“ errichtet werden. Mit der geschätzten zusätzlichen Kapazität von 1,8 Gigawatt könnten pro Jahr ungefähr 1,6 Millionen britische Haushalte mit Strom versorgt werden. 2020 sollen die Anlagen erwartungsgemäß ans Netz gehen.

Die Kosten für den Bau betragen schätzungsweise sechs Milliarden Pfund (6,94 Milliarden Euro). Bis zur Fertigstellung sollen in der Humber-Region 1.960 Arbeitsplätze im Baugewerbe und 580 im Bereich Wartung und Betrieb geschaffen werden.

„Die britische Offshore-Windbranche ist in den letzten Jahren außergewöhnlich schnell gewachsen. Sie ist wichtiger Bestandteil unseres Plans, ein sauberes, erschwingliches und sicheres Energiesystem zu schaffen“, erklärt Greg Clark, Großbritanniens neuer Energieminister. „Das Vereinigte Königreich ist eine der weltweit führenden Nationen in Sachen Offshore-Windkraft. Wir sind entschlossen, jetzt auch führendes Investitionsziel für erneuerbare Energien zu werden, denn das bedeutet mehr Arbeitsplätze und mehr Wirtschaftswachstum im ganzen Land.“

„Riesiges Potenzial“

Grünes Licht gab es, nachdem der Projektfinanzierer Dong Energy im Februar eine entscheidende Investition in den geplanten Windpark „Horn Sea Projekt One“ bestätigte. Die Regierung nutzte die Ankündigung, um eigene Pläne vorzulegen. So will sie noch in dieser Legislaturperiode 730 Millionen Pfund (843 Millionen Euro) an finanzieller Unterstützung zur regenerativen Stromerzeugung bieten. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts rechnet sie mit neuen Offshore-Windkapazitäten von zehn Gigawatt.

„Das sind fantastische Neuigkeiten für lokale Gemeinden und die Umwelt,“ betont Guy Shrubsole, Aktivist der NGO Friends of the Earth (FoE). „Dieser riesige Windpark wird genug saubere Energie erzeugen, um fast zwei Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen. Er wird Hunderte neue Arbeitsplätze schaffen. […] Die nationalen Offshore-Windressourcen auszubauen, könnte auch die Nachfrage nach britischem Stahl ankurbeln und dem produzierenden Gewerbe im Land neuen Schwung verleihen. Theresa Mays Regierung muss das grüne Energiepotenzial Großbritanniens noch aktiver nutzen und unsere Abhängigkeit von klimaschädlichen fossilen Brennstoffen beenden.“

Ähnliches Lob kommt auch von Good Energy, einem Versorger für erneuerbaren Strom. Dessen Direktor, Mark Meyrick, verweist ebenfalls auf das Potenzial der Offshore-Windkraft, das den Übergang hin zu einer CO2-armen Wirtschaft sichern könne. „Das Vereinigte Königreich ist im Bereich Windkraft schon jetzt weltweit führend. Dieses neue Projekt verdeutlicht, welch großes Potenzial bei den erneuerbaren Energien noch immer in uns schlummert“, erklärt er. „Eines ist klar: Unsere europäischen Partner vertrauen auf das Windkraft-Potenzial dieses Landes. Wir müssen unsere Ambitionen bei der Offshore-Windkraft jetzt mit neuen Technologien wie Gezeitenlagunen verknüpfen. Letztere könnten acht Prozent des britischen Strombedarfs decken.“

Windkraft statt Atomstrom

Die Neuigkeiten zum Hornsea-Projekt machten passenderweise genau am selben Tag Schlagzeilen wie das Forschungsergebnis von Bloomberg New Energy Finance (BNEF). Diesem nach könnte Großbritannien sein 18 Milliarden Pfund schweres Atomkraftwerk in Hinkley Point vom Netz nehmen und mit eben jener Investitionssumme etwa 830 Windräder aufstellen, welche dieselbe Menge an sauberem Strom (etwa 25 Terawattstunden im Jahr) erzeugen würden. Mays Regierung lässt derzeit die zugehörigen Atomreaktoren in Somerset überprüfen. „Wenn wir jetzt 18 Milliarden Pfund zur Verfügung hätten, könnten wir 5,7 Gigawatt an Offshore-Windkraftkapazitäten bauen. Damit hätten wir fast doppelt so hohe Kapazitäten und könnten dieselbe Menge an Strom produzieren wie Hinkley Point“, bestätigt Keegan Kruger von BNEF.

Die Ankündigung des neuen Windparks spricht dafür, dass erneuerbare Energieträger wie die Windkraft dem AKW in Hinkley Point und der Schiefergasförderung ihren Rang als Hauptstromquellen Großbritanniens ablaufen könnten.

„Ausgereifter Lösungsansatz“

Offshore-Windkraft biete vor allem zeitlich und finanziell einen „ausgereiften Lösungsansatz für den britischen Energiemix“, unterstreicht Huub den Rooijen, Direktor des Kronguts in Großbritannien.

Wenn in Hornsea alles nach Plan verläuft, könnte das Vereinigte Königreich bis 2020 etwa zehn Prozent des eigenen Strombedarfs durch Windenergie decken. Insgesamt verfügt das Land über zehn Gigawatt an Offshore-Windkapazitäten, die entweder in Betrieb, im Bau oder durch ausländische Direktinvestitionen gesichert sind.