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25/07/2016

Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn erwägen Beteiligung an Turkish Stream-Pipeline

Energie und Umwelt

Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn erwägen Beteiligung an Turkish Stream-Pipeline

Der geplante Verlauf der Turkish Stream-Pipeline im Schwarzen Meer. Foto: [Gazprom]

Die Außenminister Griechenlands, Mazedoniens, Serbiens und Ungarns treffen sich heute in Budapest und wollen Möglichkeiten für eine Beteiligung an den russischen Plänen für das neue Turkish Stream-Pipelineprojekt ausloten. EurActiv Brüssel berichtet.

Nach Angaben der griechischen Zeitung Kathimerini soll das Thema Energiezusammenarbeit bei den Gesprächen in der ungarischen Hauptstadt Budapest im Vordergrund stehen. Der griechische Außenminister Nikos Kotzias berät sich dabei mit seinen türkischen, serbischen, mazedonischen und ungarischen Amtskollegen.

Das Treffen findet vor der zweitägigen Reise des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras nach Moskau statt. Die Außenminister werden voraussichtlich Möglichkeiten für eine Beteiligung an den russischen Plänen für das neue Pipelineprojekt Turkish Stream ausloten. Kathimerini zufolge will man eine gemeinsame Interessenserklärung für das Projekt verabschieden.

Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte Turkish Stream im Dezember in Ankara an – als Ersatz für das gescheiterte South Stream-Projekt. Diese Pipeline soll die Ukraine sowie Bulgarien umgehen, das das South Stream-Projekt stoppte.

Im Anschluss an die Budapester Gespräche soll auch der griechische Außenminister Kotzias nach Moskau fliegen, um an den griechisch-russischen Gesprächen teilzunehmen.

Russland soll entschlossen sein, den Offshore-Abschnitt von Turkish Stream zum europäischen Teil der Türkei zu bauen. Das Gas soll dann zu einer Drehscheibe an der türkisch-griechischen Grenze gebracht werden.

Der russische Gasmonopolist Gazprom kaufte kürzlich die Anteile seiner europäischen Partnerunternehmen an der South Stream-Gaspipelinegesellschaft auf. Bei diesem Schritt soll es vor allem um die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zur Eni-Tochter Saipem gegangen sein. Denn Saipem hat die Lizenz für die Verlegung der Pipeline am Grund des Schwarzen Meeres für South Stream.

Ab dort sei es an der EU zu entscheiden, wie das Gas weitertransportiert werde, erklärt Russland. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hielt bei einem Ungarn-Besuch Putins bereits eine entsprechende Verlaufskarte der geplanten Pipeline durch Griechenland, Mazedonien, Serbien und Ungarn parat.

Hintergrund

Nach Vorbehalten der Europäischen Union gab Russland das 40 Milliarden US-Dollar teure South Stream-Projekt auf. Es sollte jährlich bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas in die EU transportieren.

Stattdessen plant der russische Gasexporteur Gazprom jetzt bis Ende 2016 den Bau einer Pipeline mit der gleichen Kapazität zu einer ebenfalls noch nicht gebauten Drehscheibe an der türkisch-griechischen Grenze.

Die EU steht einer Umsetzung des Projekts skeptisch gegenüber. Regierungsbeamten in Ankara schätzen den Zeitrahmen für das Projekt als unrealistisch ein.

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