Glyphosat-Anhörung: Hitzige Debatten, bezahlte Experten und Transparenz

Die Einschätzungen, ob Glyphosat krebserregend ist, gehen auseinander. Die Debatte wird hitzig geführt. [Mike Mozart/Flickr]

Die Umwelt- und Landwirtschaftsausschüsse des Europäischen Parlaments halten am heutigen Mittwoch eine mit Spannung erwartete öffentliche Anhörung zu den sogenannten „Monsanto-Papieren“ und Glyphosat ab. Es ist zu erwarten, dass sich die Debatte um die umstrittenen Chemikalie weiter verschärft.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben bereits ihr grünes Licht für Glyphosat gegeben. Es sei unwahrscheinlich, dass die Chemikalie bei Menschen krebserregend ist, wenn sie über die Nahrung in den Körper genannt.

Diese Entscheidung steht allerdings in direktem Kontrast zu einer Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO (IARC), die herausgefunden hatte, das Pflanzenschutzmittel sei „wahrscheinlich krebserregend“.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis wiederum erklärte kürzlich gegenüber EURACTIV.com, Glyphosat-Gegner bezögen sich lediglich auf die Ergebnisse der IARC und würden der EU vorwerfen, diese „Einzeldarstellung“ nicht zu berücksichtigen. Dies entspreche aber schlicht nicht der Realität.

Die EFSA und das Glyphosat

Die EFSA, die europäische Lebensmittel-Agentur, steht aufgrund ihrer Bewertung von Glyphosat in der Kritik.

In den USA haben derweil mehrere hundert Krebspatienten Monsanto verklagt. Ihrer Ansicht nach hat die Firma ihre Kunden nicht vor dem Krebsrisiko des Pflanzenschutzmittels Roundup gewarnt.

Bei der heutigen Anhörung wird der  führende Toxikologe und Umwelttechniker Dr. Christopher Portier auftreten, um der Ansicht, Glyphosat sei krebserregend, Nachdruck zu verleihen. Portier hatte sich in Briefen an Kommissar Andriukaitis und an die US-Umweltbehörde EPA deutlich gegen Glyphosat ausgesprochen.

In ihnen hatte er erklärt: „Die hier vorliegenden Meinungen und die Analysen, auf denen diese Meinungen beruhen, sind ausschließlich meine eigenen und wurden ohne jegliche Entlohnung erarbeitet. Ich bin als privater Berater für eine US-Anwaltskanzlei tätig, die sich mit Glyphosat-Gerichtsverfahren beschäftigt. In Teilzeit steuere ich auch wissenschaftliche Arbeiten für den Environmental Defense Fund zu Themen bei, die nicht mit Glyphosat oder anderen Pestiziden in Zusammenhang stehen.“

Am 13. Dezember 2016 hatte Portier an einer Anhörung zum Thema Glyphosat der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) teilgenommen. Er trat dort für die NGO Health and Environmental Alliance (HEAL) auf. In einem Interview nach der Anhörung erklärte er: „Beim Thema Glyphosat ist das Wichtigste, dass Transparenz ein essenzieller Teil des Prozesses ist. Die Leute wollen wissen, was passiert. Wenn Sie nicht transparent sind, werden Sie das Vertrauen der Menschen verlieren.“

EURACTIV hat die Möglichkeit erhalten, Dokumente eines laufenden Verfahrens vor einem US-Gericht einzusehen. Aus ihnen geht hervor, dass Portier seinen Kunden für seine Aussage vor Gericht einen „beträchtlichen Betrag“ in Rechnung gestellt hat. Dies ist in den USA bei Experteneinschätzungen vor Gericht allerdings üblich.

Nichts zu verbergen

Auf Nachfrage von EURACTIV gab Portier zu, er könne verstehen, dass sein Engagement unter gewissen Umständen als Interessenskonflikt ausgelegt werden könnte. Er unterstrich aber, dieses Engagement geschehe „eben keinesfalls im Verborgenen. Als ich angefragt wurde, an dieser Anhörung teilzunehmen, wurde mir gesagt, dies sei kein Problem. Ich trete dort als Einzelperson auf und erhalten keinerlei Bezahlung. Die Ansichten, die ich vertrete, sind einzig und allein meine eigenen; ich trete für keinen Kunden auf.“

Glyphosat-Zulassung: Das harte Ringen um die Verlängerung

Die EU-Kommission versucht derzeit, die Gräben zwischen den Mitgliedstaaten für eine Wiederzulassung von Glyphosat zu überbrücken.