Gezeitenenergie: Weltrekord vor der schottischen Küste

An der Nordküste Schottlands wurd zudem eine dritte Gezeitenenergie-Turbine in Betrieb genommen. [Atlantis]

Der August war ein Rekord-Monat für die schottische Stromproduktion aus Gezeitenenergie. Eine Anlage produzierte 700 Megawattstunden. Laut Studien kann die Gezeitenenergie inzwischen fast die Hälfte des Energiebedarfs Schottlands decken.

Das MeyGen Projekt vor der schottischen Nordküste, in der Nähe der Orkney Islands, hat mit seinen zwei Turbinen vergangenen Monat genug Energie für 2.000 Haushalte generiert. Der Direktor des Projekts, David Taffe, meldete diesen Produktionsrekord und erklärte darüber hinaus, eine dritte Turbine sei Mitte August erfolgreich eingebaut worden und ans Netz gegangen. Daher erwarte man im Laufe des Jahres weitere Rekorde. Bis zum Ende des dritten Quartals soll das Kraftwerk seine Maximalauslastung erreichen und dann 6MW Energie produzieren.

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Die Anlage liegt an einem Ort, an dem Wasserströme aus dem Atlantik auf die Nordsee treffen. In einer Studie aus dem Jahr 2014 hatten Forscher der Universitäten Oxford und Edinburgh herausgefunden, dass die Gezeitenströme in diesem Gebiet genug Energiepotenzial besitzen, um fast die Hälfte des schottischen Bedarfs zu decken. Es sei somit „höchstwahrscheinlich das weltbeste Gebiet für Gezeitenenergie.“

Gezeiten-, Wellen- und Meeresenergie haben 2015 lediglich 0,02 Prozent zur Energieproduktion in der EU beigetragen. Nur Frankreich und Großbritannien nutzten diese Energiequelle. Projekte dieser Art wurden oft nur langsam umgesetzt und waren starkem politischem Widerstand ausgesetzt.

Pläne für ein Sperrwerk im sogenannten Severn Estuary zwischen England und Wales existieren beispielsweise seit Jahrzehnten, doch auch ein erneuter Versuch, das Projekt umzusetzen, scheiterte kürzlich: Die britischen Gesetzgeber entschieden, die Umwelt- und wirtschaftlichen Argumente für den Plan seien nicht überzeugend. Das Projekt hätte fünf Prozent des Energiebedarfs Großbritanniens decken können. Stattdessen gibt es inzwischen kleinere Gezeitenanlagen.

Laut Energieexperten liegt das Potenzial der Gezeitenenergie bei weltweit 120 GW, 20 davon in Europa. Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU sieht ein bindendes Ziel von mindestens 20 Prozent erneuerbare Energien im Strommix bis 2020 vor. Das vorgeschlagene Ziel für 2030 (27 Prozent) wird von vielen Seiten als zu unambitioniert kritisiert.

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Der August-Rekord in Schottland reiht sich ein in eine Liste weiterer Erfolge der erneuerbaren Energien im Land: Im Juli wurde mitgeteilt, dass in jedem einzelnen der ersten sechs Monate des Jahres genug Windenergie produziert wurde, um alle schottischen Haushalte sechs Tage lang mit Strom zu versorgen.

Die Umweltorganisation WWF Scotland kommentierte: „Die ersten sechs Monate 2017 waren ein großer Erfolg für die erneuerbaren Energien. Windturbinen alleine haben dafür gesorgt, dass Millionen Tonnen klimaschädlicher Kohleemissionen vermieden werden konnten.“