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09/12/2016

Gabriel und Hendricks kritisieren EU-Pläne zur Förderung der Atomkraft

Energie und Umwelt

Gabriel und Hendricks kritisieren EU-Pläne zur Förderung der Atomkraft

Atomkraftwerke sind selbst in Frankreich und Großbritannien auf längere Sicht entbehrlich, meinen Experten. Deutschland will bis 2022 aussteigen.

Foto: dpa

„Nicht nur hoch gefährlich, sondern auch verdammt teuer“: In Deutschland stoßen Überlegungen der EU-Kommission zu EU-Subventionen für die Atomenergie auf heftige Kritik.

„Das ist eine verrückte und unverantwortliche Idee“, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks am Dienstag in Berlin. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel erklärte: „Atomkraft ist nicht nur hoch gefährlich, sondern auch verdammt teuer.“ Die EU-Kommission räumte ein, es gebe ein Strategiepapier, in dem gefordert wird, dass die EU mit Investitionen ihre Vorherrschaft im Nuklear-Sektor verteidigen solle. Allerdings sei das Papier eine Diskussionsgrundlage und lege die Kommission nicht fest, teilte eine Sprecherin in Brüssel mit. Die Kommission werde am 24. Mai das Thema beraten und eine Erklärung zu Forschungsprioritäten im Energiesektor verabschieden. „Spiegel Online“ hatte unter Berufung auf das Strategiepapier berichtet, die EU-Kommission setze auf Atomkraft.

Gabriel gegen EU-Subventionen

„EU-Subventionen für den Bau von Atomkraftwerken können wir nicht unterstützen“, sagte Gabriel. Die EU-Kommission solle endlich eine konkrete Strategie zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und zum Energiesparen in ganz Europa entwickeln. Hendricks sagte, zu glauben, mit mehr Atomkraft könne das Klima gerettet werden, sei ein Irrtum. Atomenergie-Befürworter argumentieren, mit Atomkraftwerken ließen sich Kohle- oder Gaskraftwerke mit hohen Emissionen an Kohlendioxid ersetzen.

In Deutschland hatte die Bundesregierung nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima und der ungelösten Lagerung von hochradioaktiven Atommüll 2011 den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen.

„Spiegel Online“ zufolge wird in dem Papier dafür plädiert, dass die Mitgliedstaaten bei der Erforschung, Entwicklung, Finanzierung und beim Bau neuer innovativer Reaktoren stärker kooperieren. Vorantreiben will die EU dem Bericht zufolge den Bau von Mini-Reaktoren. Spätestens 2030 solle ein solcher Meiler in Europa im Einsatz sein. Das Papier solle die Grundlage für die künftige Atompolitik der EU-Kommission sein und am Mittwoch von den für die Energiepolitik zuständigen Kommissaren verabschiedet werden.

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