Frankreich gibt „grüne“ Staatsanleihen aus

Grüne Anleihen erfordern detaillierte Berichterstattung und sind an spezielle Umwelt- oder Energieprojekte gebunden. [didierclichy/Flickr]

Heute hat Frankreich nach Polen als zweites europäisches Land die ersten „grünen Anleihen“ ausgegeben. Der Mangel an internationalen Standards wirft jedoch Fragen in der EU-Kommission auf. EURACTIV Frankreich berichtet.

Anders als von Paris bei der Energiewende-Konferenz im April 2016 angekündigt, ist Frankreich nun doch nicht das erste Land mit „grünen“ Staatsanleihen geworden. Trotz des großen Trubels um das französische Projekt lancierte Warschau Mitte Dezember zuerst Staatsanleihen im Wert von 750 Millionen Euro zur Finanzierung der eigenen Energiewende.

Frankreich will erster Staat mit "grünen Staatsanleihen" werden

Frankreich will 2017 als erstes Land der Welt „grüne Anleihen“ ausgeben und so umweltfreundliche Investitionen finanzieren. EURACTIV-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

Investoren freuten sich über Warschaus Finanzierungsaufruf, blieben jedoch teilweise skeptisch. Die Bank HSBC, die die Ausgabe der Anleihen organisiert, gab bisher noch keine Details darüber bekannt, welche Projekte sie mit den Mitteln zu fördern beabsichtigt.

Polnische Grünfärberei?

Auf europäischer Ebene liegt Polen in Sachen Klimaschutz noch immer zurück. Warschau stellt sich bewusst einer Reform des Kohlenstoffmarktes in den Weg. Darüber hinaus verweigert das Land bindende Emissionsgrenzen für die Landwirtschaft und bestimmte Transportbranchen, die noch immer unkontrolliert CO2 ausstoßen.

Nigeria und Luxemburg wollen nun in Polens und Frankreichs Fußstapfen treten. Auch sie verkündeten, in unmittelbarer Zukunft grüne Anleihen zur Finanzierung ihrer Energiewende auszugeben.

„Im Gegensatz zu anderen Anleihen, die das Finanzministerium ausgibt, verpflichten Frankreichs grüne Anleihen den Staat dazu, Förderoptionen zu ermitteln, die einen energie- und umweltpolitischen Richtungswechsel ermöglichen“, heißt es aus dem französischen Umweltministerium. „Der Staat hat die Pflicht, Bericht über die Investitionen zu erstatten, die auf diese Weise finanziert werden.“

Ein aufstrebender Markt

Laut einer Studie der EU-Kommission vom vergangenen November belief sich der Wert des Marktes für grüne Anleihen 2015 auf 41 Milliarden Dollar. Diese Summe könnte sich für 2016 sogar verdoppeln. Der Löwenanteil des Marktes wird derzeit von lokalen Behörden und Entwicklungsbanken wie der Weltbank oder der Europäischen Entwicklungsbank angetrieben. Das allmähliche Erscheinen großer Kreditnehmer auf dem Markt in Form von souveränen Staaten könnte für einen beträchtlichen Aufschwung sorgen.

Grüne Anleihen machen zurzeit lediglich 0,13 Prozent des gesamten Anleihemarktes aus. Um ihre Entwicklung zu fördern, zieht die EU gemeinsame Standards in Betracht. Diese sollen sicherstellen, dass die Mittel nicht in unbestätigte Projekte fließen oder in Vorhaben, die gewissen ökologischen Kriterien nicht gerecht werden.

Hintergrund

Der noch relativ junge Markt für grüne Anleihen entstand im Jahr 2007. Damals brachten öffentliche Institutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Weltbank erstmals grüne Anleihen in Umlauf, um beispielsweise erneuerbare Energien und Effizienzprojekte zu finanzieren.

In jüngster Zeit wagten auch Unternehmen wie der französische Stromanbieter EDF, Air Liquide, Engie und Schneider Electric den Sprung in den grünen Anleihenmarkt. Sie wollten dadurch natürlich nicht nur ihren Umstieg auf erneuerbare Energien sichern, sondern auch ihre Investorenbasis diversifizieren.

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