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25/09/2016

Frankreich will erster Staat mit „grünen Staatsanleihen“ werden

Energie und Umwelt

Frankreich will erster Staat mit „grünen Staatsanleihen“ werden

DIe französische Umweltministerin Ségolène Royal.

[France Ecologie Energie/Flickr]

Frankreich will 2017 als erstes Land der Welt „grüne Anleihen“ ausgeben und so umweltfreundliche Investitionen finanzieren. EurActiv-Kooperationspartner La Tribune berichtet.

Sollten die Marktbedingungen es zulassen, wird die französische Regierung im kommenden Jahr ihre ersten grünen Anleihen in Umlauf bringen. Mit diesen will sie Umweltprojekte finanzieren. Bisher sind grüne Anleihen noch ein Finanzinstrument, das vor allem Unternehmen und eine Auswahl öffentlicher Institutionen nutzen.

„[Frankreich] bekräftigt seine Position als treibende Kraft hinter den anhaltenden Ambitionen des Pariser Abkommens vom vergangenen Dezember, indem es als erstes Land der Welt grüne Staatsanleihen ausgeben wird“, betonte die französische Umweltministerin Ségolène Royal am 2. September in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Finanzminister Michel Sapin. „Der Eintritt des französischen Staates in den Anleihenmarkt wird dessen Entwicklung beschleunigen und Paris zu einer der größten Finanzmetropolen der Energiewende machen“, fügte Sapin hinzu.

Neun Milliarden Euro in drei Jahren

Diese Ankündigung ist eigentlich nur eine Bestätigung dessen, was der französische Präsident François Hollande schon auf einer Umweltkonferenz am 25. April versprochen hatte. Das Land bereite den Einstieg in den grünen Anleihenmarkt vor, hatte er damals verkündet.

In der gemeinsamen Erklärung der Minister geht man vage auf ein Vorhaben „in Milliardenhöhe“ ein. Die Umweltorganisation WWF France macht da präzisere Angaben, wenn sie von „neun Milliarden Euro über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg“ spricht. Ziel sei es ganz konkret, die grünen Anlagen des dritten französischen Programms für Zukunftsinvestitionen zu finanzieren. Die Umwelt-NGO begrüßt die Maßnahmen des französischen Staates. Der Beschluss bringe „zwei große Vorteile“ mit sich, meint Pascal Canfin, General-Direktor von WWF France. Erstens, er sichere neun Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln für die Energiewende, „unabhängig vom Ausgang der kommenden Wahlen“. Und zweitens, Frankreichs Beispiel könnte andere Länder wie China oder die USA dazu bewegen, in grüne Anleihen zu investieren.

Ein rasant wachsender Markt

Der noch relativ junge Markt für grüne Anleihen entstand im Jahr 2007. Damals brachten öffentliche Institutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) und die Weltbank erstmals grüne Anleihen in Umlauf, um beispielsweise erneuerbare Energien und Effizienzprojekte zu finanzieren.

In jüngster Zeit wagten auch Unternehmen wie der französische Stromanbieter EDF, Air Liquide, Engie und Schneider Electric den Sprung in den grünen Anleihenmarkt. Sie wollten dadurch natürlich nicht nur ihren Umstieg auf erneuerbare Energien sichern, sondern auch ihre Investorenbasis diversifizieren.

Einige französische Lokalregierungen folgen dem Trend ebenfalls. So vergaben bisher die Regionen Île-de-France, Nord-Pas-de-Calais und Provence-Alpes-Côte d’Azur grüne Anleihen, um öffentliche Transportprojekte und energetische Gebäudesanierungen zu finanzieren.

Der weltweite Markt für grüne Anleihen ist der französischen Regierung zufolge zwischen 2013 und 2015 von 13 Milliarden Dollar auf 48 Milliarden angewachsen. Dieses Jahr soll er die 100-Milliarden-Dollar-Grenze überschreiten. Der rasante Aufstieg grüner Anleihen sollte jedoch nicht davon ablenken, dass es vielen förderfähigen Projekten noch immer an Transparenz mangelt.